• Müllentsorgung: In Potsdam ist der "Presshai" weiter aktiv und beliebt

Müllentsorgung : In Potsdam ist der "Presshai" weiter aktiv und beliebt

In Potsdam stehen 21 teure Solar-Mülleimer. Anderswo machen sie Probleme. Doch die Step ist zufrieden mit dem sogenannten "Presshai".

Viel Platz. In den Solar-Presshai passt überdurchschnittlich viel Müll.
Viel Platz. In den Solar-Presshai passt überdurchschnittlich viel Müll.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Beim Kampf gegen Schmuddelecken und Müll auf Potsdams Straßen setzen Rathaus und Verkehrsbetrieb (ViP) auf einen teuren und besonders designten Solar-Mülleimer, den sogenannten Solar-Presshai. Allerdings machen die Presshaie anderswo in Deutschland gerade im Winter Probleme und sollen daher möglicherweise wieder abgeschafft werden. In Potsdam hingegen ist man mit ihnen zufrieden. Inzwischen sind hier 21 Solar-Presshaie aufgestellt worden – acht vom Rathaus, 13 vom ViP. Das bestätigte die Bauverwaltung jetzt auf Anfrage der Fraktion Die Andere. Der Stückpreis für die Stadt: 11 670 Euro. Gesamtkosten: mehr als 240 000 Euro.

Anschaffung in der Kritik

Die Anschaffung der Super-Mülleimer der Anta Swiss AG aus der Schweiz sorgte bereits 2017 für Kopfschütteln. Da hatte der Bund der Steuerzahler den Einsatz der Tonnen kritisiert, die die Stadt 2016 in den Testbetrieb geschickt hat. Der Vorteil sei deren großes Fassungsvermögen, hieß es damals von der Stadtverwaltung – die Tonne kann mit der Kraft der Sonne den Müll zusammenpressen: So soll mehr hineinpassen, gerade an Plätzen, wo viel Müll anfällt. Mit dieser Voraussicht wurden auch andere Abfallbehälter in der Nähe abgebaut, erklärte das Rathaus in der Antwort an Die Andere.

Das könnte sich noch als Bumerang erweisen. Denn laut einem aktuellen Bericht der „Kölnischen Rundschau“ will die Verwaltung der Rheinmetropole den Presshai wieder loswerden – dort waren elf Stück angeschafft worden. Das Problem laut dem Bericht: Gerade in sonnenarmen Zeiten, also im Winter, versagt das System zu oft. Dann presse der Presshai den Müll nicht zusammen, was das Fassungsvermögen vermindere.

Auf PNN-Anfrage teilte eine Sprecherin der Stadt Köln am Montag mit, dass die Akkus des Abfallhais mindestens eine Stunde Sonne täglich brauchen: „Das ist in den Wintermonaten nicht immer gegeben.“ Allerdings hätten die Abfallhaie gleichwohl den Vorteil, an sich ein größeres Fassungsvermögen zu besitzen. Zu den Erfahrungen mit dem System bereite man einen Bericht für den zuständigen Fachausschuss der Kölner Stadtpolitik vor. Ob man die Presshaie ausmustern wolle, wie es in dem Zeitungsbericht hieß, ließ die Sprecherin der Stadt Köln offen. Der Steuerzahlerbund hatte voriges Jahr bereits gewarnt, zur Störanfälligkeit des Presshais lägen keine Erfahrungen vor. Ein normaler Mülleimer sei hingegen schon ab 300 Euro zu haben.

Lob von der Step

Die für die Müllabfuhr zuständige Stadtentsorgung Potsdam (Step) hingegen lobt die Technik: Helligkeit reiche für die Potsdamer Modelle aus, um die Akkus aufzuladen. „Die Akkus sorgen dafür, dass die Geräte auch abends funktionieren“, sagte ein Sprecher des Stadtwerke-Tochterunternehmens. Sollten die Akkus „gelegentlich“ doch gewechselt werden müssen, weil sie nicht ausreichend geladen sind, würde das vor Ort „nicht lange dauern“.

Die Erfahrungen seien aber generell gut, so der Step-Sprecher. So würden die Vandalismus-Schäden nahezu gegen Null tendieren: „Das zeigt auch, dass diese Behälter eine hohe Eignung für ihren Zweck besitzen und offenbar auch beliebt sind.“ Zudem sende das Gerät, wenn der maximale Füllstand erreicht ist, automatisch ein Signal an die Step-Zentrale. Dadurch sei eine „bedarfsgerechte Entleerung möglich“, was Zeit spare und eine bessere Tourenplanung möglich mache. Auch die flexible Standortwahl würde die höheren Anschaffungskosten aufwiegen – zumal normale Müllbehälter häufiger geleert werden müssten, weil dort der Abfall eben nicht zusammengedrückt werde.

In Sachen Müllentsorgung hatte die Stadt zuletzt kein glückliches Händchen: Gleich mehrere unterirdische Glascontainer der Stadt mussten 2017 abgebaut werden, weil sie durch Regenwasser komplett durchgerostet waren. Zudem mussten diese Behälter viermal pro Jahr mit teurer Spezialtechnik gereinigt werden – auch der Wegfall dieser Kosten war als Argument für den Presshai genannt worden.

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