• Potsdam HEUTE, Dienstag, 28. Juli 2020: Unerforschte Krankheit, unerwünschter Stau und unbesetzte Lehrstellen

Potsdam HEUTE, Dienstag, 28. Juli 2020 : Unerforschte Krankheit, unerwünschter Stau und unbesetzte Lehrstellen

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PNN.Newsletter - heute von Marion Kaufmann.
PNN.Newsletter - heute von Marion Kaufmann.Foto: Sebastian Gabsch

Guten Morgen,

sind Sie heute gut aus dem Bett gekommen? Aufstehen, Zähneputzen, Kaffeekochen. Das ganz normale Programm. Dann sind Sie - vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein - ein glücklicher Mensch. Rund 250.000 Menschen in Deutschland geht es nicht so. Sie leiden an ME/CFS, einer der letzten großen unerforschten Krankheiten. Für schwer Erkrankte wird das Leben zur Qual, ein Alltag ist nicht mehr möglich. In Potsdam gibt es eine Selbsthifegruppe für Betroffene, größere Versorgungsstrukturen existieren nicht. Wie diese Krankheit einen jungen Menschen plötzlich aus seinem gewohnten Leben reißen kann und warum ausgerechnet Corona die Rettung sein könnte, lesen Sie weiter unten.

Nun erst zum ganz normalen Alltag in Potsdam und Brandenburg. 

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Worüber spricht Potsdam heute?

Sanierung der Behlerstraße verschoben 

Die Behlertstraße in Richtung Neuer Garten.
Die Behlertstraße in Richtung Neuer Garten.Foto: Ottmar Winter

Dem ohnehin verkehrsgeplagten Potsdam droht mit der Sanierung der Behlertstraße ein Megastau. Nun ist der drohende Verkehrskollaps verschoben. Statt wie ursprünglich geplant im November 2020 sollen die Arbeiten, für die die Straße sowohl für den Autoverkehr als auch für Radfahrer vollgesperrt wird, nun erst im März 2021 beginnen. Das teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage des Linke-Stadtverordneten Ralf Jäkel mit. Der Verkehr soll während der Bauarbeiten, die nach derzeitigen Planungen rund 18 Monate dauern, über die Berliner Straße, Am Kanal, Yorckstraße und Dortustraße zur Breiten Straße umgeleitet werden.  Die städtischen Verkehrsplaner wollen in den kommenden Monaten weitere Maßnahmen an der Umleitungsstrecke und möglichen Umfahrungsstrecken prüfen, um Staus vorzubeugen.  Möglichen Pläne für eine Untertunnelung der Innenstadt erteilt die Stadt aber eine deutliche Absage. Was im Detail vorgesehen ist, lesen Sie hier.

Was muss ich für heute wissen?

Das Corona-Update
Das zweite Mal in Folge ist in Brandenburg innerhalb eines Tages nur ein bestätigter Corona-Fall neu gemeldet worden. Er wurde im Landkreis Teltow-Fläming registriert, wie das Gesundheitsministerium am Montagmorgen berichtete. Auch am Sonntag gab es laut Ministerium nur einen gemeldeten Fall, aus dem Landkreis Oder-Spree. Seit März sind damit offiziell 3545 Menschen in Brandenburg mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert worden, 173 Menschen starben im Zusammenhang an oder mit dem Virus. Die Zahl der Erkrankten liegt unverändert bei etwa 90. Aktuell werden fünf Menschen im Krankenhaus behandelt, davon werden zwei intensivmedizinisch beatmet. 3280 Menschen gelten als genesen.

Nachdem eine vierköpfige Familie aus Cottbus bei ihrer Rückkehr aus einem Mallorca-Urlaub positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sind insgesamt acht Kontaktpersonen ermittelt worden. Das teilte die Stadt am Montag mit. Alle seien negativ auf das Virus getestet worden, ständen aber vorsorglich unter häuslicher Quarantäne. Das Ehepaar mit zwei Töchtern war am Sonntag vor einer Woche von einem Urlaub auf Mallorca nach Cottbus zurückgekehrt. Ein von einem Arbeitgeber veranlasster Routinetest fiel positiv aus. Die Familie ist derzeit in Quarantäne - wie die bereits feststehenden Menschen, die mit ihr in Kontakt waren. Wo sich die Familie infiziert hat, ist bisher unklar.

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie weiterhin in unserem Newsblog.

St. Josefs kehrt zum Regelbetrieb zurück
Angesichts der auch in Potsdam seit Wochen weitgehend stabilen Corona-Lage kehrt das katholische St. Josefs-Krankenhaus ab sofort zum Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurück. Das teilte die von der Alexianer-Gruppe betriebene Einrichtung am Montag mit. Der Rückgang der Infektionszahlen rechtfertige diesen Schritt, sagte Krankenhaussprecher Benjamin Stengl. Damit kann das St. Josefs-Krankenhaus seine Bettenkapazität von bislang 148 auf 205 aufstocken. Hinzu kommen 20 Betten, die für Corona-Patienten vorgehalten werden. Auch das kommunale Bergmann-Klinikum will wie berichtet zum Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurückkehren – allerdings erst Mitte August. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Potsdam um mögliche Versäumnisse während des Corona-Ausbruchs im Klinikum im März laufen weiter. Parallel ist eine vom Klinikum-Aufsichtsrat eingesetzte Untersuchungskommission mit der Aufklärung der Vorgänge im Bergmann befasst. Um eine klare Trennung zwischen den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und jenen der Kommission zu gewährleisten, sollten die Kompetenzen Letzterer wie berichtet beschnitten werden. Am Montag traf der Aufsichtsrat überraschend eine andere Entscheidung: Die Aufgabenstellung der Kommission bleibt unverändert. Warum lesen Sie im Text meines Kollegen Peer Straube

Freie Ausbildungsplätze
Auf den Lehrstellenmarkt in Brandenburg hat sich die Coronakrise nicht so stark ausgewirkt wie erwartet. Von den rund 12.360 betrieblichen Ausbildungsplätzen in Brandenburg sind bislang 6800 noch unbesetzt. „Wir hatten eigentlich befürchtet, dass Unternehmen aufgrund der Corona-Pandemie die Ausbildung fallen lassen. Das hat aber nicht stattgefunden“, sagte Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Montag in Potsdam. Am 1. August beginnt das neue Ausbildungsjahr. In welchen Branchen und Regionen Bewerber noch gute Chancen haben, lesen Sie hier.

Bahn frei für Wölfe und Elche
Sie sollen Wildtiere schützen, die sonst unter die Räder kommen wurden. Mehr als 100.000 Tiere haben in den letzten 15 Jahren auf einer der zehn Brandenburger „Grünbrücken“ eine Autobahn in Brandenburg überquert. Das geht aus dem  Grünbrückenbericht des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (Barnim) hervor, den Benjamin Lassiwe ausgewertet hat. Die Einrichtung überwacht seit dem Jahr 2005 einige der Brandenburger Grünbrücken mit Kameras, um eine Erfolgskontrolle zu haben. Vor allem Wölfe nutzen den sicheren Weg über die Piste. An der A13 bei Teupitz gab es 2019 keinen einzigen Monat, in dem kein Wolf in eine Fotofalle getappt ist. Auch ein Elch wurde schon auf einer der Grünbrücken gesichtet. 

Was soll ich heute lesen?

Foto: Oliver Killig/dpa (Symbolbild

Meine verlorene Freundin 
März 2019. Wir feiern zusammen in Potsdam meinen Geburtstag, lachen, tanzen. Vier Monate später schickt mir meine Freundin eine Sprachnachricht. Die erste, der bis heute viele weitere folgen werden. "Ich bin raus aus dem Leben", sagt Nora, "bettlägrig, ein Pflegefall." Meine Freundin leidet an ME/CFS, einer Krankheit, deren Ursachen und Entstehungsmechanismen nicht genau erforscht sind. Es gibt bislang keine Heilung. Seit meiner Geburtstagsparty habe ich Nora nicht wieder gesehen, nicht einmal gesprochen. Aber ihre Sprachnachrichten, die sie mir schickt, wenn die Kraft es zulässt, erzählen die Geschichte dieser grauenhaften Krankheit, die erzählt werden muss, um sie in die Öffentlichkeit zu holen.

Welche Termine sind heute wichtig?

  • Grundstücksmarktbericht: Wo wohnt es sich in Brandenburg am teuersten und wo kann man noch günstig bauen? Der Grundstücksmarktbericht 2019 gibt Auskunft. Um 10 Uhr wird er in der Staatskanzlei von Innenstaatssekretär Klaus Kandt und dem Vorsitzenden des Oberen Gutachterausschusses für Grundstückswerte, Jürgen Kuse, vorgestellt. 
  • 30 Jahre Mieterbund: Auch die Mitglieder des Mieterbundes Brandenburg dürften die Ergebnisse des Grundstücksmarktberichts interessieren. Am 28. Juli 1990 wurde er gegründet. In Potsdam trafen sich heute vor 30 Jahren Vertreter aus 14 regionalen und örtlichen Mieterinitiativen und -vereinen und gründeten ihren gemeinsamen Landesverband, den „Mieterbund Land Brandenburg e.V.“ Der Mieterbund versteht sich als wirtschaftlich unabhängiger Interessenvertreter aller Mieterhaushalte.
  • Klinikbesuch: Brandenburgs Gesundheitsministerin und amtierende Ministerpräsidentin Ursula Nonnemacher (Grüne) besucht um 10.30 Uhr die Ruppiner Kliniken in Neuruppin. 
  • Firmenvisite: Auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) ist heute außerhalb Potsdams unterwegs. Um 11 Uhr besucht er BASF  in Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz), um sich über Projekte des Chemiekonzerns zu informieren.

Was könnte ich heute unternehmen?

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Für Sternensucher
Haben Sie den Kometen Neowise, der gerade am Nachthimmel über Potsdam zu sehen sein soll, auch verpasst? Oder nicht sehen können, weil der Blick aus Ihrem Haus Richtung Nordost verbaut ist? Im Planetarium sitzt jeder in der ersten oder zweiten Reihe und noch dazu sehr bequem. Und im 360°- Film unter der großen Kuppel „Unsere Sonne - Lebendiger Stern“ verpassen Sie garantiert nichts. Dieses Mal geht es um den Stern, der der Erde am nächsten ist: die Sonne. Kraftwerk, Energiequelle, Wettermacher. Wie das funktioniert und was auf der Oberfläche der Sonne selbst los ist, wird im live moderierten Film erklärt.


Um 16 Uhr im Urania Planetarium in der Gutenbergstraße 71/72, geeignet für Jugendliche und Erwachsene. Der Eintritt kostet 5,50 Euro, ermäßigt 4 Euro. Anmeldung hier.

Für Handwerker
Den Küchenstuhl reparieren, ein kleines Regal bauen oder ein Frühstücksbrett designen – wenn das auf Ihrer To-do-Liste steht, es bisher an Gelegenheit mangelte, können Sie heute loslegen, in der offenen Holzwerkstatt im Treffpunkt Freizeit. Alle Generationen sind willkommen, mit oder ohne handwerkliche Vorkenntnisse. Nur das Material müssen Sie selber mitbringen. 
Von 9 bis 19 Uhr hat das Café Midi im Treffpunkt Freizeit geöffnet. Hier gibt es preisgünstiges aber leckeres und gesundes, auf Wunsch vegetarisches Mittagessen für 6 oder 7 Euro, der Kinderteller kostet 3 Euro, selbstgebackenen Kuchen, Kaffee und Eis – alles auch auf der Terrasse mit Blick auf den Heiligen See.  
Werkstatt von 16 bis 18 Uhr im Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64. Gerne anmelden bei Email: [email protected]. Die Nutzung der Werkstatt kostet pro Person 5 Euro.

Was kann ich heute Gutes tun?

Foto: Christophe Gateau/dpa (Symbolbild)

Für die Forschung spenden

Für ME/CFS-Erkrankte gibt es im Moment nur eine Hoffnung: die Forschung muss vorangetrieben werden. Die Open Medicine Foundation konzentriert sich seit vier Jahren auf die biomedizinische Grundlagenerforschung zu ME/CFS. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Biomarker zu finden, die im klinischen Alltag leicht angewendet werden können, sowie eine effektive Behandlung für ME/CFS zu entwickeln. An der Arbeit wirken Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen mit. Die Stiftung finanziert sich hauptsächlich aus privaten Spenden. Die Open Medicine Foundation mit Sitz in Kalifornien wurde 2012 von Linda Tannenbaum gegründet, deren Tochter 2006 an ME/CFS erkrankte. Tannenbaum, die heute geschäftsführende Direktorin ist, beschreibt ihre Ziele so: "Ich habe die OMF gegründet, um eine Heilung für diese Krankheit, ME/CFS, zu finden, für Menschen [...] wie meine Tochter und Millionen anderer auf der Welt, die mit dieser lähmenden Krankheit leben.“ Informationen über die Stiftung finden Sie hier oder auf der Homepage der Stiftung unter www.omf.ngo.

Wetter & Verkehr

Wetter
Gute Aussichten: Der Mittwoch startet mit 13 Grad bei Sonne und Wolken. Am späten Nachmittag steigen die Temperaturen auf bis zu 21 Grad, es bleibt trocken

Verkehr
Wegen Leitungsarbeiten ist diese Woche die Gutenbergstraße Ecke Friedrich-Ebert-Straße voll gesperrt. Die Poller in der Gutenbergstraße Ecke Jägerstraße wurden für die Bauzeit entfernt. Weitere Verkehrsinformation für Potsdam finden Sie unter www.mobil-potsdam.de.

Person des Tages

Jens-Uwe Sprengel

Jens-Uwe Sprengel ist Unidram-Gründer und T-Werk-Leiter. 
Jens-Uwe Sprengel ist Unidram-Gründer und T-Werk-Leiter. Foto: promo

Viel Kreativität mussten Potsdams T-Werk-Leiter Jens-Uwe Sprengel und sein Team in diesem Jahr an den Tag legen.  Wegen Corona. Doch am morgigen Mittwoch wird wieder gespielt: Dann beginnt das Potsdamer Open-Air-Theaterfestival Schirrhofnächte im T-Werk. Die Akteure sind ausschließlich Brandenburger freie Theater. Für viele ist es aufgrund der Corona-Zwangspause die erste größere Gelegenheit zu spielen. Manche Stücke, die schon fertig waren, mussten dafür auch noch leicht umgeschrieben und mit kreativen Lösungen an die noch geltenden Abstandsregeln angepasst werden, sagt Sprengel. Bis zum 9. August finden beinahe täglich Aufführungen auf dem Platz im Kulturquartier Schiffbauergasse statt, darunter fünf Premieren. Welche Stücke es dort zu erleben gibt, hat Steffi Pyanoe aufgeschrieben.


Bleiben Sie gesund und genießen Sie auch die kleinen Dinge im Leben! Bis morgen früh 

Ihre Marion Kaufmann
PNN-Vizechefredakteurin

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