• Potsdamer Stadtpalais: Karstadt-Haus gehört Investment-Unternehmen aus London
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Potsdamer Stadtpalais : Karstadt-Haus gehört Investment-Unternehmen aus London

Das Grundstück samt Stadtpalais, in dem Potsdams Karstadt-Kaufhaus Mieter ist, gehört PNN-Recherchen zufolge einem Investmentmanager aus London. Er kaufte es für einen mittleren zweistelligen Millionen-Betrag.

Die Karstadt-Zweigstelle auf der Brandenburger Strasse in Potsdam.
Die Karstadt-Zweigstelle auf der Brandenburger Strasse in Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Das Stadtpalais, in dem sich die Potsdamer Karstadt-Filiale befindet, gehört PNN-Recherchen zufolge dem Londoner Investor Meyer Bergman (MB). Am Freitag wurde außerdem bekannt, dass die Kaufhausfiliale nicht geschlossen werden soll.

Erst Ende 2016 hatte Meyer Bergman die Immobilie für 53 Millionen Euro gekauft. Das geht aus den Vertragsunterlagen hervor, die die PNN einsehen konnten. Für weitere acht Millionen erwarb MB demnach auch das dazugehörige Parkhaus in der Hegelallee. Weil sich das denkmalgeschützte Warenhaus im Gebiet der ”Zweiten barocken Stadterweiterung” befindet, hatte die Stadt seinerzeit ein Vorkaufsrecht, auf das sie jedoch verzichtete. 

Seiner Website zufolge sieht sich der Eigentümer als Gestalter und Erneuerer von Innenstädten. Dort heißt es selbstbewusst: "Wir bei Meyer Bergman verstehen es, die urbane Erfahrung zu kuratieren. Gemeinsam haben wir hunderte von Jahren Erfahrung darin, das Potenzial von Menschen, Marken, Gebäuden und Räumen neu zu erfinden." Nach eigenen Angaben hat sich das Unternehmen auf "gemischt genutzte Räume" spezialisiert, also die Kombination verschiedener Immobilienarten wie Büro und Einzelhandel. 

Meyer Bergman verwaltet mehrere Immobilienfonds. Einer davon nennt sich “Meyer Bergman European Retail Partners III” und ist Eigentümer des Karstadt-Grundstückes. Den Kaufvertrag unterzeichnete als Vertreter des Fonds der Deutschlandchef von Meyer Bergman, Henning Zimmermann. 

Die Miethöhe ist ein wichtiger Faktor für den Erhalt von Karstadt

Einem Anhang des Kaufvertrages zufolge zahlte die damalige Karstadt Warenhaus GmbH für ihre Fläche von 12.594 Quadratmetern zu diesem Zeitpunkt eine Miete von 16,32 Euro pro Quadratmeter netto. Die Höhe der Miete gilt als einer der wichtigsten Faktoren für den Erhalt des Kaufhauses. Das Rathaus teilte auf PNN-Anfrage am Donnerstag mit, die Verhandlungen zwischen Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und dem Eigentümer seien bislang „sehr konstruktiv verlaufen“. 

Oberbürgermeister Mike Schubert hat sich für die Erhaltung des Standortes eingesetzt.
Oberbürgermeister Mike Schubert hat sich für die Erhaltung des Standortes eingesetzt.Foto: Andreas Klaer

Meyer Bergman ist Eigentümer zahlreicher Einzelhandelsimmobilien in ganz Europa. Dazu gehören zum Beispiel die Burlington Arcade, eine traditionsreiche Shoppingmeile in London, oder Luxusgeschäfte in der Innenstadt von Oslo. Aber auch das Shoppingcenter Galeria Katowicka im polnischen Katowice oder die Topas Arkade an der Berliner Friedrichstraße sind Teil des Portfolios.  

Zahlreiche Investitionen in Deutschland

In letzter Zeit hat MB mehrere große Investitionen in Deutschland getätigt, unter anderem in Frankfurt am Main und Hamburg. Erst vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Meyer Bergman im Berliner Bezirk Neukölln ein ehemaliges Umspannwerk aus den 1920er Jahren gekauft hat. Das Objekt soll laut Investor saniert und um einen Bürokomplex erweitert werden. So sollen 4400 Quadratmeter neue Bürofläche entstehen. Neben dem Hauptsitz in London verfügt MB über Filialen in New York und Frankfurt.  

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Der Potsdamer Mieter von MB, die inzwischen insolvente Galeria Karstadt Kaufhof GmbH, gehört zur Signa-Holding des österreichischen Immobilieninvestors René Benko. Interessanterweise haben beiden Unternehmensgruppen schon einmal einen Deal abgeschlossen, in dem es um eine Karstadt-Filiale ging. Meyer Bergmann verkaufte 2016 das Karstadt-Kaufhaus am Berliner Hermannplatz an Signa. MB hatte das 90.000 Quadratmeter große Gebäude samt dazugehörigem Parkhaus erst drei Jahre zuvor erworben. 

Meyer Bergman ist ein Familienunternehmen

Viele Investoren in der Immobilienbranche verstecken ihren Namen hinter komplexen Firmengeflechten. Meyer Bergman hingegen ist keine anonyme Investmentgesellschaft, sondern eher ein Familienunternehmen. Geschäftsführer ist der Niederländer Markus Meijer. Der heute 49-jährige hat an der Universität Leiden und der französischen Wirtschaftshochschule Insead studiert. In den 1990er Jahren arbeitete er unter anderem für die US-amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs und Hines. 

Das Unternehmen Meyer Bergman gründete er 2004 gemeinsam mit seinem Vater Ton Meijer, nachdem beide die Vorgängerfirma aufgelöst hatten. Auch die Ehefrau des Vaters, Maya Meijer Bergmans, ist im Immobiliengeschäft tätig. Gemeinsam mit Ton Meijer führt sie in Den Haag eine Firma namens MeyerBergman Erfgoed Groep, die sich auf Investitionen in Baudenkmäler spezialisiert hat. 

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