• Polizei räumt Fehler ein: Massenschlägerei auf Freundschaftsinsel hat es nie gegeben

Polizei räumt Fehler ein : Massenschlägerei auf Freundschaftsinsel hat es nie gegeben

Der Polizeibericht über eine Massenschlägerei auf der Freundschaftsinsel sorgte am Wochenende für Furore. Jetzt stellt sich heraus: Diese Massenschlägerei hat es nie gegeben.

Halb so wild: Auf der Freundschaftsinsel hat es offenbar überhaupt keine Massenschlägerei gegeben.
Halb so wild: Auf der Freundschaftsinsel hat es offenbar überhaupt keine Massenschlägerei gegeben.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Eine Massenschlägerei auf der Freundschaftsinsel hat es offenbar nie gegeben. Laut einer ersten Polizeimeldung nach der Tat vor anderthalb Wochen seien damals „mehrere Anrufe zu einer Massenschlägerei mit bis zu 40 Personen eingegangen“. Jetzt stellt sich heraus: Diese Schilderungen waren offenbar maßlos übertrieben. In einer am Dienstag von der Polizei verschickten Pressemitteilung heißt es: „Die ursprünglich durch einen Anrufer per Notruf mitgeteilte Meldung zu einer Massenschlägerei von 40 beteiligten Personen konnte durch die bisherigen Ermittlungen nicht bestätigt werden.“

Die neuen Polizeiangaben stimmen damit auch mit den Schilderungen eines Zeugen überein, der sich bei den PNN meldete. „Es kam zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen mit je drei bis vier Leuten mit mutmaßlichem Migrationshintergrund, in der Fäuste und Flaschen flogen“, sagte Henning Sponholz, der die Schlägerei beobachtete. „Es gab definitiv keine Massenschlägerei zwischen 40 Personen“, sagte er. Er und seine Freunde hätten interveniert und versucht, die Situation zu schlichten. „Nachdem uns dies nicht gelang, wurde von weiteren Augenzeugen die Polizei gerufen“, sagte Sponholz.

Derzeit werde gegen zwei Tatverdächtige ermittelt – einen 15-Jährigen aus Syrien sowie einen 27-Jährigen aus dem Iran. Beide seien in Potsdam wohnhaft und konnten unmittelbar nach der Tat von der Polizei festgenommen werden. „Nach Zeugenaussagen haben sie zuvor Flaschen auf eine Gruppe von mutmaßlichen Schwarzafrikanern geworfen“, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Männer sollen auch mit abgebrochenen Bierflaschen auf die Gruppe zugegangen sein. Geschädigte hätten sich bei der Polizei bisher allerdings nicht gemeldet. Mit Ausnahme eines jungen Mannes , der beim Festhalten eines der beiden Tatverdächtigen ein Schnittverletzung erlitt.

„Fehler sind menschlich – auch Polizisten sind nur Menschen“

Unklar ist allerdings weiterhin, warum die beiden Tätergruppen in Streit geraten waren. „Zum Motiv, warum die beiden Tatverdächtigen mit Flaschen warfen, war bei den Vernehmungen nichts herauszubekommen“, sagte der Polizeisprecher. Der 27-Jährige war aber offenbar stark betrunken: Die Beamten stellten bei ihm 3,58 Promille fest. „Aus den bisherigen Zeugenaussagen ist zu entnehmen, dass ursprünglich eine verbale Auseinandersetzung zwischen einem unbekannten Mann und einer unbekannten Frau dazu geführt haben soll, dass sich mehrere weitere Personen verbal einmischten“, sagte der Polizeisprecher.

Auch in einem anderen Detail stimmten die bisher veröffentlichten Informationen nicht mit der Realität überein. Am Dienstagvormittag fragten die PNN nach einem Zeugenhinweis bei der Polizei, ob das von der Polizei angegebene Datum – Samstag, der 28. Juli – tatsächlich stimme. Am Nachmittag erklärte die Polizei dann: Die Pressemitteilung war fehlerhaft, die Tat ereignete sich bereits am Freitag, dem 27. Juli, gegen 21  Uhr. „Fehler sind menschlich – auch Polizisten sind nur Menschen“, sagte ein Polizeisprecher dazu. Im Polizeisystem sei aber die richtige Tatzeit vermerkt gewesen.