• Potsdam Heute, 2. Juni 2020: Über die SPD, eine Subkultur im Osten und einen Platz zum Essen

Potsdam Heute, 2. Juni 2020 : Über die SPD, eine Subkultur im Osten und einen Platz zum Essen

Heute schauen wir uns die "schwarze Station" im Klinikum an, warten auf Essen auf dem Parkplatz und haben natürlich jede Menge sportliche und spielerische Tipps. Dies und mehr in unserem Newsletter. 

Foto: Ottmar Winter

Guten Morgen,

es geht zurück an die Arbeit, zur Schulein die Kita - wenn das Kind Glück hat und heute dran ist. Ja, übers lange Wochenende konnten Homeoffice, Homeschooling und Homekita glatt vergessen sein. Fast nichts erinnerte in Potsdam bei praller Sonne, vollen Cafés, Demonstrationen und dichtem Gedränge auf der Brandenburger Straße noch an Corona. Doch weg sind weder das Virus, die vielleicht mit ihm gefüllten Aerosole, noch die Krise. Halten wir uns also ein bisschen fest an diesem Pfingstfest, das auch den Abschied brachte von Weltkünstler Christo, dem Verzauberer. Vielleicht sehen wir mehr, wenn wir auf das schauen, was nicht gleich sichtbar ist. 

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Worüber spricht Potsdam heute?

Zugesagt und abgesagt 

Julia von La Chevallerie vor dem Café Miss Green Bean in der Brandenburger Straße.
Julia von La Chevallerie vor dem Café Miss Green Bean in der Brandenburger Straße.Foto: Sebastian Gabsch

Es ist oft dasselbe Spiel: Die Politik verspricht, was die Verwaltung dann nicht halten kann. Oder will. Dieses Mal geht es um Platz - Parkplatz. Der jetzt zum Sitzplatz werden sollte, ohne Genehmigungswirrwarr. Das hatte Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) den Gastronomen zugesagt. Der Grund für den Platz-Wandel: Wegen der Corona-Abstandsregelung passen auf die Außenflächen, die Restaurants gepachtet haben, weniger Gäste. Also sollten Tische und Stühle auch auf Parkplätzen stehen dürfen. Davon allerdings hat die Straßenverkehrsbehörde offenbar nix mitbekommen: Nicht nur für das Café Miss Green Bean in der Brandenburger Straße gab es statt einer Genehmigung bislang eine Absage. Kleiner Aufreger, große Wirkung - mehr lesen Sie hier.

Was muss ich heute wissen?

Das Corona-Update
In Brandenburg gibt es weiter nur wenige Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Von Sonntag zu Montag wurden drei neue Fälle gemeldet, von Samstag zu Sonntag waren es vier. Auch in Potsdam bleibt es weiter ruhig: Eine Neuinfektion gab es über Pfingsten.
Im Bergmann-Klinikum starb am Pfingstmontag ein mit Corona infizierter Patient. Es ist der 47. Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19. Das Klinikum hat 162 Covid-Patienten behandelt, 108 sind genesen, sieben noch in Behandlung.

In Potsdam-Mittelmark sind in den letzten 24 Stunden keine Neuinfektionen gemeldet worden. 
An den Pfingsttagen wollten all die Ausflügler in Brandenburg offensichtlich vor allem eines - friedlich am Wasser, im Grünen, in der Sonne sein. „Die Polizei hat ein sehr friedvolles Pfingsten erleben dürfen, besser geht es eigentlich nicht“, sagte ein Sprecher.
Über die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in Potsdam und Brandenburg informieren wir Sie in unserem Newsblog.

Genossen murren

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen.
Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Es rumort an der Potsdamer SPD-Basis. Einige Genossen sind not amused, wie ihnen Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz als Bewerber für die SPD-Kandidatur im Potsdamer Wahlkreis bei der Bundestagswahl nächstes Jahr serviert worden ist. "Die Kommunikation via Landesverband suggeriert eine Vorentscheidung, die ich für mit demokratischen Grundsätzen der Brandenburger Sozialdemokratie schwerlich vereinbar halte", schreibt der Potsdamer Harald Geywitz an seinen Landesvorsitzenden Dietmar Woidke. Allein die Kommunikation der Kandidatur "über den Landesverband" suggeriere "eine obrigkeitsstaatliche Attitüde". Angesichts der "bisherigen personellen Auswahlprozesse" halte er ebendiese Attitüde "politisch mindestens für unklug", so Geywitz. Das findet übrigens so ähnlich auch SPD-Jungstar Lilly Blaudszun.

Synagogenbau stockt wieder
Mehr als zehn Jahre Konflikte gehen weiter: In das Vorhaben, im Potsdamer Zentrum eine neue Synagoge zu bauen, kommt noch immer keine Ruhe. Das Landdas baut und bezahlt, hatte die jüdischen Gemeinden gebeten, bis Ende Mai einen gemeinsamen Beauftragten für den Neubau zu benennen. Die Frist ist verstrichen, bislang gab es einen Vorschlag - Peter Schüler - aber keine Einigung. Bedauerlich.

Entwurf für Brandenburgs künftige Synagoge..
Entwurf für Brandenburgs künftige Synagoge..Foto: Haberland Architekten

Metalkult in der DDR
Die Subkultur Heavy Metal war in der DDR sehr ausgeprägt. Der Potsdamer Forscher Nikolai Okunew vom Zentrum für Zeithistorische Forschung untersucht jetzt für seine Doktorarbeit die damalige Szene - und erkennt darin eine Vielschichtigkeit der ostdeutschen Gesellschaft. Ergebnis am Rande: Viele Szeneangehörige von damals haben in metallverarbeitenden Betrieben gearbeitet. Praktisch daran: Sie hatten Zugriff  auf Werkzeug und Materialien, um passende Kleidung und Accessoires herzustellen. Wie Okunew auf das Thema gekommen ist: Ihm waren Stasi-Statistiken aufgefallen, die die Anhänger von Jugend-Subkulturen zählten. “Heavy-Metal-Fans wurden stets als größte Gruppe genannt.”  Mehr zur Metal-Forschung hier.

Was soll ich heute lesen?

Auf der "schwarzen Station" 
Wie ist es, auf der Covid-Intensivstation im Potsdamer "Ernst von Bergmann"-Klinikum zu arbeiten? 

Auf der Covid-Station im Klinikum "Ernst von Bergmann".  
Auf der Covid-Station im Klinikum "Ernst von Bergmann".  Foto: Andreas Klaer

PNN-Redakteurin Sandra Calvez hat den abgeriegelten Trakt des Klinikums, in dem schwerstkranke Covid-19-Patienten behandelt werden, besucht. Ihre Reportage lesen Sie hier.

Welche Termine sind heute wichtig? 

Protest und Sport: Nach einer Fahrradsternfahrt dort hin soll heute um 12 Uhr in Berlin vor dem Kanzleramt gegen eine Kaufprämie für Autos demonstriert werden. Die Initiative "potsdam autofrei" ruft zum Mitfahren auf, los geht es um 10 Uhr an der Glienicker Brücke. Für die Radler ist die Avus stadteinwärts gesperrt, es geht also zügig zum Ziel.

Start der Potsdamer Protest-Radler ist um 10 Uhr an der Glienicker Brücke.
Start der Potsdamer Protest-Radler ist um 10 Uhr an der Glienicker Brücke.Foto: Sebastian Gabsch

Spiel und Sport: Am Hans-Grade-Ring im Stadtteil Am Stern beginnen heute die Bauarbeiten zur Neugestaltung des vor 30 Jahren angelegten Spielplatzes. Die Kinder aus dem Potsdamer Kinderheim „Heimatstern“ sowie Schüler der Montessori‐Schule haben Pläne gemacht. Kunst zum Spielen gibt es deshalb auch: Auf den Eierberg sollen zwei vier Meter hohe Throne gestellt werden. Im Spätsommer soll der neue Spielplatz fertig sein.

Bildung und Sport: Heute um 17.30 Uhr beginnt die Sitzung des Ausschusses für Bildung und Sport der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung. Auf der Tagesordnung: Die Lage der Potsdamer Sportvereine nach Corona, der Bau einer Sporthalle in Neu Fahrland sowie das Schul-Catering. Essen in der Schule könnte es nach dem Sommer nicht mehr geben - die Caterer sind in dramatischen Existenznöten: kaum Schule, kaum Schulessen, kaum Einnahmen.

Was könnte ich heute unternehmen?

Empfehlungen heute von Steffi Pyanoe.

Verdrehtes
Heute hat der Zauberwürfel Geburtstag – vor 40 Jahren, am 2. Juni 1980, ging das handliche Knobelgerät, das der ungarischer Designer Ernö Rubik erfunden hatte, in den Verkauf. Es hat sich bis heute gehalten und erlebte sogar ein Comeback. Funktioniert ohne Strom, Diesel und Netz, prima für Liegewiese, Bus oder Balkon.
Zu bekommen unter anderem im Spielzeugladen TamTam in der Jägerstraße 26 und in der Spielekiste in der Karl-Liebknecht-Straße 134 a. 
Mehr Knobelspaß gibt es im Extavium, Am Kanal 57, geöffnet 10 bis 16 Uhr, Tickets hier online buchen.
Mehr aus Ungarn, Wein, Wurst und Sonnengereiftes in Konserven gibt es bei "Ungarische Spezialitäten“ in der Jägerstraße 35.

Kaffee und Kuchen – nicht nur für Verlobte
Vor 140 Jahren, am 2. Juni 1880,  fand im Schloss Babelsberg die Verlobungsfeier von Prinz Wilhelm von Preußen und Prinzessin Auguste Victoria statt. Die beiden waren sehr verliebt und sollen sich viele romantische Briefe geschrieben haben. Auch sehr romantisch und luftig weil unten am Wasser (und heute ohne Korsett!) sitzt man im Restaurant Kleines Schloss im Babelsberger Park, ein ehemals einfaches Gartenhaus, das nach Entwürfen von Persius im Tudorstil umgebaut wurde.
Unterhalb von Schloss Babelsberg, geöffnet von 11 bis 18 Uhr, es gibt Kaffee und Kuchen, Salate, Quiche oder Kesselgulasch.

Was kann ich heute Gutes tun?

Runden rennen
Er ist der Klassiker unter den Benefizläufen: Potsdams Muko-Freundschaftslauf. Doch die 18. Auflage musste wegen Corona abgesagt werden. Helfen will der Mukoviszidose Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. den erkrankten Menschen dennoch. Das geht vor allem mit Geld, was jetzt auf andere Art zusammen kommen soll - nämlich mit einem dezentralen Lauf

Mukoviszidoselauf im Lustgarten.
Mukoviszidoselauf im Lustgarten.Foto: Manfred Thomas (Archiv 2018)

Alle können mitmachen, rennen, Rollstuhl fahren oder Inlineskaten. Noch bis 10. Juni können Sportliche sich hier anmelden und dann ihre Laufstrecken hochladen. Für jeden registrierten Meter gibt es Spendengeld

Wetter und Verkehr

Wetter
Die Arbeitswoche startet mit viel Sonne, nur im Tagesverlauf vereinzelt Quellwolken. Schwacher Wind aus dem Norden, die Temperatur steigt auf 25 Grad.

Verkehr
Dauerbrenner bleibt auch diese Woche die Nutheschnellstraße, wo die Brücken saniert werden. In beide Richtungen kann dort nur eine Spur befahren werden, vor allem stadteinwärts besteht Staugefahr.
Neu hinzu kommt eine Baustelle in der Zeppelinstraße. Dort wird an der stadteinwärtigen Fahrspur, auf der die Tramgleise verlaufen, gearbeitet. Deshalb muss diese punktuell gesperrt und der Verkehr über die mittlere Fahrspur geführt werden. 
Nachts fährt die S 7 zwischen Ostbahnhof und Potsdam weiterhin nur im 20-Minuten-Takt.

Person des Tages

Sarah Zalfen
Sarah ZalfenFoto: promo/ SPD Potsdam

Sarah Zalfen
"Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker." Legendär diese Worte der CDU-Politikerin Helene Weber (1881 -1962), die sie 1949 im Bundestag sprach. Weber ist eine der vier Mütter des Grundgesetzes und Kämpferin für Lohngleichheit von Frauen und Männern. Kein Wunder, dass es einen Frauen-Preis gibt, der nach der katholischen Sozialpolitikerin benannt ist. Er wird seit 2009 vergeben, getragen von der Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e.V., kurz EAF - und zwar an ehrenamtliche Kommunalpolitikerinnen, die Besonderes leisten und deshalb von einem Bundestagsabgeordneten nominiert werden. Unter den 15 Preisträgerinnen ist dieses Jahr eine frisch gewählte Potsdamerin: die SPD-Stadtverordnete Sarah Zalfen. Sie macht Kultur- und Finanzpolitik und hat gemeinsam mit anderen Frauen in Potsdam das Frauenwahllokal geschaffen. Zalfens Kommentar: "Liebe Leute, ich bin platt! Vor Freude und Glück und Stolz. (...) "


Starten Sie voll Willenskraft in diese Woche, bis morgen Früh

Ihre Sabine Schicketanz
PNN-Chefredakteurin

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