• Park Sanssouci: Die Panther an der Orangerie sind wieder da

Park Sanssouci : Die Panther an der Orangerie sind wieder da

Zwei Skulpturen sind nach Restaurierung auf die Terrassen am Orangerieschloss im Park Sanssouci zurückgekehrt.

Anne Jerratsch
Die Panther sind wieder da.
Die Panther sind wieder da.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Wer von der Maulbeerallee auf das Orangerieschloss im Park Sanssouci schaut, kann seit dem 6. November 2019 ein neues Detail entdecken – eigentlich sind es sogar zwei. Auf den Orangerieterrassen setzen zwei Panther-Skulpturen zum Sprung an. Mehr als 70 Jahre waren sie auf der Brüstung nicht zu sehen, fast zwei Jahre hat die Restaurierung gedauert.

Das Geld dafür kam von der Stiftung Pro Sanssouci, die die Schlösserstiftung (SPSG) unterstützt. Eine fünfstellige Summe gab Privatspenderin Gisela Dreßler-Loest dazu. Durch die Wiederherstellung der Figuren wolle sie sich vor dem Bildhauer August Kiss verneigen, der einst die Panther entworfen hat. Außerdem sei ihr Engagement auch ein Zeichen der Liebe zu ihrem verstorbenen Mann Hans-Dieter Loest, dem die Stiftung gewidmet ist. „Denn es ist Kunst, die Erinnerungen schafft“, so die Spenderin.

„Die Panther waren schon so lange nicht mehr an ihrem Platz, dass man sie gar nicht mehr vermisst hat“, sagte Heinz Berg, stellvertretender Generaldirektor der Schlösserstiftung und Vorsitzender der Stiftung Pro Sanssouci, bei der Enthüllung am Mittwoch.

Heinz Berg von der Schlösserstiftung enthüllt zusammen mit Stifterin Gisela Dreßler-Loest die Panther-Skulpturen.
Heinz Berg von der Schlösserstiftung enthüllt zusammen mit Stifterin Gisela Dreßler-Loest die Panther-Skulpturen.Foto: Andreas Klaer

Die Zinkgussfiguren sind Mitte des 19. Jahrhunderts auf Wunsch von König Friedrich Wilhelm IV. nach einem Entwurf von Kiss entstanden. Die Panther begleiten in der griechischen Mythologie Dionysos, den Gott des Weines. Ursprünglich befanden sie sich jedoch nicht auf der Brüstung, sondern waren Teil eines Figurenensembles im Garten des Winzerbergs, erläuterte Silke Kiesant, Kustodin der Skulpturensammlung. Später fanden sie ihren Platz auf der Balustrade vor der Orangerie. Sie waren durch Witterung und Kriegswirren so stark beschädigt, dass sie in den 1950er- oder 1960er-Jahren abgebaut und im Skulpturendepot der SPSG zwischengelagert werden mussten. Die Figuren waren allerdings nur noch in Fragmenten vorhanden: Ein S-förmig geschwungenes Teil des Schwanzes, ein Teil mit Hinterläufen, ein Oberkörper und eine einzelne Vorderpfote waren erhalten geblieben.

Haare und Fellbereiche detailgenau

Mit Hilfe von historischen Fotoaufnahmen und den Skizzen der Potsdamer Zinkgießerei Friedrich Kahle, deren Fabrik sich am heutigen Staudenhof befand, konnten die eleganten Raubtierskulpturen wiederhergestellt werden. Aus den originalen Teilen habe ein Formbauer aus Dresden die Vorlage aus Gips modelliert, erklärte Metallrestaurator Martin Engel die Restaurierungsarbeiten. Anhand dieser konnten die Haare und Fellbereiche detailgenau nachbearbeitet werden. „Nur so konnte man sichergehen, dass die originale Tiefe und Schärfe der Oberfläche wiederhergestellt werden kann“, sagte Engel. Die Kunstgießerei Flierl in Berlin übernahm die weitere Aufbereitung der beiden Gipspanther. Daraus fertigte man dort ein Modell aus Wachs an, das als Gussvorlage diente. Für das Fertigungsmaterial wurde jedoch nicht wie beim historischen Originalmodell Zink, sondern langlebigeres Aluminium gewählt. Die Panther wurden zusätzlich mit einem Lack, der vor Korrosion schützen soll, versehen, so Martin Engel.

„Allerdings handelt es sich bei den Statuen nicht um reine Abgüsse“, ergänzte Steinrestaurator und Bildhauer Robert Kannis vom Fachbereich Skulpturenrestaurierung der Stiftung. Er ist zusammen mit seinen Kollegen für die Fertigstellung der Vorlagen der Skulpturen der SPSG zuständig. Die Kollegen wechseln sich regelmäßig und je nach Fertigkeiten ab, bei den Panthern hatte Kannis den Hut auf. Durch seine Hände ging die Fertigstellung des Gipsmodells, und auch die detailgenaue Übertragung der Formen in Wachs begutachtete er.

Der Bildhauer hatte bei diesem Projekt ungleich mehr Verantwortung als bei anderen Restaurationen, denn etwas Entscheidendes fehlte: Der Kopf eines der beiden Tiere war beim Abbau verloren gegangen und musste ebenso rekonstruiert werden. „Bei dem Projekt konnte ich daher auch mal richtig kreativ arbeiten“, sagte Kannis. Der Bildhauer konnte dabei auch aus seiner Erfahrung der Wiederherstellung anderer Figuren wie den Greifen am Johannitertor im Glienicker Park schöpfen. Das Ergebnis macht ihn stolz: „Auch wenn es eine historische Vorlage für die Modelle gibt – es ist auch immer ein bisschen ein eigenes Stück.“