• Potsdam: Hitziger Streit um Kutschpferde

Potsdam : Hitziger Streit um Kutschpferde

Tierschützer kritisieren den Fuhrbetrieb Sengebusch für die nicht artgerechte Nutzung seiner Tiere. In der Folge verhängte das Veterinäramt nun strenge Auflagen.

Zu heiß? Tierschützer werfen dem Betrieb vor, seine Pferde zu lang in der Sonne stehen zu lassen. Auf der Strecke muss nun mehr Wasser für die Tiere bereitstehen.
Zu heiß? Tierschützer werfen dem Betrieb vor, seine Pferde zu lang in der Sonne stehen zu lassen. Auf der Strecke muss nun mehr...Foto: Andreas Klaer

Vor allem im Internet ist ein hitziger Streit um die Kutschfahrten durch den Park Sanssouci entbrannt. Konkret werfen Tierschützer dem für seine Schlösserrundfahrten bekannten Fuhrbetrieb Sengebusch vor, die Kutschtiere nicht artgerecht zu behandeln. Auf Facebook hatte die Bürgerinitiative „Potsdam braucht ein Tierheim“ ein Video von den Kutschpferden gepostet, die in der prallen Sonne stehen. Bei vielen Nutzern sorgte dies für Empörung, beim Veterinäramt hagelte es anschließend Beschwerden von den Tierschützern. Am gestrigen Freitagnachmittag hatte das Video bereits mehr als 27 000 Aufrufe.

Eingestellt hatte das Video Anke Drohla vom Tierschutzverein Potsdam. „Die Pferde haben in der prallen Sonne wahnsinnig schnell geatmet“, schilderte sie die Situation an der Historischen Mühle am gestrigen Freitag gegenüber den PNN. „So atmet ein Pferd normalerweise nach einem Rennen – wenn überhaupt“. Zu diesem Zeitpunkt sei es in der Sonne mehr als 45 Grad heiß gewesen, für sie ist das Verhalten des Kutschbetriebs „unverständlich“. Noch dazu sei die Kutsche voll beladen gewesen und erst nach einer halben Stunde Wartezeit in der Sonne abgefahren, sagte die Tierschützerin. Darauf angesprochen, sei der Fuhrbetrieb nicht auf ihre Forderung eingegangen, die Pferde in den Schatten zu stellen, sagte sie.

Die Pferde dürfen nun nicht mehr in der Sonne pausieren

Bei ihrer Kritik gehe es ihr um die Sache, nicht darum, Existenzen zu vernichten, ergänzte Drohla: „Ich will der Familie Sengebusch ja nicht das Geschäft kaputtmachen – aber bei diesem Wetter kann man die Pferde auch mal zu Hause lassen.“ Madlen Fabiunke von der Tierheim-Initiative warnte: „Mit so einem Verhalten bringt man nicht nur die Tiere, sondern auch Passanten in Gefahr.“ Wenn ein Pferd kollabiere, könne die ganze Kutsche im schlimmsten Fall auch unkontrolliert einen Abhang herunterrauschen und so Menschen verletzen, so Fabiunke.

Die Beschwerden haben nun dazu geführt, dass das Veterinäramt regelmäßig vor Ort Kontrollen durchführe, sagte ein Stadtsprecher auf PNN-Anfrage. „Seit einigen Tagen gibt es für den Kutschbetrieb Auflagen des Veterinäramtes, um die Tiere zu schützen.“ So dürften die Pferde nur noch fünf Stunden täglich arbeiten und müssten künftig im Schatten pausieren. Auf der Strecke muss der Fuhrbetrieb außerdem zusätzliche Wasserstellen für die Pferde einrichten, so der Stadtsprecher. Auch die Anzahl der mitfahrenden Gäste muss reduziert werden. Zudem führten die Kutscher jeweils ein Fahrtenbuch, in dem sie auch dokumentierten, wann welches Pferd wie lange im Einsatz gewesen sei. „Es sind ja nicht jeden Tag dieselben Pferde“, sagte der Stadtsprecher.

Keine Hinweise auf Auflagen-Verstöße

Bislang liegen der Stadt aber keine Hinweise vor, dass der Betrieb gegen die Auflagen verstößt, sagte der Stadtsprecher. Sollte es dazu kommen, wären zunächst eine Ermahnung und bei wiederholtem Verstoß ein Bußgeld die Konsequenz – je nach Schwere des Fehlverhaltens eine unterschiedlich hohe Summe.

Zu Verstößen gegen die Auflagen kann es in den nächsten Tagen aber offenbar nicht kommen. Fuhrbetriebsleiterin Christiane Sengebusch erklärte den PNN: „Wir machen eine Sommerpause, die auch schon vor den Vorwürfen feststand.“ Mehr wolle sie nicht sagen.

Ob sich der Kutschbetrieb wirklich in einer geplanten Sommerpause befindet, ist indessen zweifelhaft. „Es gab jahrelang nie eine Sommerpause“, sagte Christin Reisenbüchler, die seit Jahren die Situation der Pferde beobachtet. Sie glaubt, dass der Fuhrbetrieb jetzt wegen der Beschwerden einlenkte. René Garzke

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