• Mindestens zehn Großanlagen fehlen: Neue Sportplätze sind in Potsdam nicht in Sicht

Mindestens zehn Großanlagen fehlen : Neue Sportplätze sind in Potsdam nicht in Sicht

Gleich eine Reihe von Neubau-Plänen für Sportanlagen sind gescheitert - auch am Widerstand von Anwohner:innen. Die Suche nach Alternativen stockt.

Option? Am Rand der Waldstadt befindet sich jetzt eine Kompostieranlage.
Option? Am Rand der Waldstadt befindet sich jetzt eine Kompostieranlage.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Potsdam wird in den nächsten Jahren keine neuen Sportplätze bauen – und das, obwohl nach wie vor zehn Großspielfelder in der Landeshauptstadt fehlen. So sind beispielsweise Sportanlagen am Kuhfortdamm in Golm und auf dem ehemaligen Schießplatz in Groß Glienicke geplant, die Bebauungspläne dafür befinden sich aber jeweils noch in Aufstellung, wie die Stadt auf PNN-Anfrage informierte. Ähnlich unkonkret sind die Pläne zur Regenbogenschule Fahrland, wo die „Erweiterung der Sportanlagen geprüft“ werde, oder die Sportanlagen für Krampnitz, für deren Bau es noch keinen Zeitplan gibt.

Dazu kommt: Zwei Standorte, die als Ausgleich für das gescheiterte Sportplatz-Vorhaben am Lerchensteig dienen sollen, haben geringe bis unklare Erfolgsaussichten. Das sind der Remisenpark, der sich im nördlichen Teil des Volksparks befindet, und die Deponie Habichtweg in Bornstedt, eine Brache zwischen Habichtweg und Kirschallee. Beide werden derzeit geprüft.

Anwohner:innen im Bornstedter Feld drohten mit Klagen

Im Remisenpark könnten laut der Stadt bis zu zwei wettkampftaugliche Kunst- und Rasenplätze entstehen, die Fläche ist als öffentliche Parkanlage mit Ausgleichsmaßnahmen festgelegt und gehört zum Bebauungsplan 81 „Park im Bornstedter Feld“. Für das Vorhaben wäre eine Änderung des B-Plans notwendig, allerdings gibt es seit Jahren Widerstand gegen die Pläne durch die Interessengemeinschaft Bornstedter Feld, Anwohner:innen hatten mit Klagen gedroht.

Bei der ehemaligen Deponie am Habichtweg ist unklar, ob sich der Boden für einen Sportplatz eignet oder ob er mit Schadstoffen belastet ist. Bislang geht die Stadt davon aus, dass sich am Standort hauptsächlich Schutt im Boden befindet. Klarheit soll ein Gutachten bringen, dessen Ergebnis im Laufe des Jahres erwartet wird. Sollte die Prüfung positiv ausfallen, müsste das Grundstück jedoch zunächst von der Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (Gesa) erworben werden, der die Fläche gehört.

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Beide Standorte sollen im Rahmen eines offenen Werkstattverfahrens mit öffentlicher Beteiligung geprüft, bewertet und gegeneinander abgewogen werden. Zuvor will die Stadt eine vergleichende Machbarkeitsstudie für Remisenpark und Deponie Habichtweg erstellen. Allerdings: „Aufgrund von Personalengpässen im Rahmen der pandemiebedingten Aufgaben der Verwaltung konnte die Vorbereitung nicht abgeschlossen und daher die Machbarkeitsstudie noch nicht ausgelöst werden“, heißt es in der Vorlage zur Aufhebung des Beschlusses „Sportplatz am Lerchensteig realisieren“, die der Stadtverordnetenversammlung am 1. Juni vorgelegt werden soll.

Ein alternativer Standort wäre die Kulturbodendeponie an der Wetzlarer Bahn in Waldstadt. Derzeit befindet sich hier eine private Kompostieranlage. „Auch dieser Standort ist nicht einfach“, sagt Linken-Fraktionschef Stefan Wollenberg, es gebe Kritik aufgrund umweltrechtlicher Bedenken. Laut Stadt befindet sich der B-Plan dafür derzeit in Aufstellung: „Er sieht neben einem Grundschulstandort auch als Planungsziel die Schaffung von Baurecht für ergänzende Sportanlagen vor. Derzeit findet die verkehrstechnische Untersuchung statt“, so Stadtsprecherin Christine Homann. Wollenberg gibt sich zumindest bei der Deponie Habichtweg optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass es klappt. Allerdings nicht als Ersatz, sondern zusätzlich zum Remisenpark.“ Letzteren Standort hält auch er aufgrund des lokalen Widerstandes für weniger wahrscheinlich.

Vereine können keine neuen Mitglieder aufnehmen

Vor allem im wachsenden Potsdamer Norden sind die Bedingungen für den organisierten Vereinssport unzureichend, insbesondere für den Fußball. „Die bestehende Sportanlage in der Kirschallee wird für den Schul-, Vereins- und Freizeitsport genutzt und ist völlig überlastet“, heißt es in der besagten Vorlage. Die Vereine können keine neuen Mitglieder aufnehmen, da Sportanlagen fehlen: „Der Sportverein Potsdamer Kickers e.V. (über 400 Mitglieder) musste 2018 erstmalig einen Aufnahmestopp für neue Mitgliedschaften verhängen.“

Zwei mögliche Standorte für neue Sportplätze waren in jüngerer Vergangenheit gescheitert: Am Schulcampus Waldstadt hatte die Stadt mehrere neue Sportplätze in einem Kiefernwald geplant, dies jedoch aufgrund von Anwohner:innen-Protesten wieder verworfen. Das Klagerisiko durch Umweltschützer habe sich als zu groß erwiesen, hieß es in der Begründung. Auch die Planungen für einen Sportplatz am Lerchensteig wurden 2019 zu den Akten gelegt: Grund waren neben den hohen Kosten für die Erschließung auch naturschutzrechtliche Bedenken sowie die schlechte Erreichbarkeit des Ortes für Kinder und Jugendliche.

Zumindest stehen die für den Lerchensteig geplanten Mittel von 554.000 Euro nun dem maroden Sportplatz Kirchsteigfeld zur Verfügung, dessen Sanierung wie berichtet teurer ausgefallen war, als ursprünglich gedacht. Hauptnutzer des Platzes sind die Steuben-Gesamtschule mit 559 Schüler:innen sowie der Football-Verein Potsdam Royals mit 237 Mitgliedern und der Fußballverein Juventas Crew Alpha mit 224 Mitgliedern. Auch der Jugendclub Offline und der SC Potsdam nutzen die Anlage.

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