• Potsdamer Rathaus legt neue Pläne für Biosphäre vor: Tropenhalle braucht weiter Millionenzuschüsse

Potsdamer Rathaus legt neue Pläne für Biosphäre vor : Tropenhalle braucht weiter Millionenzuschüsse

Die defizitäre einstige Pflanzenhalle der Bundesgartenschau soll umgebaut und möglichst mit einem Hotel ergänzt werden. Rentabel wird sie aber auch dann wohl nicht.

Vision. So könnten Eingang von Volkspark und Biosphäre mit Hotel auf dem bisherigen Parkplatz aussehen.
Vision. So könnten Eingang von Volkspark und Biosphäre mit Hotel auf dem bisherigen Parkplatz aussehen.Visualisierung: Loeffler+Kuehn

Potsdam - Auch nach einem von der Potsdamer Rathausspitze geplanten Umbau der Biosphäre zu einem Freizeit- und Wissenschaftscenter würde die Tropenhalle für die Landeshauptstadt ein millionenschweres Zuschussgeschäft bleiben. Das zeigen neue Pläne, über die bald die Stadtverordneten abstimmen sollen. Derzeit muss Potsdam pro Jahr rund 1,6 Millionen Euro für den Betrieb der seit Jahren defizitären Biosphäre aufbringen.

Warum die Kosten nicht sinken? Dafür gibt es mehrere Gründe: Einmal sind die anspruchsvollen Pläne der Stadt – zu denen es nun auch Visualisierungen eines Architektenbüros gibt – für ein Hotel samt Wellnesszentrum neben der Halle, die extra Einnahmen bringen sollen, nur eine Option. Ein Investor ist bislang nicht gefunden. Ferner gilt die Halle generell als kostenintensiv im Betrieb, gerade mit Blick auf die Energieeffizienz, und ist seit Jahren schon ein Zuschussgeschäft.

Die neuen Pläne wurden am Freitag präsentiert

Daran würde sich zunächst wenig ändern. Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) stellten die neuen Biosphären-Pläne am Freitagnachmittag erst der Presse und danach bei einem digitalen Bürgerdialog vor. So will das Rathaus künftig den Volkspark und die Biosphäre in kommunaler Regie gemeinsam betreiben lassen. Damit sollen Anwohner mehr Nutzen davon haben und Park und Halle als außerschulische Lernorte für Natur- und Klimaschutz funktionieren.

Variation. Auch so könnte der Eingang zum Volkspark an der Biosphäre im aktuellen Umsetzungskonzept der Planer aussehen.
Variation. Auch so könnte der Eingang zum Volkspark an der Biosphäre im aktuellen Umsetzungskonzept der Planer aussehen.Visualisierung: Loeffler+Kuehn

Weiterhin würde die Biosphäre mit ihrer besonderen Architektur zwischen Mitte 2025 und Herbst 2027 umgebaut – und zwar nach jetzigem Stand für 18,2 Millionen Euro, wofür ein Darlehen nötig wäre. Dazu kämen Einnahmeverluste in Höhe von 3,1 Millionen in der Umbauzeit, die die Stadt tragen müsste. 2019 hatte das Rathaus noch mit 17 Millionen Euro Baukosten gerechnet, über weitere Preissteigerungen in den nächsten Jahren mochte Rubelt auf PNN-Anfrage nicht spekulieren. Zugleich hofft die Stadt auf begrenzte finanzielle Hilfe von Stiftungen.

Die Hülle der Biosphäre sei nach 20 Jahren Betrieb stark sanierungsbedürftig, sagte am Freitag der Chef der kommunalen Betreibergesellschaft Pro Potsdam, Bert Nicke. Da sich Hoffnungen auf Fördergelder bisher zerschlagen hätten, sei weiterhin ein jährlicher Zuschuss der Stadt in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro absehbar – wenn die Gästezahl künftig über 200 000 liege. Vor Corona waren es 130 000 bis 170 000 Gäste jährlich. Allerdings würde sich durch den Betrieb der Halle für die gesamte Stadt – auch durch Besucherausgaben – eine jährliche Gesamtwertschöpfung von 5,7 Millionen Euro ergeben, rechnete Nicke vor. Zudem werde etwas für Bildung getan.

Bedenken im Potsdamer Finanzdezernat

Das allerdings hat im Rathaus nach PNN-Informationen besonders Finanzdezernent Burkhard Exner (SPD) bislang nicht überzeugt. Exner soll intern wegen der nötigen Kreditaufnahme für eine sogenannte freiwillige Leistung der Stadt auch vor einem Einspruch der Kommunalaufsicht gewarnt haben. Baubeigeordneter Rubelt sagte hingegen, einen solchen Genehmigungsvorbehalt gebe es nicht – und sobald Oberbürgermeister Schubert die Pläne unterschrieben habe, seien diese eben „Verwaltungsmeinung“. Schubert sagte, mit den Plänen bleibe „die architektonische Landmarke Biosphäre erhalten“. Es gehe um mehr Nutzen für das Bornstedter Feld, aber auch um eine Ausstrahlung über die Stadtgrenze hinaus.

Die Biosphäre. Gerade das Umfeld soll für Besucher und auch Anwohner attraktiver gestaltet werden
Die Biosphäre. Gerade das Umfeld soll für Besucher und auch Anwohner attraktiver gestaltet werdenFoto: Andreas Klaer

Schon mehrere Versuche gescheitert

Doch die Überlegungen gingen noch vor wenigen Jahren in eine ganz andere Richtung: Da ging es darum, wie die Stadt die finanzielle Dauerbelastung durch die im Zuge der Bundesgartenschau 2001 für knapp 30 Millionen Euro errichtete und vor mehr als 15 Jahren vom Rathaus übernommene Tropenhalle dauerhaft senken könnte. Die Stadt hatte nach der Insolvenz des bis dato privaten Betreibers einspringen müssen, alle Versuche einer erneuten Privatisierung als zum Beispiel Schulcampus scheiterten an hohen Kosten. Auch andere Ideen, beispielsweise ein kommunales Schwimmbad einzubauen, erwiesen sich als nicht zielführend. So blieb die Halle ein Minusgeschäft für die Stadt – weswegen der Bund der Steuerzahler sie bereits als Beispiel für die Verschwendung öffentlicher Gelder gegeißelt hatte.

Selbst der Abriss stand im Raum

Gleichwohl hatten die Stadtverordneten 2019 einen im Raum stehenden Abriss abgelehnt und einen Grundsatzbeschluss gefasst, wonach der Bau in Zusammenarbeit mit Potsdamer Wissenschaftseinrichtungen zu einer „Biosphäre 2.0“ umgestaltet werden soll. Diese Strategie erarbeitet jetzt die Kölner ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH mit Hauptsitz Köln. Geplant ist das besagte Freizeit- und Wissenschafts-Center mit diversen Klimazonen, wobei sich auch Potsdamer Wissenschaftler wie die Klimafolgenforscher präsentieren könnten. Zugleich soll sich die Halle stärker für die Anwohner im weiter wachsenden Bornstedter Feld öffnen. Erst kürzlich hatte das Rathaus mit dem Hotelfachmann Sebastian Leifgen einen neuen Geschäftsführer für die Halle präsentiert. Er kündigte erste Neuerungen an. So ist das Restaurant in der Halle nun auch ohne Eintritt nutzbar. Für die Freiluftsaison ist eine kleinere Außengastronomie geplant.

Ein neuer Markenname: "Klimapark"

Für die bessere Zusammenarbeit zwischen Volkspark und Biosphäre sollen beide gemeinsam unter dem Label „Klimapark“ betrieben werden, empfiehlt das Konzept der Stadt. Es soll dann auch Kombitickets für Park und Halle geben. Allerdings hatte die Stadt jüngst angekündigt, bei Pflege und Bewirtschaftung des Volksparks kräftig sparen zu müssen.

Bei der Präsentation zeigte die Stadt auch Visualisierungen, wie mit einem Hotelneubau der Eingang zum Volkspark neu gestaltet werden könnte; auch ein Biergarten ist in den Plänen vorgesehen. Allerdings gibt es laut Pro Potsdam-Chef Nicke bislang kein Baurecht auf der Hotelfläche, dem jetzigen Parkplatz der Biosphäre – dieser könnte zur Mitfinanzierung an einen Investor verkauft werden. Eher zu realisieren scheint die Idee aus dem neuen Konzept, Kleingärten und Grillplätze rund um die Biosphäre aufzubauen. Auch ein neuer Themenspielplatz in der Nähe des Parkeingangs sowie eine Außen-Eventfläche an der Orangerie der Tropenhalle sind laut Konzept geplant.

Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD)
Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD)Foto: Ottmar Winter

Ein zweistündiger Bürgerdialog am Freitagabend

Um das Umfeld der Halle ging es auch bei dem Online-Bürgerdialog am Freitagabend mit Oberbürgermeister Schubert und rund 50 Teilnehmern. Dabei wurde vorgeschlagen, dort eine tropische Kletterwand oder eine riesige Außenschaukel zu errichten. Diese Anregungen würden in die weiteren Überlegungen mit einfließen, hieß es. Der Stadtverordnete Sascha Krämer (Linke) kritisierte, angesichts des aufgewendeten Geldes müsse es rund um die neue Biosphäre mehr Mehrwert für die Anwohner geben – für Sport oder Freizeit. Der Hotelneubau berge die Gefahr, dass der Volkspark weiter verkleinert werde, sagte Krämer. Auch vor Doppelstrukturen mit dem geplanten Stadtteilzentrum am neuen Gymnasium im Potsdamer Norden an der Pappelallee wurde von lokalen Bürgerinitiativen gewarnt. Der SPD-Stadtverordnete Pete Heuer wiederum monierte, auch angesichts der hohen Kosten, ein Vorschlag von ihm sei noch nie geprüft worden: "Die Halle leerräumen und mit Multifunktionsflächen für Sport und Freizeit ausstatten."

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