• Potsdamer Bürgerhäuser in der Pandemie: Kontakt halten trotz Kontaktverbot

Potsdamer Bürgerhäuser in der Pandemie : Kontakt halten trotz Kontaktverbot

Heiße Suppe, Frühstück nach Hause und Hilfe in Not: So meistern Potsdams Bürger- und Begegnungshäuser die Pandemie.

Das Haus der Begegnung in der Waldstadt in der Straße Zum Teufelssee.
Das Haus der Begegnung in der Waldstadt in der Straße Zum Teufelssee.Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Stadtteilfeste, Faschingsfeiern, Kaffeekränzchen und Beratungs- und Bildungsangebote - so ziemlich alles, was Bürgerhäuser in den Stadtteilen normalerweise machen, ist von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen. Viele Formate sind gar nicht möglich oder nur digital. Andere Aktivitäten müssen komplett anders organisiert werden, damit sie den Hygienebestimmungen entsprechen. Dennoch tut sich einiges.

Die Potsdamer Bürger- und Begegnungshäuser versuchen, auf anderen Wegen mit der Nachbarschaft in Kontakt zu bleiben. So ist es auch im Haus der Begegnung in der Straße Zum Teufelssee. Es gibt es Angebote wie Frühstücksbeutel und Heißgetränke zum Abholen. Dazu kann man sich vorher telefonisch oder per Mail anmelden und die genaue Abholzeit vereinbaren. "Das ist auch eine Möglichkeit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und herauszufinden, wie es ihnen geht", erklärt Antoinette Fuchs. Im Dezember habe man Speisen und Getränke noch nach Hause gebracht, inzwischen werden sie am Haus übergeben. 

Leiterin Antoinette Fuchs will herausfinden, wie es den Menschen geht.
Leiterin Antoinette Fuchs will herausfinden, wie es den Menschen geht.Foto: Ottmar Winter PNN

Außerdem vermitteln die Mitarbeiter Einkaufshilfen, Begleitungen für Spaziergänge und Unterstützung für Behördenangelegenheiten. Für all das melden sich regelmäßig ehrenamtliche Helfer. Dabei gehe es nicht nur um die Sache selbst, sondern auch darum, die Isolation zu durchbrechen, so Fuchs. Als neues Angebot soll es ab Donnerstag (18.2.) jede Woche ein kostenfreies Abendessen auf  Bestellung geben. "Suppe to go" heißt das Projekt. Rund 30 Anmeldungen habe es bis Dienstag gegeben. Zwischen 15 und 17 Uhr kann man die Suppe in eigenen Behältern abholen und zu Hause aufwärmen. In dieser Woche steht vegetarische Kartoffelsuppe auf dem Speiseplan. Wer will, bekommt noch Geflügelwiener dazu.

Lange Tradition am Schlaatz

Das heutige Bürgerhaus am Schlaatz ist schon 1986 als FDJ-Jugendklub „Alpha“ eröffnet worden. Es hat also eine lange Geschichte und ist entsprechend verankert im Stadtteil. Trotz Einschränkungen bestünden weiterhin viele Kontakte, die zum Teil über jahrelange Kleinarbeit aufgebaut wurden. „Wir sind Ansprechpartner vor Ort und leisten erste Hilfe, wenn Menschen Fragen, Ängste oder Probleme haben", sagt Tim Spotowitz vom Bürgerhaus am Schlaatz.

Tim Spotowitz vom Bürgerhaus am Schlaatz.
Tim Spotowitz vom Bürgerhaus am Schlaatz.Foto: Ottmar Winter PNN

In dem roten Haus am Schilfhof ist das Team weiterhin wochentags von 8 bis 16 Uhr erreichbar -  allerdings wird darum gebeten, nicht unangemeldet vorbeizukommen. Veranstaltungen und Zusammenkünfte, die nach der aktuellen Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg nicht untersagt sind, finden nach Absprache statt. Beim wöchentlichen Stadtteilfrühstück konnten die Schlaatzer vor der Pandemie zusammen plauschen. Seit Januar gibt es das Stadtteilfrühstück vom AWO Büro Kindermut und Bürgerhaus am Schlaatz als Bringe-Frühstück. 

Unterstützung für Familien im Homeschooling

Noch nicht ganz so lang gibt es den Stadtteilladen im Bornstedter Feld in der Georg-Hermann-Allee. 2018 wurde er eröffnet. "Wir sind noch relativ neu. Die Pandemie wirft uns zurück", sagt Christian Kube. Der Stadtteilladen ist zwar geöffnet, aber mit großen Einschränkungen. Es gibt nur einen Raum. Proben des Stadtteilchors, der Eltern-Kind-Treff und zahlreiche Kurse pausieren. "Das Miteinander geht verloren." Sofern es die Verordnungen zulassen, finden Gruppenangebote im Bildungsbereich in Mikrogruppen oder Eins zu Eins statt. „Das alles kostet mehr Zeit und Koordinationsaufwand, ist gleichzeitig aber nicht in Besucherzahlen aus Vor-Corona-Zeiten messbar“, so Kube.

Christian Kube vom Stadtteilladen Bornstedt.
Christian Kube vom Stadtteilladen Bornstedt.Foto: Ottmar Winter PNN

Trotzdem wird versucht, mit der Nachbarschaft in Kontakt zu bleiben - telefonisch oder in Videokonferenzen. Um Familien in der Zeit des Homeschooling zu unterstützen, hat der Stadtteilladen rund 60 gespendete Computer so aufgerüstet, dass sie für den Unterricht auf Distanz benutzt werden können, und sie Eltern zu Verfügung gestellt. Außerdem gibt es auch in Bornstedt Einkaufshilfen für Menschen, die erkrankt oder in Quarantäne sind. Der Stadtteilladen biete eben nicht nur Kultur oder Freizeit, sondern sei wichtig für den sozialen Zusammenhalt im Viertel, so Kube.

Noch neuer als der Stadtteilladen ist das Heidehaus in Babelsberg. Es wurde erst während der Pandemie eröffnet. „Es ist schon schwierig, mitten im Lockdown ein Begegnungshaus an den Start zu bringen. Aber über Social Media, Einzelgespräche und vorhandene Netzwerke bekommen wir mit, dass sich die Menschen auf das Haus freuen und auch im Lockdown etwas gestalten möchten“, sagt Leiterin Nora Stelter.

Einkommen und Technik als Herausforderung

Dass auch das Einkommen darüber entscheidet, wie gut jemand im Lockdown zurechtkommen, zeigt sich auch in den Bürgerhäusern. Potsdamer:innen mit niedrigem Einkommen litten stärker als andere unter der derzeitigen Krise, ist man sich bei den Bürgerhäusern einig. Für viele von ihnen sei die Pandemie nur eine von vielen Herausforderungen. In Stadtteilen wie Drewitz oder dem Schlaatz wurden kostenlose oder kostengünstige Essensangebote etabliert und medizinische Masken verteilt. Beratungen, die sonst in Gruppen stattfanden, werden jetzt einzeln, telefonisch oder per Videochat geführt. „Das führt natürlich zu Problemen, da besonders ältere Menschen in der Tendenz weniger computeraffin sind“, so Katja Zehm vom Stadtteilzentrum Oskar in Drewitz.

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Im Arbeitskreis Nachbarschafts- und Begegnungshäuser, in dem derzeit fünfzehn durch die Stadt geförderten Einrichtungen im ganzen Stadtgebiet organisiert sind, will man sich nun noch enger abstimmen. „Viele Menschen wissen bisher gar nicht, was wir so machen. Das wollen wir ändern", sagt Antoinette Fuchs. Außerdem sei die Vernetzung der Einrichtungen untereinander wichtig, denn die Herausforderungen und Lösungsansätze ähneln sich ja. "Da können alle Seiten voneinander lernen."

Anmeldung für das Ruf-Frühstück per Telefon im Büro Kinder(ar)mut, Tel.: (0331) 20076310 oder in den Bürgerhäusern der Stadtteile. Bürgerhaus am Schlaatz: Tel.: (0331) 817190. Haus der Begegnung, Waldstadt: Tel.: (0331) 2702926. Oskar in Drewitz: Tel.: (0331) 2019704.


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