• Potsdam: Wildes Baden schadet dem Sacrower See

Potsdam : Wildes Baden schadet dem Sacrower See

Forscher haben den Sacrower See und seine Umgebung untersucht. Vor allem das wilde Baden sorgt dort für Probleme. Experten fürchten weitere Schäden.

Gerade an heißen Tagen zieht es immer mehr Badegäste an den Sacrower See. 
Gerade an heißen Tagen zieht es immer mehr Badegäste an den Sacrower See. Foto: O. Winter

Sacrow - Das Ufer des Sacrower Sees wird durch wildes Baden stark in Mitleidenschaft gezogen. An vielen Stellen ist die Vegetation bereits stark beeinträchtigt. Das geht aus dem Zwischenbericht zum Managementplan für das Gebiet des Sacrower Sees und des angrenzenden Königswalds hervor.

Am gestrigen Dienstag stellte die Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg gemeinsam mit einem Berliner Umweltbüro, der Umweltvorhaben in Brandenburg Consult GmbH, den Bericht im Potsdamer Institut für Binnenfischerei vor. Das Institut liegt direkt am Ufer des Sacrower Sees. Zu der Präsentation des über 100 Seiten starken Berichts waren Landnutzer, Eigentümer und interessierte Anwohner eingeladen.

Krampnitz-Entwicklung wird Situation verschärfen

Arne Korthals vom Naturschutzfonds betonte am Rande der Veranstaltung, das wilde Baden sei aus naturschutzfachlicher Sicht das Hauptproblem in dem Gebiet Sacrower See und Königswald, das nach der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie) geschützt ist. 

Und Korthals sorgte sich zugleich um eine weitere Entwicklung, die im Grunde schon abzusehen ist: Wenn im nahegelegenen Krampnitz in einigen Jahren ein ganz neuer Stadtteil entstanden sein wird, dann, so Korthals, sei eine Verschärfung der Situation am Seeufer zu befürchten. Denn die neuen Einwohner werden in ihrer Freizeit sicherlich auch den Weg zum Sacrower See suchen, um dort zu baden und sich zu erholen. Und dann könnte es eine noch großflächigere Zerstörung des Uferbereichs geben. So jedenfalls die Befürchtung.

Ufer ist jetzt schon ein Pflegefall

Doch auch schon angesichts der jetzigen Situation schlagen die Naturschützer Alarm. Es sei davon auszugehen, heißt es im Bericht zum Managementplan, „dass etwa ein Viertel der Uferlinie mit Röhrichten durch Betreten, Lagern und Baden in Mitleidenschaft gezogen wird.“ Das Ufer des Sacrower Sees ist also schon jetzt gewissermaßen ein Pflegefall. Teilweise werde hier sogar wild übernachtet, schreiben die Verfasser des Berichts. Korthals spricht sich dafür aus, das Baden im Sacrower See räumlich zu begrenzen, so dass große Teile des Uferbereichs geschont werden.

Angesichts der jetzigen Situation des Sacrower Sees und Umgebung schlagen die Naturschützer Alarm.
Angesichts der jetzigen Situation des Sacrower Sees und Umgebung schlagen die Naturschützer Alarm.Foto: O. Winter

Konkrete Maßnahmen zum Erhalt des Sees mit seinen Pflanzen und Tieren enthält der am Dienstag vorgestellte Bericht noch nicht. Die Untersuchung diente zunächst erst einmal der Bestandsaufnahme des über 800 Hektar großen FFH-Gebiets, das sich über den See und den Königswald erstreckt. „Die Grundlagenermittlung ist abgeschlossen“, erklärte Korthals. „Jetzt geht es an die Planung der Maßnahmen.“

Probleme gibt es auch im Königswald

Auch im Innern des Königswalds sieht der Naturschützer Handlungsbedarf. Robinien und sogenannte Späte Traubenkirschen – beides Arten, die hier eigentlich nicht heimisch sind – müssten zurückgedrängt werden, um die standorttypische Vegetation zu stärken. Buchen und Eichen sollen hier vor allem wachsen. Aber auch für Kiefern ist Platz. Sie gelten „als typische Begleiter der Buchenwälder“, wie es im Bericht heißt. Die drei genannten Baumarten sind auch jetzt schon im Königswald vertreten. Wobei Eiche nicht gleich Eiche ist: Die Roteiche etwa wird als nicht gebietstypisch angesehen und deren Ausbreitung im Gebiet daher als „problematisch beurteilt“.

Um den Königswald mit dem Sacrower See nach den Vorstellungen der Naturschützer weiterentwickeln zu können, sollen bei den weiteren Planungen die Waldeigentümer und sonstigen Nutzer mit einbezogen werden. Ein rein partizipativer Prozess sei das Ganze, sagt Korthals. Die FFH-Richtlinie schreibe dies so vor. „Alles mit den Eigentümern und Nutzern“ gemeinsam, laute die Devise. „Das ist ganz wichtig“, sagt der Naturschützer. Und was ist, wenn sich Eigentümer den eigentlich erforderlichen Maßnahmen verweigern? „Dann kann man erstmal nichts machen“, erklärt Korthals.

Künftige Maßnahmen noch unklar

Noch ist nicht entschieden, welche konkreten Maßnahmen zum Schutz dieses wertvollen Naturraums in Zukunft ergriffen werden sollen. Bei der gestrigen Veranstaltung, zu der etwa 25 Menschen gekommen waren, ging es zunächst einmal um die Vorstellung des Ist-Zustandes im Gebiet. Die Managementplanung, die dann auch konkrete Maßnahmen zum Schutz der Natur enthalten wird, soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden, sagte Korthals. Mit den Landeigentümern werde man dabei eng im Kontakt bleiben.

Die Geschichte der Unterschutzstellung des Königswaldes ist indes schon lang. Bereits im Jahre 1938 wurde das Areal als Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt. Schon damals habe es Bestrebungen gegeben, „den Königswald als Beispielforst standortgerecht zu bewirtschaften“, heißt es in dem am Dienstag vorgestellten Bericht, der sich auch der Historie dieses Gebietes widmet. Zu DDR-Zeiten wurde das Schutzgebiet verkleinert. Der Grund dafür war die Grenze nach Westberlin. So wurde 1963 das Naturschutzgebiet teilweise aufgehoben.

Heute ist das FFH-Gebiet „Sacrower See und Königswald“ ein Teil des Landschaftsschutzgebietes „Königswald mit Havelseen und Seeburger Agrarlandschaft“. Hierzu wiederum gehört auch die Döberitzer Heide, in der die Heinz-Sielmann-Stiftung ein Wildnisgroßprojekt betreibt. Dort sind unter anderem Wisente und Przewalski-Pferde angesiedelt worden. In einer Kernzone sollen die Tiere dort vom Menschen möglichst unbeeinflusst leben.

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