• Neuer Campus in Glindow, Integrationskita eröffnet: Hoffbauer-Stiftung im Wachstumsschub

Neuer Campus in Glindow, Integrationskita eröffnet : Hoffbauer-Stiftung im Wachstumsschub

Zum 120. Jubiläum der Stiftung geben die PNN einen Überblick über die ambitionierten Expansionspläne des Sozial- und Bildungsträgers in und um Potsdam.

Im Werderaner Ortsteil Glindow soll auf einer 5,3 Hektar großen Fläche ein Bildungscampus entstehen.
Im Werderaner Ortsteil Glindow soll auf einer 5,3 Hektar großen Fläche ein Bildungscampus entstehen.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - 120 Jahre Hoffbauer-Stiftung: Im Jahr 1901 gründete Clara Hoffbauer die evangelische Stiftung auf der Insel Hermannswerder, um mit christlich geprägter Bildungs- und Erziehungsarbeit auf die sozialen Auswirkungen der Industrialisierung zu reagieren. Für die Stiftung ein Grund zum Feiern, für die PNN ein Anlass, die zahlreichen Projekte zu beleuchten, mit denen der Träger derzeit in Potsdam und Umgebung expandiert. 

Mit mehr als 1200 Mitarbeiter:innen, 38 Bildungseinrichtungen (davon 29 in Potsdam) und einem Jahresumsatz von rund 120 Millionen Euro ist die Stiftung schon jetzt einer der größten Sozial- und Bildungsträger der Landeshauptstadt und der größte Ausbildungsbetrieb für Pflegekräfte im Land Brandenburg.

Neun Kitas, fünf Schulen und eine Hochschule

„Es gibt Wachstum an vielen Stellen“, sagt Frank Hohn, Vorstandsvorsitzender der Hoffbauer-Stiftung. Eines der jüngsten Projekte ist die Integrationskita auf Hermannswerder, die Anfang der Woche eröffnet wurde und Platz für 126 Kinder ab dem ersten Geburtstag bietet. 14 Plätze sind für „Kinder mit besonderen Bedarfen“ reserviert, also zum Beispiel für Kinder mit Behinderung. Rund zweieinhalb Jahre wurde gebaut, die Kosten lagen bei 5,6 Millionen Euro. 

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Das Profil der Kita kommt gut an: „Die Nachfrage ist ausgesprochen hoch, der Inklusionsaspekt ist für alle Eltern interessant, unter anderem, weil es mehr Platz in der Kita gibt“, sagt Hohn. Auch die unmittelbare Nähe der Kita zu den Ausbildungsbetrieben der Hoffbauer-Stiftung sei ein Vorteil.

Insgesamt betreibt die Stiftung damit neun Kitas, fünf Schulen und eine Hochschule in Potsdam. Auch in Potsdam-Mittelmark will der Träger sich vergrößern: Am südlichen Ortsrand von Glindow entsteht auf einer 5,3 Hektar großen Fläche ein Bildungscampus, bestehend aus einer Kita, einer Grundschule, einer Gesamtschule für 450 Schüler:innen und einer Turnhalle. Der Keller der Grundschule ist bereits fertig, der Rohbau schon sichtbar. „Wir wollen die Grundschule im Sommer 2022 eröffnen“, sagt Hohn.

Frank Hohn.
Frank Hohn.Foto: Ottmar Winter

2026 soll der Campus in Mittelmark fertig sein

Die Gesamtschule könnte 2023 zweizügig öffnen, zunächst im Gebäude der Grundschule. 2025 soll sie dann in ein eigenes Haus umziehen, 2026 soll der gesamte Campus fertig sein. 52 Millionen Euro kostet das Vorhaben, die Stadt Werder (Havel) unterstützt das Projekt mit 5,5 Millionen Euro, der Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 15 Millionen Euro.

Weniger rund läuft es bei der geplanten Pflegeschule, die auf Hermannswerder entstehen soll: Für das 16 Millionen Euro teure Projekt sucht die Stiftung noch immer nach Fördermitteln. „Ich bin ziemlich frustriert“, sagt Hohn. „Alle Inaussichtstellungen des Landes sind bislang nicht finanziell abgesichert.“

Die Pflegeschule ist eine Reaktion auf das Pflegeberufegesetz, das seit Januar bundesweit gilt: Es führt die bislang getrennten Ausbildungsgänge für Kranken- und Altenpflege zusammen, Auszubildende können mit einem generalistischen Abschluss künftig in beiden Berufen arbeiten. 

Bislang sind die Auszubildenden auf drei Standorte in der Region verteilt, zusammen mit dem Bergmann-Klinikum und dem Evangelischen Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin will die Hoffbauer-Stiftung die neue Pflegeschule als Mehrheitseigner betreiben. Derzeit haben die drei Standorte zusammen rund 700 Auszubildende, mit der Pflegeschule könnten es 200 bis 300 mehr sein, so Hohn.

„Wir brauchen diese Schule“, sagt Hohn. 2023 sollte die Pflegeschule eigentlich öffnen, derzeit will er aber kein konkretes Datum nennen. Er ist jedoch zuversichtlich, dass das Land das Projekt fördern wird.

Gegen das Vorhaben hatte es auch Protest von Anwohner:innen gegeben, die befürchteten, dass die Stiftung im Naturschutzgebiet auf der Südspitze von Hermannswerder bauen will. „Die Protestierenden waren leider nicht richtig informiert“, sagt Hohn. Von dem ursprünglichen Standort ist die Stiftung längst abgerückt, die dreigeschossige Pflegeschule soll auf einer Freifläche zwischen dem Hospiz und der Evangelischen Gymnasium entstehen, wo sich in der Vergangenheit schon einmal ein Schulgebäude befand.

Umbau des Altenpflegeheims beginnt im September

An anderer Stelle steht der Baustart schon fest: Im Laufe des Septembers beginnen Sanierung und Umbau des Altenpflegeheims auf Hermannswerder. Das Gebäude, in dem derzeit 80 Menschen leben, wurde zuletzt vor 25 Jahren saniert und wird zudem so umgebaut, dass alle Bewohner:innen Einzelzimmer erhalten. „Das ganze wird im laufenden Betrieb passieren, das wird eine echte Herausforderung“, sagt Hohn. Insgesamt kostet die Maßnahme 10 Millionen Euro.

Die Expansion der Hoffbauer Stiftung führt zu mehr Verkehr auf Hermannswerder, weshalb der Träger schon seit Längerem mit der Stadtverwaltung über ein neues Verkehrskonzept für die Insel diskutiert: „Alle Beteiligten wissen: Weiteres Wachstum geht nur, wenn wir den Individualverkehr kontingentieren würden“, sagt Hohn. Er plädiert dafür, die alte Seilfähre zwischen Hermannswerder und Potsdam-West durch eine Brücke zu ersetzen. „Das würde die Verkehrsströme sehr verändern, vor allem für Radfahrer.“ Eine Alternative wäre eine neue Fähre, die die alte, störanfällige Fähre ersetzen könnte.

Die Hoffbauer-Stiftung hat noch viele Pläne für die Zukunft: „Wir werden weiter wachsen“, sagt Hohn. „Es gibt weitere Projekte, über die wir mit verschiedenen Kommunen im Gespräch sind.“ Man wolle sich dabei aber nicht nur physisch erweitern, sondern sich auch inhaltlich und qualitativ weiterentwickeln: „Wir müssen gut sein und wir wollen gut sein“, sagt Hohn. 

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