• Neuer Potsdamer Stadtteil: Erstes Schulfundament in Krampnitz liegt

Neuer Potsdamer Stadtteil : Erstes Schulfundament in Krampnitz liegt

Es wird konkret: Grundschulcampus und erste Wohnungen sollen 2024 fertig sein, die Tram lässt weiter auf sich warten.

Schulstart 2024. Die Bodenplatte für eine Grundschule im neuen Stadtteil Krampnitz ist fertig.
Schulstart 2024. Die Bodenplatte für eine Grundschule im neuen Stadtteil Krampnitz ist fertig.Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Noch braucht man ziemlich viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass auf dem Entwicklungsgebiet Krampnitz einmal 10 000 Menschen wohnen sollen: „Hier würde sich der zentrale Park befinden, die grüne Lunge von Krampnitz“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Dienstag bei einer Führung über das Gelände, während er auf eine graue Brache zeigte. Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos) ergänzte: „Da vorne würde die Tram an der Haltestelle ‚Krampnitz Mitte‘ halten. Wir stehen hier also mitten im Zentrum.“

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Doch es gibt auch konkrete Fortschritte, wie man an den Baukränen sehen kann: Sie stehen an einer Baugrube, in der das künftige Fundament für eine Grundschule ruht, das Haus soll zum Schuljahr 2024/25 fertig sein. 600 Kinder sollen hier zur Schule gehen, nebenan entsteht in einem der Altbauten eine Kita mit Hort mit 160 Plätzen. Auch Fachräume der Schule sowie die Schulmensa sollen in eines der alten Kasernengebäude einziehen. „Die Kosten für den Campus liegen bei rund 30 Millionen Euro“, sagt Sandra Jacob vom Entwicklungsträger Potsdam.

Bert Nicke vom Entwicklungsträger Potsdam
Bert Nicke vom Entwicklungsträger PotsdamFoto: Andreas Klaer

Deutsche Wohnen plant 400 Wohnungen in Altbauten

Die Turnhalle der zweigeschossigen Grundschule wird sich im Untergeschoss des Gebäudes befinden; dies war nötig, um die Höhe der Bestandsbauten nicht zu übersteigen. Für nachhaltige Bauweise erhält das Projekt vier Millionen Euro Förderung, so sollen unter anderem Holzbetonverbunddecken und Holzrahmen an der Fassade eingesetzt werden. Auf dem Dach wird Photovoltaik sowie Solarthermie installiert, überschüssige Wärme soll in einen Erdspeicher geleitet werden.

Auch in den historischen Klinkerhöfen laufen die Bauarbeiten: Derzeit werden hier Schadstoffsanierungen durchgeführt, Dächer umgebaut und Wände entfernt, um moderne Wohnungsgrundrisse zu ermöglichen. „Die Pläne entsprechen unserer Vision von Krampnitz als urbanem, modernem und sozial durchmischtem Quartier“, so Rubelt. Mitte des Jahres soll der Rohbau für die Wohnhäuser beginnen, die ersten vier Gebäude mit 400 Wohnungen sollen im Sommer 2024 bezugsfertig sein; dann könnten die ersten 1000 Menschen in Krampnitz einziehen. Der Investor, die Deutsche Wohnen, will dann zwischen den sanierten Altbauten 170 bis 200 preisgünstige Neubauwohnungen errichten.

Bau der Tram erst Ende des Jahrzehnts

Weniger schnell wird es bei der Tramtrasse vorangehen: „Hier werden wir vermutlich erst Ende der 2020er Jahre mit dem Bau beginnen könnten“, sagte Schubert. Wie berichtet gibt es mehrere Klagedrohungen gegen die Tramplanungen, zudem muss die Stadt noch diverse Privatgrundstücke ankaufen. Schubert verwies darauf, dass bei einem Projekt dieser Größe zeitliche Verzögerungen kaum zu vermeiden seien: „Krampnitz ist eine der größten Stadtentwicklungsmaßnahmen in Deutschland, da braucht man einen langen Atem.“ Im vergangenen Jahr hatten die Stadtverordneten ein 100 Millionen Euro schweres Investitionspaket für die Entwicklung des 140 Hektar großen Areals bewilligt.

Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos)
Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt (parteilos)Foto: Ottmar Winter PNN

Die oberirdischen Abbrucharbeiten sollen im Sommer dieses Jahres beendet sein: Auf dem ehemaligen Militärgelände befanden sich früher etliche Fahrzeughallen, Werkstätten oder Tankstellen, von ihnen zeugen nun nur noch Schuttberge. Über 50 Gebäude wurden zurückgebaut und zahlreiche versiegelte Flächen aufgebrochen. Im sogenannten Technikbereich im Krampnitzer Westen wurden mehr als 55 000 Tonnen Material geborgen und entsorgt. 

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Bei den Arbeiten wurden etliche Kampfmittel gefunden, darunter auch scharfe Munition. Es gab aber auch erfreulichere Funde: Archäologische Untersuchungen förderten unter anderem Silberfibeln und 2000 Jahre alte Tassen zu Tage, einige bemalte Tonscherben waren sogar mehr als 5000 Jahre alt.

Neue Wohnungen auch für Fledermäuse

Damit ist der Boden nun bereit für die nächsten Arbeiten: „Mit dem Bau von rund sechs Kilometern Straße haben wir angefangen, dieses Jahr geht es mit den nächsten Bauabschnitten weiter“, sagte Bert Nicke vom Entwicklungsträger Potsdam. „Zurzeit wird verlegt, was unter die Straße gehört: Trink-, Regen- und Schmutzwasser.“ Er gehe davon aus, dass die ersten Verkehrsanlagen Ende 2023 fertiggestellt sein werden.

Im Rahmen der Sanierung der Altbauten wurden in den Dachstühlen zahlreiche geschützte Fledermäuse entdeckt; insgesamt zwölf verschiedene Arten wurden festgestellt. Für sie sollen künftig Ausweichquartiere geschaffen werden, um sie nicht zu vertreiben. Eines davon ist ein altes Pumpenhaus. 30 bis 50 Tiere sollen dort Platz haben. Ein weiterer Ausweichort wird schließlich das Dach der künftigen Grundschule sein.

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