• Potsdam Heute 28. Mai 2020: Neue Lockerungen, Erinnerungen an Sunny und Hut ab für den Wachschutz

Potsdam Heute 28. Mai 2020 : Neue Lockerungen, Erinnerungen an Sunny und Hut ab für den Wachschutz

Potsdams Oberbürgermeister Schubert ist im Homeoffice, dem Klinikum könnte ein Defizit drohen und: Dürfen Lehrer eigentlich Corona leugnen? Mehr dazu in unserem Newsletter.

Foto: Ottmar Winter

Guten Morgen,

wer wird noch da sein, wenn die Krise vorbei ist? Eine bange Frage beim Rundgang durch Potsdams Innenstadt. Es fehlen Kunden und Umsätze. Wer einkauft, schaut aufs Geld - viele haben jetzt weniger, fürchten den Jobverlust. Manche Ladenlokale stehen schon Wochen leer. Doch es könnte schlimmer kommen: Auch das Karstadt Stadtpalais, Potsdams einziges Kaufhaus, ist bedroht. Mindestens ein Drittel der 172 Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof soll bundesweit schließen. Trifft es Potsdam? Wir haben recherchiert.

Worüber spricht Potsdam heute?

Foto: Ottmar Winter

Klinikum droht Finanzkrise

Die von der Stadtpolitik beschlossene Rückkehr zum Tariflohn könnte das kommunale Klinikum "Ernst von Bergmann" tief in die roten Zahlen ziehen. Davor haben nach PNN-Recherchen die Bergmann-Interimschefs am Mittwochabend die Stadtverordneten in nicht-öffentlicher Sitzung des Hauptausschusses gewarnt.

Nach einer Risikobetrachtung könnte das Bergmann bis zum Jahr 2024 ein Defizit in Höhe von 34,4 Millionen Euro anhäufen. Stadtkämmerer Burkhard Exner (SPD) soll Zuschüsse aus der Stadtkasse bereits abgelehnt haben, maximal eine Bürgschaft sei drin. Die SPD-Fraktion, heißt es, unterstütze diesen Kurs und fordere ein Sanierungskonzept fürs Klinikum - und verweise auf die Gewinnrücklage, die ja ausgegeben werden könne. Mitarbeiter jedenfalls sorgen sich schon: Wird das Klinikum auf Verschleiß gefahren und dann bei drohender Pleite verkauft? Den ausführlichen Beitrag finden Sie hier.

Was muss ich für heute wissen?

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD).
Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD).Foto: Ottmar Winter

Das Corona Update

Zehn neue Corona-Infektionen meldete das Brandenburger Gesundheitsministerium am Mittwoch, etwa 140 Menschen seien derzeit erkrankt. Insgesamt sind 3256 Fälle im Land statistisch erfasst.

Im Briefzentrum in Stahnsdorf sind nach dem Corona-Ausbruch unter rund 100 Mitarbeitern der Nachtschicht mittlerweile zwölf Menschen positiv auf Covid-19 getestet worden. Keiner der Infizierten zeige bisher Symptome, hieß es.

Dass das Gesundheitsamt des Landkreises bislang keine Quarantäne angeordnet hat, bezeichnet der Virologe Frank Torsten Hufert als Fehler. Hufert steht im Dienst der Medizinischen Hochschule Brandenburg und leitet in Potsdam die Untersuchungskommission zur Aufklärung des Corona-Ausbruchs am Klinikum. Im PNN-Interview sagte Hufert: "Nur eine Quarantäne kann weitere Infektionen verhindern."

Gute Nachricht: Alle 16 an Covid-19 erkrankten Mitarbeiter und Bewohner des AWO-Seniorenheims Wildau sind wieder genesen. Und noch eine gute Nachricht: In Potsdam hat es seit nunmehr sieben Tagen keine neuen Corona-Infektionen gegeben.

Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie in unserem Newsblog.

Schubert im Homeoffice

Potsdams Oberbürgermeister steuert die Stadtgeschicke jetzt von zu Hause aus. Wegen eines Corona-Verdachtsfalls in seinem entfernteren Umfeld hat Mike Schubert (SPD) sich am Mittwoch nach Beratung mit Amtsärztin Kristina Böhm in die freiwillige Isolation begeben. Das sagte Schubert den PNN.

Bis mindestens ein negatives Testergebnis der Person, die infiziert sein könnte, vorliegt, bleibe er daheim in Golm. Der Oberbürgermeister selbst sei keine Kontaktperson ersten Grades, deshalb sei kein Test nötig. Auch das Rathaus sei nicht lahmgelegt, hieß es.

Der Hauptausschuss am Mittwochabend allerdings musste ohne seinen Vorsitzenden Schubert tagen. Die Enttäuschung darüber saß bei manchem in der Opposition tief: Götz Friederich, CDU-Fraktionschef, zeigte sich von Schuberts Abwesenheit irritiert. Und das, obwohl es zu Beginn der Sitzung irrtümlich sogar geheißen hatte, der Oberbürgermeister habe eine bestätigte Covid-19-Erkrankung in seinem Umfeld. Politischer Feldzug vor Infektionsschutz - das irritiert nun wirklich.

Votum für Strandbad-Deal

Schluss mit der Debatte ums Strandbad Babelsberg: Der Hauptausschuss der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung hat am Mittwochabend entschieden - und mehrheitlich für den Kompromiss-Vertrag zwischen Stadt und Schlösserstiftung votiert. Wenn sich die Stadtverordneten dem nächsten Mittwoch wie erwartet anschließen, ist es besiegelt: Die Stadt bekommt ein neues, etwas kleineres Strandbad-Grundstück, die Schlösserstiftung den Platz für die Wiederherstellung des historischen Rundwegs.

Was geht in Potsdam jetzt wieder?

Das Brandenburger Kenia-Kabinett hat Lockerungen beschlossen - doch was heißt das für den Alltag in Potsdam? Kleine Konzerte, Sport und Dampferfahrten sind wieder möglich, bis die ersten Kinos öffnen, wird es jedoch noch eine Weile dauern. Ab Samstag machen das Strandbad Babelsberg - natürlich noch am alten Ort - und das Waldbad Templin wieder auf. Die Besucherzahlen sind allerdings begrenzt, Tickets können daher nur online gekauft werden. Einen Überblick, was in Potsdam wieder geht und was nicht, lesen Sie ausführlich hier. 

Was soll ich heute lesen?

Bundesweit demonstrieren regelmäßig Corona-Leugner.
Bundesweit demonstrieren regelmäßig Corona-Leugner.Foto: Christoph Schmidt/dpa

Lehrerin eine Corona-Leugnerin?

Eine Geschichtslehrerin, die an einer Schule in Falkensee (Havelland) unterrichtet, hat nach PNN-Informationen am 18. April an der sogenannten „Hygienedemo“ von Coronaleugnern vor der Berliner Volksbühne teilgenommen. Sie ist auf einem Veranstaltungsfoto zu sehen – nicht als stille Beobachterin, sondern in erster Reihe vor einem Polizisten, laut schreiend. Meine Kollegin Marion Kaufmann hat den Fall recherchiert

Welche Termine sind heute wichtig?

Bauernprotest in Berlin im Herbst 2019.
Bauernprotest in Berlin im Herbst 2019.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Was kostet die Kita? Erst hat Potsdam den Eltern von Kita- und Hortkindern zu hoch angesetzte Beiträge abgeknöpft, jetzt dauert es bereits Monate, eine neue Beitragsordnung vorzulegen. Heute will die Jugendbeigeordnete Noosha Aubel (parteilos) über einen "aktuellen Stand" informieren; am Nachmittag berät der Jugendhilfeausschuss dazu. Klingt nicht so, als wäre das Regelwerk fertig. 

Traktor-Demo gegen Agrarpolitik: Anlass für eine angekündigte Traktordemo in Potsdam vor dem Haus der Natur in der Lindenstraße 34 ist die Videoschalte der Agrarminister- und Umweltministerkonferenz in der EU. Protestieren wollen Landwirte bundesweit. 

Reisebüros finden Gehör: Bereits mehrmals haben die Inhaber von Reisebüros auf ihre prekäre Lage wegen der Coronakrise aufmerksam gemacht. Heute trifft Brandenburgs Arbeitsminister Jörg Steinbach (SPD) sich mit einigen von ihnen zum Gespräch. 

Was könnte ich heute unternehmen?

Schauspielerin Renate Krößner.
Schauspielerin Renate Krößner.Foto: dpa/Picture Alliance

"Ist ohne Frühstück. Ist auch ohne Diskussion."

Was für ein Satz! Im Westen gab es Ende der 1970er „Emma“ und Alice Schwarzer und im Osten servierte Renate Krößner als Sängerin Sunny mit diesen legendären Worten ihren langweiligen Verehrer ab. Nach einer gemeinsamen Nacht. Die jetzt am 25. Mai verstorbene Schauspielerin glänzte im Defa-Film „Solo Sunny“ von 1980 über eine Fabrikarbeiterin aus Ost-Berlin, die Sängerin in einer Band wird und die Männer mit ihrem Anspruch, über ihre Belange selber zu entscheiden, kräftig vor den Kopf stößt. Ein Film, in dem alles stimmte, das Drehbuch war von Wolfgang Kohlhase, Regie führte Konrad Wolf, die Musik schrieb Günter Fischer. Das Potsdamer Filmmuseum zeigt in der Dauerausstellung Filmausschnitte und Material zur Entstehung von Drehbuch sowie zur Produktion. Und wer schnell ist, erwischt noch eine im Museumsladen vorrätige DVD des Defa-Klassikers.

Filmmuseum, Breite Straße 1A
Geöffnet Donnerstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Eintritt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro

Mensch und Gewürm

Die Potsdamer Künstlerin Berit Mücke studierte unter anderem Malerei in Leipzig bei Neo Rauch. Ihre Bilder zeigen den Menschen in seinen Posen und unter Schichten verborgen oder verfremdet, inszeniert in Bewegung oder Haltung. Ebenso Porträts oder Landschaften, deren Stimmungen und Eigenheiten sie entdeckt und hervorholt. Andreas Hildebrand widmet sich in seinen Arbeiten, Linoldrucke und Malerei, dem Thema Knoten. Dabei entstehen tiefe, mehrschichtige Werke mit verschlungenen Gebilden und Formen, mal organisches Gewürm, mal faserige Knäuel. Zu sehen ab heute in der Sprungbrett Galerie. Die Künstler werden zeitweise anwesend sein.

Sprungbrett Galerie, Charlottenstraße 86
Geöffnet Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 16 Uhr

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Was kann ich heute Gutes tun?

Foto: promo

Engel werden

In einer Welt ohne Corona hilft der Potsdamer Verein Kultür Menschen mit wenig Geld, an Kultur in der Stadt teilzuhaben. Jetzt ist das noch schwieriger als sonst schon - und viele, die ohnehin knapp bei Kasse sind, trifft die Krise hart. Damit sie wissen, dass Menschen für sie da sind, sucht Kultür jetzt Corona-Telefon-Engel. Der Mindesteinsatz: zwei Stunden pro Woche, um mit Potsdamern zu telefonieren, die jemanden brauchen, der einfach mal zuhört und Hilfe organisieren kann. Interesse? Hier gibt es alle Infos.

Wetter und Verkehr

Wetter

Es wird wieder warm. Sonne und Wolken wechseln sich ab. Es weht nur ein schwacher Wind. Die Temperaturen steigen auf 20 Grad.

Verkehr

Immer wieder nachts fährt die S-Bahn nach Potsdam nur im 20-Minuten-Takt. Betroffen ist die S 7 zwischen Charlottenburg und Potsdam in der Nacht zum Freitag ab etwa 22 Uhr bis etwa 1.30 Uhr. 

Andere als die gewohnten Straßenbaustellen wurden derzeit nicht gemeldet. 

Person des Tages

Der Bürgerservice der Stadt Potsdam.
Der Bürgerservice der Stadt Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Der Kerl vom Wachschutz

Wer für sie die Person des Tages ist, hat die Potsdamerin Ines Friederich am Mittwoch ganz unverblümt in einem Facebook-Post beschrieben. "#MannDesTages ist eindeutig der arme Kerl vom Wachschutz, der vor dem Bürgerservice die Meute beruhigt", heißt es da. Dort im Rathaus sammelten sich nun all jene, zu denen es nicht durchgedrungen sei, dass der Bürgerservice wegen Corona nur nach Terminvereinbarung geöffnet hat, und dass die Termine telefonisch vereinbart werden müssen - eine Spätfolge des Cyberangriffs auf das Rathaus. Ines Friedrich schreibt: "Der Wachschutz ist nicht für den Notfall da vor der Tür, er muss wirklich jeden individuell ansprechen. Und sich anmachen lassen ... Hut ab! Ich könnte da nicht so ruhig bleiben."

Morgen Früh begrüßt Sie hier Marion Kaufmann,

machen Sie es gut

Sabine Schicketanz

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