• Potsdam: Streit um Baufelder im Bornstedter Feld
Update

Potsdam : Streit um Baufelder im Bornstedter Feld

Der Bauinvestor Mila wollte Mietwohnungen im Bornstedter Feld bauen und war sogar Höchstbieter für das Baufeld. Doch den Zuschlag erhielt ein anderer Investor, der dort Eigentumswohnungen errichten will. 

So sollte laut Pro Potsdam der Mila-Entwurf im Bornstedter Feld aussehen. 
So sollte laut Pro Potsdam der Mila-Entwurf im Bornstedter Feld aussehen. Grafik: Mila

Potsdam - Es geht um eines der letzten großen Baufelder im schnell wachsenden Bornstedter Feld, gelegen auf der Brache zwischen Volkspark und Jet-Tankstelle: Die Vergabe dieses Grundstücks an Investoren für rund 230 Eigentumswohnungen hat der Entwicklungsträger für das Viertel, die kommunale Bauholding Pro Potsdam, nun gegen heftige Kritik eines unterlegenen Bieters verteidigt.

Mila: "Wir waren Höchstbieter für ein Baufeld"

Die Vorwürfe erhebt Michael Laschinsky von der Potsdamer Bauträger- und Wohnungsbaugesellschaft Mila. Nach eigenen Angaben hatte sich die Firma bereits 2017 bei einer ersten Ausschreibung für die Grundstücke beworben. „Wir waren Höchstbieter für ein Baufeld“, sagte Laschinsky den PNN jetzt auf Anfrage. Aber man habe dennoch nicht den Zuschlag dafür erhalten. Die Geschäftsführung des kommunalen Entwicklungsträgers habe den Zuschlag an einen anderen Bieter erteilt – „obwohl dieser nachweislich nicht der Höchstbieter für dieses Baufeld war“. Erst nach Intervention des Aufsichtsrates – auf Drängen von Mila – gegen diese Vergabeentscheidung habe die Führung des Entwicklungsträgers „zur Gesichtswahrung und um den Vorgang zu vertuschen“, so Laschinsky, die Ausschreibung unter Angabe von „zweifelhaften Gründen“ einfach aufgehoben. „Dabei wollten wir dort gut 200 bezahlbare Mietwohnungen in guter Qualität mit praktischen Grundrissen für durchschnittlich 10 Euro für den Mietwohnungsmarkt errichten“, so Laschinsky. Nun würden Eigentumswohnungen entstehen.

Kurz gesagt: Die Entwürfe waren zu hässlich

Bei der Pro Potsdam sieht man das anders. Die Mila-Ausführungen zur ersten Ausschreibung seien falsch, so ein Sprecher. Es habe keine Zuschlagserteilung gegeben – die Ausschreibung sei schlicht wieder aufgehoben worden. Den Verfahrensteilnehmern – auch der Mila – habe man mitgeteilt, dass das mit der Ausschreibung verfolgte Ziel „hoher gestalterischer Anforderungen“ nicht erreicht wurde. Kurz gesagt: Die Entwürfe seien zu hässlich gewesen. So habe es neben angemessen hoher Verkaufpreise auch ästhetische Vorgaben aus den Planwerken für das Areal gegeben, so der Pro-Potsdam-Sprecher. Da diese Gestaltungsvorgaben nicht erreicht worden seien, habe man die Ausschreibung aufgehoben. Wiederholt hatte es teils beißende Kritik an der zu gleichförmigen Architektur in dem neuen Viertel gegeben.

In einem zweiten Verfahren „Konzeptausschreibung gegen Höchstgebot“ unterlag seine Firma dann gegen die Investoren Instone und Seastone. (PNN berichteten). Auch hier erhebt Laschinsky den Vorwurf, dass man diese zweite Ausschreibung als „Alibi-Veranstaltung“ durchgeführt habe – um unter anderem über eine Konzeptausschreibung „subjektive Entscheidungskriterien“ für die gewünschten Vergabe zu erhalten. So habe wieder ein Mitbewerber den Zuschlag für das Grundstück erhalten, obwohl dessen Gebot niedriger war als das Gebot von Mila, so Laschinsky: „Offensichtlich mag die ProPotsdam keine lokale Konkurrenz“.

Fachjury bewertete die Vorschläge

Auch hier widerspricht die Pro Potsdam. Die siegreichen Investoren der zweiten Ausschreibung hätten Gebote abgegeben, die „über dem gutachterlichen Verkehrswert lagen“, erklärte der Sprecher. Die Entscheidung sei nach zwei Kriterien gefallen – der Höhe des Kaufpreises und der von Mila als subjektiv empfundenen Qualität des Bebauungskonzeptes. 

Der Pro Potsdam-Sprecher dazu: „Alle abgegebenen Gebote wurden in einer Jurysitzung durch eine Fachjury bewertet, bestehend aus Mitgliedern des Gestaltungsrates, der Bauverwaltung und des Entwicklungsträgers.“. Die Mila habe in diesem zweiten Ausschreibungsverfahren auch nicht das Höchstgebot abgegeben, hieß es weiter. „Selbst wenn es sich bei dieser zweiten Ausschreibung also um eine Vergabe nach Höchstgebot gehandelt hätte, hätte das Unternehmen nicht den Zuschlag erhalten“, so der Sprecher.

Auch prinzipiell verteidigt man die Folgen der Vergabe: Die Schaffung von Eigentumswohnungen sei im Sinne der sozialen Durchmischung eines Quartieres, auch deren Erwerber seien als Selbstnutzer oder auch Vermieter ein gewünschtes Klientel, so der Sprecher. In direkter Nachbarschaft würden ferner durch die Pro Potsdam geförderte Bauvorhaben umgesetzt – mit 50 Prozent Sozialwohnungen.

In welcher Form die 230 Wohnungen vermarktet werden, war nicht Gegenstand des Vergabeverfahrens, fügte der Sprecher hinzu. Man rechne damit, dass spätestens im Herbst der Bauantrag gestellt und je nach Bearbeitungsdauer bis Mitte 2020 mit dem Bau begonnen wird.

Die Mila prüft den Rechtsweg

Bei der Mila bleibt trotz der Erklärungen einen „übler Nachgeschmack“, wie Laschinsky sagte. Man prüfe daher noch immer rechtliche Schritte gegen die Vergabe und die durchgeführten Verfahren, so der Mila-Chef. „Man hätte doch nach der ersten Ausschreibung auch über unser eingereichtes Bebauungskonzept sprechen und gemeinsam eine Lösung finden können.“ Stattdessen wurde die Ausschreibung aufgehoben. 
Das verteidigte die Pro Potsdam am Donnerstag: "Die Ausschreibung war aufzuheben. In dieser Situation das Gespräch mit einzelnen Verfahrensteilnehmern zu suchen würde den Grundsätzen der Transparenz und Gleichbehandlung aller Teilnehmer widersprechen. Schon im Ergebnis der formalen Prüfung lagen keine bezuschlagungsfähigen Angebote vor – für sich anschließende Gespräche mit Bietern fehlte daher die Grundlage", teilte das Unternehmen mit. 

Autor