• Nominierung für Reporterpreis 2020: Raus aus dem Leben

Nominierung für Reporterpreis 2020 : Raus aus dem Leben

Es sei der "persönlichste Text, den ich je geschrieben habe", sagt Marion Kaufmann. Jetzt ist die PNN-Vizechefredakteurin mit dem Beitrag "Meine verlorene Freundin" für den Deutschen Reporterpreis 2020 nominiert.

Marion Kaufmann, stellvertretende Chefredakteurin und Verantwortliche Redakteurin Landespolitik bei den Potsdamer Neueste Nachrichten.
Marion Kaufmann, stellvertretende Chefredakteurin und Verantwortliche Redakteurin Landespolitik bei den Potsdamer Neueste...Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Für ihren Beitrag "Meine verlorene Freundin" ist Marion Kaufmann, stellvertretende Chefredakteurin der Potsdamer Neueste Nachrichten, in der Kategorie Lokalreportage für den Deutschen Reporterpreis 2020 nominiert worden. Das gab das Reporter-Forum am Samstag (31.10.) auf seiner Homepage bekannt. Der Preis wird am 7. Dezember verliehen, in diesem Jahr ohne Festveranstaltung, sondern via Zoom-Meeting.

Mit dem Reporterpreis will das Reporter-Forum, eine Initiative von Journalisten, "Talente und Redaktionen anspornen, er soll besonders gute Reporter belohnen, und Debatten befeuern". Vergeben wird der Preis seit 2009 in acht Kategorien, es ist nach Angaben des Reporter-Forums "der deutsche Printmedienpreis mit den meisten Einreichungen". Die Jury ist zu gleichen Teilen mit "preisgekrönten Reportern und prominenten Publizisten und Autoren besetzt", heißt es.

Zehn Beiträge sind nominiert

Eine Vorjury filtert aus allen Einsendungen die nominierten Beiträge - neben "Meine verlorene Freundin", erschienen am 28. Juli 2020 in den Potsdamer Neueste Nachrichten und im Tagesspiegel, sind neun weitere Texte für den Reporterpreis in dieser Kategorie nominiert. Sie sind hier zu finden und auch zu lesen.

Der Preis für die "Beste Lokalreportage" soll würdigen, dass Reporterinnen und Reporter in kleinen Redaktionen "unter erschwerten Bedingungen" arbeiteten, heißt es vom Reporter-Forum. Sie stünden unter Zeit-, Platz- und Kostendruck, sie müssten sich "ihre Reportagen erkämpfen gegen widrige Umstände". Umso bemerkenswerter sei die Qualität vieler dieser Texte, "umso mehr Respekt verdienen all jene Kolleg:innen, die nicht nur ihre Seiten zusammenzimmern, sondern sich ins Handgemenge begeben, in die Welt ihrer Leser und zurückkommen mit erzählenswerten Geschichten", heißt es über den Reporterpreis in der Kategorie Lokalreportage. 

Eine unheilbare Krankheit, es gibt keine wirksamen Therapien

Marion Kaufmann berichtet in "Meine verlorene Freundin" über die Erkrankung einer engen Freundin am Chronischen Erschöpfungssyndrom. Sie schildert, wie die bislang unheilbare Krankheit diese Frau, Mutter zweier Kinder, aus dem Leben verschwinden lässt: Sie bekommt einen Infekt, erholt sich davon nicht mehr - bis heute. Sie kann kaum sprechen, nicht aufstehen.

Schon seit 1969 ist die Krankheit, kurz ME/CFS, von der Weltgesundheitsorganisation als neurologische Erkrankung gelistet. Doch es gibt keine wirksamen Therapien oder Medikamente, keine Versorgungsstrukturen. Wohl aber Tausende Betroffene. #MillionsMissing ist der Hashtag, unter dem Betroffene bei Facebook und Twitter über ihre Erkrankung - oder die ihrer Angehörigen - berichten. 

Viele von ihnen melden sich nach Veröffentlichung des Artikels bei Marion Kaufmann. Sie rufen an oder schreiben E-Mails, sie kommen aus fast allen Teilen Deutschlands. Der Text wird online zigtausend Mal gelesen. Auch in den sozialen Netzwerken gibt es zahlreiche Reaktionen auf den Beitrag. Was auffällt: Vielfach sprechen Leserinnen und Leser Marion Kaufmann Dank aus für ihren Text - weil sie jene, die wegen der Erkrankung aus dem Leben verschwunden sind, sichtbar gemacht habe.

Hier können Sie den nominierten Beitrag noch einmal lesen.

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