• Potsdamer Rechenzentrum: Für Ersatzquartier stehen drei Investoren bereit

Potsdamer Rechenzentrum : Für Ersatzquartier stehen drei Investoren bereit

Als Ersatz für das Rechenzentrum soll ein neues Kreativquartier gebaut werden. Nun gibt es drei Investoren, die sich das zutrauen. Eine Auswahljury muss entscheiden.

Das Baufeld für das neue Kreativzentrum.
Das Baufeld für das neue Kreativzentrum.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Es geht um den umstrittenen Ersatz für das Künstlerhaus Rechenzentrum: Für den Bau des neuen Kreativquartiers auf dem Gelände der ehemaligen Feuerwache stehen drei potentielle Investoren in den Startlöchern. Das teilte der kommunale Sanierungsträger für die Mitte am Dienstag mit. Am Abend zuvor hatte demnach die Auswahljury für den Investoren getagt, zu der Stadtverordnete, Vertreter der Kreativ-Szene, der Stadt und des Sanierungsträgers gehören.
Wie berichtet hatte der Sanierungsträger im Juli die Ausschreibung für das rund 11.000 Quadratmeter große Grundstück gestartet – und mit strengen Vorgaben versehen. So müssen die Bewerber für das Zentrum mindestens 10.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für die Kunst- und Kreativwirtschaft ausweisen, davon mindestens 4300 Quadratmeter mit einer niedrigen Anfangsnettokaltmiete von neun Euro pro Quadratmeter. Ferner mussten die Bieter nachweisen, dass sie schon ähnliche Zentren entwickelt haben. 

Die Namen werden zunächst geheimgehalten

Gemeldet haben sich nun drei Investoren, deren Namen für einen möglichst anonymisiertes Auswahlverfahren zunächst geheim gehalten werden – selbst die Mitglieder der Auswahljury erfuhren sie am Montag nicht. Zumindest aber gab der Sanierungsträgerchef Bert Nicke bekannt, dass die Ansätze der Bieter „sehr unterschiedlich“ seien, gerade im Umgang mit öffentlichen Nutzungen wie beispielsweise möglichen Cafés, Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen, Innen- und Außenbühnen und der Hofgestaltung des neuen Kreativquartiers. 

Der Sanierungsträger – eine Tochter der städtischen Bauholding Pro Potsdam – erklärte weiter: „Auch der Anteil an Wohnnutzungen für standortaffine Wohnformen wie Studios, Appartements und gemischte Wohn-/Arbeitsangebote weicht stark voneinander ab.“ Das Spektrum reiche hier von mehr als 50 Prozent Wohnen bis zu weniger als einem Viertel Wohnnutzung – auch damit könnte der Betrieb und Bau der Anlage wie berichtet querfinanziert werden.

Nicke teilte dazu mit: „Wir waren vom breiten Spektrum der eingereichten Bau- und Nutzungskonzepte überrascht.“ So habe die Auswahljury „echte Entscheidungsoptionen“ für die Gestaltung des Quartiers. Die Co-Chefin des Sanierungsträgers, Sigrun Rabbe, räumte aber auch ein, „dass die anspruchsvoll formulierten Anforderungen an die Standortentwicklung nur von einer kleinen Zahl Bieter inhaltlich, organisatorisch und finanziell gestemmt werden kann.“ Gleichwohl sei man auch in der Jury sehr zufrieden gewesen mit der „Qualität und der Substanz der eingereichten Arbeiten sowie der modernen, vielschichtigen Ansätze“. 

Am 14. November soll ein Favorit feststehen

Nun könnten die Bieter bis zum 25. Oktober ihre Angebote verbessern, am 14. November dann soll sich die Auswahljury für einen Favoriten entscheiden. Dem müssen dann noch die Stadtverordneten im nächsten Januar zustimmen. Zusammen mit dem Investor, den Vertretern der Kreativwirtschaft und der Auswahljury soll dann im Februar 2020 ein Werkstatt- und Dialogverfahren starten: Dann sollen für das ausgewählte Nutzungskonzept Gestaltungsvarianten erarbeitet und ein Architekt ausgewählt werden.
Die Zeit drängt: Ende 2023 sollen die Künstler vom Rechenzentrum in das neue Quartier ziehen. Auf diesen Zeitplan hatte sich die Stadt mit der Stiftung Garnisonkirche verständigt, auf deren Grundstück sich das Rechenzentrum befindet – und das einem Kirchenschiff im Wege stehen würde. Schon allein deshalb ist der Abriss des Rechenzentrums hoch umstritten und Teil der anhaltenden Debatte um den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Dafür hatte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) zuletzt eine Kompromisssuche angestoßen, die in Bezug zum Kirchenschiff auf einen deutlichen Nutzungs- und achitektonischen Bruch abzielte. 

Das Kreativhaus Rechenzentrum, aufgenommen 2017.
Das Kreativhaus Rechenzentrum, aufgenommen 2017.Foto: Sebastian Gabsch

In den vergangenen Tagen hatten dann Kritiker des Wiederaufbauprojekts unisono den Erhalt des Rechenzentrums gefordert. Der DDR-Bau gilt wegen seiner miserablen Energiebilanz als stark sanierungsbedürftig – gleichwohl steht das dort im Erdgeschoss angebrachte Mosaik „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ von Fritz Eisel unter Denkmalschutz. „Auch für den Verbleib des Mosaiks sind gute Konzepte vorgestellt worden“, erklärte Nicke, ohne konkreter zu werden. Und: „Wir glauben, dass wir am Ende allen Kritikern und Zweiflern ein überzeugendes Konzept präsentieren können.“