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Paketbomben verschickt : Haftbefehl gegen DHL-Erpresser erlassen

In der Weihnachtszeit 2017 landete eine Paketbombe des DHL-Erpressers in Potsdam. Mehr als drei Jahre später hat sich der Täter gestellt.

Dieses Fahndungsfoto veröffentlichte die Brandenburger Polizei im April 2021.
Dieses Fahndungsfoto veröffentlichte die Brandenburger Polizei im April 2021.Foto: LKA Brandenburg

Potsdam - Die Ermittler der Brandenburger Polizei wähnten sich bereits vor dem Durchbruch, die Vorbereitungen liefen bereits, um den seit Jahren gesuchten Mann zu fassen. Doch am Mittwochnachmittag hat sich der mutmaßliche Erpresser des Logistikkonzerns DHL und Bombenbauer bei der Staatsanwaltschaft Potsdam gemeldet und selbst gestellt. Der 35 Jahre alte Deutsche hat zehn Erpressungen gestanden. Das Amtsgericht Potsdam erließ Haftbefehl.

Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, handelt es sich um einen 35-Jährigen aus Brandenburg. "Er räumte bei einer sich anschließenden staatsanwaltlichen Vernehmung ein, für insgesamt zehn Erpressungen mit dem Ziel der Erlangung von Geldbeträgen in Millionenhöhe in Form von Bitcoins verantwortlich zu sein", hieß es in einer Mitteilung der Polizei.

Eine Überprüfung der Aussagen des Beschuldigten bestätigte den Tatverdacht. Noch am Mittwoch wurde seine Wohnung durchsucht. Die Ermittler stellten unter anderem PC-Technik, ein Mobiltelefon, eine Sturmhaube, eine Schreckschusswaffe mit Munition und auch eine rote Mund-Nasen-Bedeckung sicher. Offenbar jene Schutzmaske, die auf dem Fahndungsfoto zu sehen war.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Potsdam gegen den Beschuldigten Haftbefehl wegen des Vorwurfs der versuchten räuberischen Erpressung in zehn Fällen, davon in vier Fällen wegen der Verwendung von Paketbomben zugleich wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung. 

"Angesichts der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten und aufgrund der Tatsache, dass er sich den Ermittlungsbehörden selbst gestellt hat, hat der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Potsdam den Haftbefehl gegen strenge Auflagen außer Vollzug gesetzt", teilte die Polizei mit.

Mann soll wegen kleinerer Delikte polizeibekannt sein

Mehr als drei Jahre war es dem Mann gelungen, trotz einiger hinterlassener Spuren nicht gefunden zu werden. Den Durchbruch brachte vor einigen Wochen ein Fahndungsfoto von dem Mann, aufgenommen von einem Bitcoin-Geldautomaten in einem Spätkauf in Berlin-Friedrichshain. Jener Mann, der die friedliche Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt im Potsdam im Dezember 2017 zerstörte. 

Die Ermittler hatten anhand des Fotos, elektronischer Daten und Analysen von Profilern  gemeinsam mit den Spezialisten der Berliner Polizei bereits eine Liste mit rund hundert möglichen Tatverdächtigen erstellt. Der Mann soll wegen kleinerer Delikte bereits polizeibekannt sein.  Mehr als  60 Personen, die auf der Liste standen, waren bereits überprüft worden. Der DHL-Erpresser stand auf Platz 76. „In wenigen Wochen hätten wir ihn ohnehin gefasst“, sagte ein Ermittler den PNN

Täter nannte sich "Omar" 

Es ging um Paketbomben, Menschen hätten schwer verletzt oder getötet werden können. In allen Fällen in Berlin und Brandenburg ist zum Glück nichts passiert. Der Täter selbst nannte sich in seinen digitalen Erpresserschreiben „Omar“ oder „One Man Army Rebel“. Er hatte vom Postdienstleister DHL Millionensummen gefordert und damit gedroht, Menschenleben auszulöschen. 

Der Potsdamer Leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann und Polizeipräsident Oliver Stepien erklärten, das sei ein großer Erfolg für unsere Behörden und für die Sicherheit der Menschen in der Region. „Letztendlich gelang es durch akribische Ermittlungsarbeit hartnäckiger Kriminalisten, öffentlichen Fahndungsdruck und die ausgezeichnete Zusammenarbeit der beteiligten Behörden diesen Fall zu lösen“, sagten die Behördenchefs.

Anfang November 2017 hatte der Erpresser Paketbomben an einen Online-Versandhändler in Frankfurt (Oder) verschickt, die mit batteriebetriebenem Zünder, einer mit Nägeln bestückten Metalldose sowie Polenböllern ausgestattet waren. Doch das Paket ging in Flammen auf. Bei einer Explosion hätten Menschen schwer verletzt oder sogar getötet werden können. Erst später konnte diese Tat zugeordnet werden.

Schon im September 2017 Hinweise auf den Erpresser 

Denn bereits zwei Monate zuvor, im September 2017, hatte es Hinweise auf den Erpresser gegeben. Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte per E-Mail ein Drohschreiben bekommen. Der Verfasser forderte Geld in der Internetwährung Bitcoin und drohte mit Paketbomben. Die Polizei in Bonn, Hauptsitz von DHL, übernahm den Fall, zunächst erfolglos. Als das Paket in Frankfurt (Oder) verpuffte, dachte offenbar niemand an das Drohschreiben. Denn in dem Paket war eine zentrale Spur zerstört worden – nämlich der Weg zum Erpresserschreiben.

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Worum es ging, wurde erst am 1. Dezember 2017 klar. In einer Apotheke am Rande des Potsdamer Weihnachtsmarkts wurde eine Paketbombe entdeckt. Der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt musste geräumt werden. Beim Öffnen des Pakets hatte der Apotheker Drähte entdeckt. Die Zündvorrichtung funktionierte nicht. Die Ermittler fanden einen Böller, Batterien und Nägel – und sie konnten einen QR-Code rekonstruierten, der zu einem elektronischen Erpresserschreiben führte. 

Wegen der Paketbombe musste der Weihnachtsmarkt in Potsdam im Dezember 2017 geräumt werden. 
Wegen der Paketbombe musste der Weihnachtsmarkt in Potsdam im Dezember 2017 geräumt werden. Foto: Sebastian Gabsch

Der Erpresser forderte von DHL die Überweisung einer Millionensumme in der Kryptowährung Bitcoin. Im Januar 2018 wurde ein ähnliches Päckchen in einer Bank an der Schlossstraße in Berlin-Steglitz gefunden worden, zwei Monate später eines in der Berliner Handwerkskammer in Kreuzberg. Im Januar war ein ähnliches Päckchen mit Schwarzpulver und Zündvorrichtung in einer Bank an der Schlossstraße in Berlin-Steglitz gefunden worden. Jedes Mal entdeckten Mitarbeiter verdächtige Drähte. 

Die Polizei glaubte mehrfach, dem Mann dicht auf den Fersen zu sein – doch dann haben sich die Spuren wieder verloren. Es stellte sich heraus, dass der Täter überaus geschickt vorging, die Ermittler mussten auf Cyberspezialisten zurückgreifen, mehr als 350 Beamte, darunter Ermittler, Kriminaltechniker und Spezialkräfte waren mit dem Fall betraut. Mehr als 1.000 Spuren und Hinweise wurden ausgewertet.

Immer wieder verlor die Polizei die Spur des Erpressers

Die Polizei glaubte mehrfach, dem Mann dicht auf den Fersen zu sein – doch dann haben sich die Spuren wieder verloren. Das Landeskriminalamt ermittelt nun seit fast dreieinhalb Jahren wegen des Verdachts des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sowie der schweren räuberischen Erpressung. 

Es stellte sich heraus, dass der Täter überaus geschickt vorging, die Ermittler mussten auf Cyberspezialisten zurückgreifen. Der Täter hatte im April 2018 mehrere Drohschreiben per E-Mail verschickt, jedes Mal aus öffentlichen W-Lan-Netzen in östlichen Bezirken in Berlin. 

Polizei veröffentlicht Fahndungsfoto

Aus den E-Mails konnten die Ermittler die spezifische Kennung des Gerätes herauslesen, mit dem die E-Mails verschickt wurden. Jedes Gerät, ob Computer oder Mobiltelefon, verfügt über eine solche Adresse für die Netzwerkschnittstelle. Anhand der Kombination aus Zahlen und Buchstaben ist jedes Gerät identifizierbar. 

Eine weitere Spur verlor sich in einem Hotel in Friedrichshain. Die Ermittler fanden heraus, dass sich der Täter in ein offenes W-Lan-Netz eines Hotels eingeloggt hatte. Doch der Internetanbieter konnte keine Daten herausgeben – sie waren gelöscht. Gesetzlich ist eine Frist von vier Wochen vorgesehen. Die Ermittler scheiterten an den Vorgaben zur Vorratsdatenspeicherung.
Am 23. April 2021 veröffentlichte die Polizei nun erstmals Foto, dass den Verdächtigen zeigt. Mit Corona-Schutzmaske war er am 22. Oktober 2020 abends in einem Spätkauf in Friedrichshain. Das geschickte Versteckspiel war vorbei, er hatte zu viel Spuren hinterlassen.

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) sagte: Am Ende ist der Druck durch die Öffentlichkeitsfahndung so hoch gewesen, dass sich der Tatverdächtige gestellt hat.


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