• Pandemie und Fachkräftemangel: Erste Kitas gehen in den Notbetrieb

Pandemie und Fachkräftemangel : Erste Kitas gehen in den Notbetrieb

Eltern in Sorge: Eine Kita in der Potsdamer Innenstadt muss schon kurz vor Weihnachten wegen Personalmangel die Öffnungszeiten reduzieren. Träger haben sogar schon vor Schließungen gewarnt.

Foto: Philipp von Ditfurth/dpa (Symbolbild)

Potsdam - Nach dem Brandbrief von Kitaträgern wegen akutem Personalmangel in dem Bereich und nun sogar möglichen Schließungen wird es konkret: Das vom Evangelischen Kirchenkreis getragene Heilig-Kreuz-Haus in der Innenstadt hat in einem Elternschreiben angekündigt, dass man Stunden bei der Kinderbetreuungszeit reduzieren muss – und zwar schon ab dem 20. Dezember.

Träger entschuldigt sich schon jetzt

In dem den PNN vorliegenden Brief des zuständigen Pfarrers Tobias Ziemann entschuldigt dieser sich schon jetzt für die so entstehenden Unannehmlichkeiten. Doch habe, teilweise auch kurzfristig, das zweiköpfige Leitungsteam des Kindergartens gekündigt. Ab dem 20. Dezember würden so nur noch drei pädagogische Fachkräfte vor Ort tätig sein. „Leider herrscht ein großer Mangel an Fachkräften und der Träger überlegt schon längere Zeit, wie die Planung für die Zukunft des Kindergartens aussehen kann“, so Ziemann. Hilfe von anderen Kitas des eher kleineren Kitaträgers sei nicht möglich, auch dort habe man mit Personalnöten zu tun – etwa wegen Schwangerschaften. Und auch „Personalagenturen können derzeit keine Hilfe anbieten. Die Situation ist überall ähnlich kompliziert“. Daher werde man die Öffnungszeiten verkürzen müssen – auch im nächsten Jahr. Weitere Informationen sollen nach einer heutigen Sitzung des Gemeindekirchenrats gegeben werden, hieß es.

Selbst Personalagenturen sind keine Hilfe mehr

Schon vergangene Woche hatten die privaten Potsdamer Kitaträger in einer gemeinsamen Erklärung die akuten Personalengpässe in der Branche angesprochen und vor eingeschränkten Öffnungszeiten in ihren Einrichtungen gewarnt. Durch Erkrankungen und zum Beispiel Quarantänen im Rahmen der Corona-Pandemie sei die Lage derzeit angespannt wie noch nie, hieß es in dem Schreiben. Selbst „zeitweise Schließungen von Gruppen oder Einrichtungen“ wurden darin nicht ausgeschlossen

Auch der Landesverband der Arbeiterwohlfahrt teilte jüngst mit, steigende Inzidenzen bei den Kindern und zunehmend mehr Personalausfälle würden landesweit dazu führen, dass die Einrichtungen für Kinder und Jugendliche an Grenzen stoßen würden. „Die Reduktion von Öffnungszeiten oder gar Schließung von ganzen Gruppen sind inzwischen längst keine Einzelfälle mehr.“ 

Die Träger würden auch durch zunehmend hohe Preise für Testkits belastet, sagte Awo-Landeschefin Anne Baaske. Kirchenmann Ziemann wiederum sagte den PNN auf Anfrage, die Lage in der Heilig-Kreuz-Kita habe mehr mit dem generellen Fachkräftemangel zu tun als mit Corona.

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Was tut das Rathaus?

Auch die Stadtverwaltung hat die Lage im Blick. Nach Abfragen bei Trägern habe sich gezeigt, dass knapp über ein Drittel des pädagogischen Personals im Wochendurchschnitt nicht zur Verfügung steht, sagte ein Rathaussprecher. Man unterstütze unter anderem auch durch Impftermine für Erzieher:innen, aber auch durch Videoschalten mit den Trägern.

Generell sei es so: " Sofern Betreuungslücken dazu führen, dass der individuelle Bedarf nicht mehr abgedeckt werden kann, muss der jeweilige Kita-Träger standortbezogen nachvollziehbar und in sorgfältig Abstimmung mit dem Jugendamt handeln", so der Sprecher. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit müsse gewahrt werden. Gründe für eine "Unmöglichkeit einer Leistungserbringung" müsse der Kita-Träger im Rahmen seiner Trägerautonomie dokumentieren. 

"Sind getroffene Maßnahmen nicht ausreichend, muss der Kita-Träger unter Einbeziehung des Jugendamtes eine Auswahlentscheidung treffen", so der Sprecher. Diese dürfe nicht willkürlich sein. "Vorrangig ist durch das Jugendamt darauf zu achten, dass die Ansprüche von Kindern erfüllt werden, bei denen das Kindeswohl eine Betreuung insbesondere erforderlich macht", hieß es weiter.

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