• Neues Buch über Babelsberg: Der Kampf ums größte Rathaus

Neues Buch über Babelsberg : Der Kampf ums größte Rathaus

Ein Babelsberger Autorenduo widmet seinem Kiez einen Stadtteilführer. So manche Anekdote überrascht.

Babelsberg von oben.
Babelsberg von oben.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - „Babelsberg ist eine Stadt in der Stadt, daher war ein Stadtführer mehr als angesagt“, sagt die Babelsberg-Bewohnerin Sabine Kalinowski. Gemeinsam mit ihrem Co-Autor, dem Schriftsteller und Musiker Patrick Weber – ebenfalls Babelsberger – recherchierte sie „Siebenundsiebzig Mal Babelsberg“ mit 77 Tipps und stellenweise überraschenden Infos zu Potsdams größtem Stadtteil.

„Babelsberg hat ein eigenes Zentrum, ja sogar ein eigenes Schloss“, begründet Kalinowski ihre Entscheidung, Babelsberg einen eigenen Stadtteilführer zu widmen. Das Buch wird seit Montag im Verlag Havelbooks herausgegeben, den Kalinowski betreibt. Zuvor studierte sie an der Universität der Künste in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und unterhält nun ein Büro für Kulturkommunikation. Seit 13 Jahren lebt sie in Babelsberg, gab unter anderem das Stadtteilmagazin „Der Babelsberger“ in ihrem Verlag heraus.

Das Autorenduo Sabine Kalinowski und Patrick Weber. 
Das Autorenduo Sabine Kalinowski und Patrick Weber. Foto: privat

Eine Zeitreise durch Babelsberg

In dem klar strukturierten, alphabetisch sortierten Info-Ratgeber wird manche Besonderheit des Stadtteils genüsslich ausgebreitet. So zum Beispiel der Kampf von Neuendorf und Nowawes um die Vorherrschaft in Babelsberg, der darin gipfelte, dass beide Gemeinden an der heutigen Rudolf-Breitscheid-Straße ihre neuen Rathäuser größer denn je direkt gegenüber bauten.

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Auch die Sage zur Entstehung vom Babelsberg von Karl von Reinhard wird wiedergegeben – inklusive der Erklärung, warum der Tiefe See mit 14 Metern eines der tiefsten Havelgewässer ist. Man habe Wert auf historische Informationen über Babelsberg, Nowawes, Neuendorf gelegt, sagt Sabine Kalinowski. 

Das Babelsberger Schloss im Park Babelsberg. 
Das Babelsberger Schloss im Park Babelsberg. Foto: Andreas Klaer

Besonders dank der beigefügten Fotos wird das Buch mitunter zu einer Zeitreise durch das Babelsberg der Vergangenheit. Aufnahmen aus der schon lange nicht mehr existenten Eisenbahnfabrik Orenstein & Koppel sind ebenso abgebildet wie Kneipen und Cafés, die längst das Zeitliche gesegnet haben – wie das Restaurant Markthalle an der Karl-Liebknecht-Straße oder die Sängerklause am Weberplatz.

Aktuelle Themen kommen nicht zur Sprache

Jedoch bleibt das Buch mit dem Untertitel „Potsdams berühmter Stadtteil“ nicht nur im Gestern – auch wenn natürlich die lange Geschichte von Babelsberger Institutionen wie dem Oberlinhaus, dem Kiezkino Thalia, dem Studio Babelsberg und der Filmgeschichte im Stadtteil nicht fehlt. Zum Shopping-Ratgeber werden die kurzen, prägnanten Texte der beiden Autoren, wenn sie sich in die Einzelhandelsgeschäfte und besonderen Cafés begeben. 

„Ich war selbst erstaunt, wie viele fair und ökologisch gehandelte Angebote in Babelsberger Läden zu finden sind“, sagt Kalinowski. Auffällig dabei: Es sind keine Hochglanz-Imagebilder, die die ausgewählten Einkaufs- und Restaurantangebote im Buch zeigen, sondern private Schnappschüsse der jeweiligen Geschäfts- und Lokalinhaber.

Auch wenn Veränderung im Stadtteil dazugehöre, machen die Autoren keinen Hehl aus der für sie „furchtbaren Schließung“ des beliebten Bürgerhofs in Klein Glienicke, einem weit über die Grenzen der Stadt bekannten Ausflugslokal.

Aktuelle Themen wie die Diskussion um den geplanten Libeskind-Turm in der Media-City kommen indes nicht zur Sprache, auch wenn das Buch durch die Gegenüberstellung alter und neuer Orte in Babelsberg auch die Gentrifizierung und die große Bautätigkeit aufzeigt. „Ja, es wird in Babelsberg viel gentrifiziert und noch dazu wird jedes Fleckchen zugebaut, und zwar bis an die Grundstücksgrenze und viel zu nah, dicht an dicht“, kritisiert die Babelsbergerin Kalinowski. Aber diese Betrachtung bleibt außen vor, denn: „Der Stadtteilführer soll die Leute ermuntern, die Babelsberger Angebote zu genießen“, erklärt Kalinowski. 

Sabine Kalinowski, Patrick Weber: „Siebenundsiebzig Mal Babelsberg – Potsdams berühmter Stadtteil“, Verlag Havelbooks, 168 Seiten, 14,90 Euro, ISBN 978-3000-723728

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