• Potsdamer Taxi-Fahrer kritisieren das Verkehrskonzept der Stadt

Mangelnde Wertschätzung : Taxi-Fahrer kritisieren das Verkehrskonzept der Stadt

Vor allem die Baustelle am Leipziger Dreieck bereitet den Taxi-Fahrern derzeit große Probleme. Sie sagen: „Wir sind der Stadt einfach nicht wichtig.“

Nadelöhr. An der Ampel auf der Friedrich-Engels-Straße am Hauptbahnhof steht man zum Teil lange.
Nadelöhr. An der Ampel auf der Friedrich-Engels-Straße am Hauptbahnhof steht man zum Teil lange.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Rückstau bis nach Babelsberg und zu kurze Ampelphasen: Potsdams Taxifahrer sind verärgert, unter anderem wegen der inzwischen begonnenen Umbauarbeiten am Leipziger Dreieck. Zwei von ihnen haben einen Brandbrief an Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) geschrieben, in dem sie auch die mangelnde Wertschätzung der Stadt gegenüber ihrer Zunft kritisieren. „Wir Taxifahrer sind der Stadt einfach nicht wichtig“, sagt Silvio Boldt. Der 32-jährige Potsdamer fährt bereits seit sieben Jahren Taxi, inzwischen ist er selbstständig und beschäftigt einen Angestellten.

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD).
Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD).Foto: Sebastian Gabsch/PNN

Taxifahrer gelten als Teil des ÖPNV, diese Rechte fordere man nun ein. Konkret bezieht sich Boldt zum Beispiel auf die Nutzung von Busspuren – längst nicht überall in Potsdam ist es Taxifahrern erlaubt, dort zu fahren. Dabei wäre das gerade am Leipziger Dreieck derzeit eine große Hilfe: 40 Minuten habe er nach Beginn der Bauarbeiten mit Fahrgästen vom Babelsberger Lutherplatz zum Hauptbahnhof gebraucht – eine Strecke die ohne Stau keine zehn Minuten dauert. Dürften die Taxifahrer die Busspur zwischen Schlaatzweg und Leipziger Dreieck nutzen, wären sie schneller. Allerdings fehlt dort das „Taxi frei“-Schild, das laut Boldt eigentlich bereits im Frühjahr von der Stadt zugesagt worden war. Für ihn ein Unding, weil solche eklatant verlängerten Fahrzeiten den Ruf der Branche schädigten.

Viele trauten sich nicht, Kritik zu äußern

„So können wir unsere Arbeit nicht richtig machen“, sagt auch Dirk Schütze, der bereits seit 31 Jahren Taxifahrer in Potsdam ist. Auch der 62-Jährige ist selbstständig und steht regelmäßig mit seinem Taxi am Bahnhof und hört von seinen Kollegen oft Beschwerden. Viele hätten aber nicht den Mut, Kritik auch offen auszusprechen, sagt Schütze. „Dabei bekommen wir ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen“, sagt er. Dass die Ampelphase am Leipziger Dreieck kaum mehr als fünf Autos durchfahren lasse, kann er in der Zeit der Baustelle nicht nachvollziehen. „Teilweise steht man dort bis zu fünf Ampelphasen lang“, sagt der 62-Jährige – und währenddessen tickt das Taxameter für die Fahrgäste, deren Unwillen die Taxifahrer zu spüren bekommen. Auch der Verkehrsbetrieb hatte Ende letzter Woche gemeldet, dass durch die begonnenen Bauarbeiten am Leipziger Dreieck Busse teils erheblich Verspätung hätten. Bis zu 25 Minuten seien möglich, hieß es.

Laut Angaben der Stadt beträgt die Grünphase an der Friedrich-Engels-Straße derzeit zwölf Sekunden, so eine Stadtsprecherin auf PNN-Anfrage. Vor den Bauarbeiten sei die Grünphase – je nachdem für welche Spur – zeitlich versetzt zwischen neun und 16 Sekunden lang gewesen. Nun sieht die Stadt aber nicht die kurze Grünphase als das Problem, sondern die wegfallenden Spuren – statt vier gibt es nun nur noch eine Spur. Die Grünphasen zu erhöhen, wie es sich die Taxifahrer wünschen, sei nicht möglich, auch weil man neben dem Straßenverkehr Rücksicht auf Fußgänger nehmen müsse. „Die Grünzeit kann gar nicht soweit erhöht werden, dass eine annähernd leistungsfähige Abwicklung der Friedrich-Engels-Straße möglich wäre.“ Die Stadt rät sogar dazu, die Straße mit dem Auto oder Taxi einfach komplett zu meiden. „Wir können nur auf die Alternativen wie ÖPNV und Rad sowie andere Routen hinweisen“, heißt es in der Antwort. Immerhin: Die Busspur zwischen Schlaatzweg und Leipziger Dreieck sei bis auf Restarbeiten fertiggestellt. Ab dem heutigen Dienstagabend soll sie dann laut Angaben der Stadt zumindest teilweise von Taxis befahren werden können.

Taxifahrer Boldt: "Wir fühlen uns nicht gehört"

Weitere Probleme sehen die beiden Taxifahrer auf der Zeppelinstraße. Auch dort dürfen sie die Busspur nicht benutzen, was schnellere Fahrtzeiten ermöglichen würde. Nur auf sehr wenigen Busspuren in Potsdam sei eine Freigabe für Taxis überhaupt möglich, so die Stadtsprecherin. Würden sich Busspuren wie auf der Zeppelinstraße im Raum der Tram-Schienen befinden, sei eine Nutzung durch Taxis aus Sicherheitsgründen nicht möglich, so die Begründung. Fahrer Boldt sieht das vollkommen anders. In Nürnberg beispielsweise würden entsprechende Ausnahmeregelungen gelten, in Potsdam scheiterten sie am Willen der Straßenverkehrsbehörde. „Von denen fühlen wir uns nicht gehört“, sagt Boldt.

Anders sieht das Ralf Günther, Vorstandsmitglied des Potsdamer Taxiverbandes. Der Verband befinde sich in einem guten Dialog mit der Stadt, sagt Günther auf Anfrage. „Auch wenn die Dinge manchmal langsam laufen“, wie er zugibt. Ihm sei aber eine sachliche Kommunikation mit der Stadt wichtig, betonte Günther. Er bestätigt die Zusage eines „Taxi-frei“-Schildes für einen Teil der Busspur zwischen Schlaatzweg und Leipziger Dreieck. „Dass die Kollegen nun darauf warten müssen, ist natürlich nicht schön.“ Dennoch müsse man der Stadt auch Zeit für die Umsetzung der Maßnahme geben, so Günthers Meinung.

Wohl viele Austritte aus der Taxi-Zentrale

Von ihm fühlen sich Boldt und Schütze nicht vertreten. Der Taxiverband habe schlicht zu wenig Durchsetzungsvermögen, kritisiert Schütze. Die Vertreter des Verbandes betreiben auch die Taxizentrale, an die die meisten Taxis in Potsdam „angeschlossen“ sind. Viele Kollegen seien aber inzwischen aus der Zentrale ausgetreten, sagt Schütze. Auch deshalb, weil sie Günther und seinen Kollegen mangelnde Erfahrung unterstellen.

Boldt und Schütze kritisieren das gesamte Verkehrskonzept der Stadt. Für Taxifahrer sei es „grausam und geschäftsschädigend“, heißt es in dem Brief an Schubert, der den PNN vorliegt. Potsdam sei eine Touristenstadt. Wenn diese schon fragen würden, was denn für eine Verkehrsplanung existiere, dann „fällt mir auch nichts mehr ein“, schreibt Boldt.