• Stadt Potsdam will ein neues Fußgängerkonzept

Neue Wege aufzeigen : Stadt Potsdam will ein neues Fußgängerkonzept

Für ein neues Fußgängerkonzept prüft die Stadt nun 300 Kilometer Fußwege. Baudezernent Bernd Rubelt sieht viele Mängel in der Innenstadt - und will womöglich den Platz der Einheit umbauen.

Unbefriedigend sei die Situation am und um den Platz der Einheit, sagte Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt.
Unbefriedigend sei die Situation am und um den Platz der Einheit, sagte Potsdams Baudezernent Bernd Rubelt.Foto: O. Winter

Potsdam - Ein schöner Bummel durch die Altstadt ist ein beliebter Zeitvertreib, nicht nur bei Touristen. Doch um Potsdams Flaniermeile Brandenburger Straße zu erreichen, müssen Ortsunkundige diverse Hürden überwinden. Wer etwa vom Hauptbahnhof zu Fuß in die Innenstadt will, sieht sich in der neuen Potsdamer Mitte erst einmal mit einer riesigen Brache konfrontiert, der Weg in die City ist unübersichtlich und nicht eindeutig.

Mit einem neuen Fußgängerkonzept will Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) das wie berichtet ändern und buchstäblich neue Wege aufzeigen – und zwar nicht nur in der Potsdamer Mitte, sondern in der gesamten Stadt. Die Ausschreibung sei beendet, im Sommer soll die Bestandsaufnahme beginnen, kündigte Rubelt auf PNN-Anfrage an.

Ziel: Attraktive Verbindungen schaffen

Insgesamt sollen rund 300 Kilometer Fußwege unter die Lupe genommen werden, die, ähnlich wie beim Radverkehrskonzept, in Haupt- und Nebenrouten eingeteilt werden. Ziel sei nicht nur eine Verbesserung des Zustands der Fußwege, sondern auch die Schaffung attraktiverer Wegeverbindungen, erklärte Rubelt. Zudem soll die Stadt möglichst barrierefrei werden.

Um das zu erreichen, setzt die Stadt auf eine breite Bürgerbeteiligung. Geplant sei ein Workshop, in dessen Rahmen Stadtspaziergänge stattfinden sollen. „Wir können am besten über Fußwege reden, wenn wir sie abschreiten“, sagte der Baubeigeordnete.

Unbefriedigende Situation am Platz der Einheit

Den nahezu größten Handlungsbedarf sieht Rubelt in der Innenstadt und in der Potsdamer Mitte. Besonders unbefriedigend sei die Situation rund um den Platz der Einheit. Für die Straße Am Kanal gebe es keine fußgängerfreundliche oder gar logische Querung, kritisierte Rubelt.

Komplette Umgestaltung des Platzes der Einheit denkbar

Wenn das neue Karree rund um das Bildungsforum fertig sei und es zwischen diesem sogenannten Block IV und dem Staudenhof eine neue Straße gebe, werde die Situation dort sogar noch unübersichtlicher. Nötig sei dann eine neue Wegeführung für Fußgänger Richtung Altstadt. Dafür sei auch eine komplette Umgestaltung des Platzes der Einheit mit seinem Wegekreuz denkbar, sagte Rubelt.

Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt.
Potsdams Baubeigeordneter Bernd Rubelt.Foto: Sebastian Gabsch

Ebenfalls stark verbesserungswürdig ist laut Rubelt auch die Wegeverbindung zwischen dem Luisenplatz, der Brandenburger Straße und der Plantage hinter dem künftigen Turm der Garnisonkirche. An der Dortu-/Ecke Yorckstraße entstehe mit der in Umgestaltung befindlichen Plantage eine „neue Achse“, die gut ins Wegenetz eingebunden werden müsse, sagte der Baudezernent.

Auch in der barocken Altstadt sieht Rubelt Defizite. Deren Behebung dürfte allerdings für Konfliktstoff sorgen, denn es geht dabei um das historische Pflaster. Wegen der teils „gebisslockernden“ Steine wichen Radfahrer häufig auf die Gehwege aus, was wiederum zu einer Gefahr für die Fußgänger werde.

Auch für Radfahrer

Daher müsse man darüber nachdenken, das „sehr grobe Pflaster“, etwa in der Jäger-, Dortu-, Gutenberg- oder Lindenstraße zumindest in Teilen durch einen „von der Oberfläche her angepassten Belag“ zu ersetzen, um auch Radfahrern das Durchqueren der Innenstadt zu erleichtern, so Rubelt.

Im zweiten Quartal 2020 soll das Fußgängerkonzept fertig sein. Es soll auch eine Prioritätenliste enthalten, in welcher Reihenfolge Wege und Plätze erneuert oder umgestaltet werden sollen. Auch eine zumindest grobe Kostenschätzung soll es dann geben. Eins dürfte bereits feststehen: Um alles umzusetzen, werden große Investitionen nötig sein.