Potsdam : „Niemeyer ist draußen“

Stadt: eigene Bad-Pläne SPD will Planwerkstatt

Wenn Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen und Oberbürgermeister Jann Jakobs heute Abend den Mitgliedern des Hauptausschusses erste Vorstellungen über die Sanierung der Schwimmhalle am Brauhausberg vorstellen werden, wird ein Name keine Rolle mehr spielen: Oskar Niemeyer. Am vergangenen Freitag hatte Jakobs noch damit geliebäugelt, Elemente der Niemeyer-Pläne in die Sanierung der maroden Halle einfließen zu lassen – sozusagen im Vorgriff auf ein Niemeyer-Freizeitbad, das irgendwann in besseren Zeiten doch noch gebaut werden könnte.

Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Die Stadt werde „nicht einen Teil der Pläne von Niemeyer anfassen“, sagte Paffhausen gestern den PNN. „Niemeyer ist draußen.“ Zunächst werde man die schriftliche Absage des Wirtschaftsministeriums an den 23-Millionen-Förderantrag der Stadt abwarten und sich dann dazu „positionieren“. In Bezug auf die Bewertung des Papiers und möglicher Konsequenzen sei noch nicht das letzte Wort gesprochen. Immerhin seien am Brauhausberg fast vier Millionen Euro „versenkt“ worden. Dennoch seien nicht alle Ausgaben umsonst gewesen, zum Beispiel die bauvorbereitenden Leistungen. „Wir müssen jetzt aber vor allem nach vorne blicken“, sagte Paffhausen. So soll die Hauptausschusssitzung auch dazu dienen, die Erwartungshaltung der Stadtverordneten auszuloten. Es gäbe bereits „mehrere vorzeigbare Varianten“ für eine sanierte Brauhausberg-Halle. Der Stadt komme dabei zugute, dass die Pläne für die Halle, die im Zusammenhang mit dem Freizeitbadprojekt erarbeitet wurden, „in keinerlei Zusammenhang zu Niemeyer stehen“. Paffhausen: „Diese Pläne können wir komplett nutzen.“ Dabei gehe es zum Beispiel um die bauliche Verlagerung von Teilen der technischen Anlagen. Ebenfalls diskutiert werden müsse, wie es mit der Sauna weitergehe, da es dort vertragliche Bindungen gäbe. Paffhausen sprach von einem „klimatischen Trend“, der sich aus der Hauptausschusssitzung ergeben soll.

Die komplette Abkehr von Niemeyer dürfte auf breite Zustimmung in den Fraktionen stoßen. Sowohl Vertreter von Die Linke, SPD wie auch CDU favorisierten gestern auf PNN-Anfrage einen klaren Neuanfang anstelle einer Weiterverfolgung von Niemeyer-Plänen.

SPD-Fraktionschef Mike Schubert forderte, „aktiv eine Lösung“ für die Fläche unterhalb des Brauhausberges zu suchen. Die Brache müsse schnellstens verschwinden. Es sei illusorisch anzunehmen, die Stadt könne irgendwann in der Lage sein, aus eigener Kraft dort das Niemeyer-Bad zu bauen. Die SPD-Fraktion will noch weitergehen und hat eine „Planungswerkstatt für das Gebiet südlich der Langen Brücke“ angeregt. Ziel sei ein „Masterplan“ für den Gesamtbereich mit dem Freizeitbad-Areal, dem Gelände des Reichsbahn-Ausbesserungswerkes (RAW) und der Speicherstadt. Jakobs habe dies in der Fraktionssitzung begrüßt. Auch Hans-Jürgen Scharfenberg, Linke-Fraktionschef, forderte einen „planerischen Neuanfang ohne Bindung an Niemeyer“ und die volle Konzentration auf das Gelände unterhalb des Brauhausberges. Dabei müsse auch die frühere Gaststätte „Minsk“ mit einbezogen werden. Eine Planungswerkstatt halte er für möglich. „Doch das Problem Schwimmhalle steht an erster Stelle.“

CDU-Fraktionschef Steeven Bretz ist ebenfalls bereit, an einer Planungswerkstatt mitzuwirken. Vorrang smüsse aber eine Strategie der „Schadensbegrenzung“ haben. Es sei viel Geld ausgegeben worden, jetzt müsse „so viel wie möglich davon gerettet werden“. Bei den Schwimmhallenplänen dürfe es keine Bindung an Niemeyer geben: „Wir müssen offen sein.“

Unterdessen ist der Brief der Stadt mit den Informationen über die Absage an das Freizeitbad-Projekt an Oskar Niemeyer am Montag abgeschickt worden. Darin äußert Jakobs sein Bedauern über die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums. „Ihr Entwurf für das Bad am Brauhausberg war aus meiner Sicht die ideale Planung für diesen Standort“, schreibt Jakobs. Abschließend heißt es: „Wir prüfen derzeit die Sanierung der Schwimmhalle, dies wird selbstverständlich in Bezug auf die vorliegende Planung in enger Abstimmung mit Ihrem Büro vorgenommen.“

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