• Streit um Straßennamen in Potsdam: Mitteschön warnt vor Umbenennung

Mitteschön warnt vor Umbenennung : Streit um Straßennamen in Potsdam

Die Initiative Mitteschön fordert: Keine Umbennung historischer Straßennamen am Alten Markt. Am Donnerstag soll der Kulturausschuss entscheiden.

Die alte Kaiserstraße auf dem Gelände der ehemaligen Fachhochschule erhält einen neuen Namen.
Die alte Kaiserstraße auf dem Gelände der ehemaligen Fachhochschule erhält einen neuen Namen.Foto: PNN / Ottmar Winter

Potsdam - Wegen geplanten Straßennamen in der neu entstehenden Potsdamer Mitte schlägt die Bürgerinitiative Mitteschön jetzt Alarm. Anlass ist die heutige Sitzung des Kulturausschusses, in der laut Mitteschön über die Umbenennung der Schloß-, Schwertfeger- und Kaiserstraße entschieden werden könnte. Doch dazu sieht Mitteschön-Sprecherin Barbara Kuster keinen Anlass: Diese Straßennamen würden „untrennbar zum Gedächtnis der Stadt“ gehören, wie die Wilhelmstraße und Unter den Linden zu Berlin oder die Prager Straße zu Dresden. Das teilte Mitteschön am Mittwoch mit, auch von einem „Bildersturm“ gegen „jegliche Tradition“ war darin die Rede. Ferner seien die historischen Straßennamen mit Hausnummern auch bei der Vergabe der Grundstücke an Investoren verwendet worden. „Eine nachträgliche Änderung könnte also zu vergaberechtlichen Problemen führen“, so Kuster.

Schon seit Monaten wird debattiert

Anlass ist eine Diskussion, die im Kulturausschuss schon seit Monaten geführt wird. So hatte der Regionalhistoriker und Straßennamenexperte Klaus Arlt bereits im Februar vorgeschlagen, aus der Kaiserstraße – deren Name auf einen Bäcker Kayser zurückgehen soll und die zwischendurch auch lange Jahre Hüttengasse hieß – eine Nikolaistraße zu machen.

Diese Umbenennung wurde aber abgelehnt, weil die Abstimmung ein Stimmenpatt brachte. Daraufhin schlugen die Linken für die Straße den Namen Staudenhof vor, um auf die DDR-Historie des Bereichs aufmerksam zu machen. Im März dann folgten die Grünen mit der Idee, die Kaiserstraße nach einer Frau zu benennen – aus Anlass von 100 Jahren Frauenwahlrecht, wie es hieß.

Die nächste Stadtverordnetenversammlung sollte entscheiden

Im Mai wurde beides erneut debattiert, ohne eine Lösung zu finden – jetzt hat das Thema die neu gewählte und nach links gerückte Stadtverordnetenversammlung auf dem Tisch. Und so wurde auch bei der ersten Kulturausschusssitzung Anfang September diskutiert – dort stellte man zudem fest, dass man auch die Benennung der Schloß- und der Schwertfegerstraße noch offiziell beschließen muss. 

Als weiterer Vorschlag kam von der Fraktion Die Andere der Name Anna-Flügge-Straße ins Spiel, in Erinnerung an eine der ersten weiblichen SPD-Stadtverordneten, die von 1929 bis 1933 im Kommunalparlament saß. Zudem einigte man sich darauf, dass in der heutigen Sitzung eine Entscheidung fallen sollen – schließlich benötigten die Bauherren der neuen Potsdamer Mitte endlich feste Adressen. Mitteschön-Sprecherin Kuster hingegen sagte: „Es besteht keine Not, jetzt schon zu entscheiden, denn die Stadtviertel stehen doch noch nicht.“ Und mindestens jedes Geschäft und auch jeder Anwohner werde „sich glücklich schätzen, eine Adresse wie Kaiser- oder Schloßstraße zu haben“. 


* In einer ersten Version hieß es, die Kaiserstraße habe einst den Name Hüttenweg getragen - stattdessen lautete der Name Hüttengasse. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.