• Lob von der Bundesfamilienministerin: Potsdams erster offener Schulhof

Lob von der Bundesfamilienministerin : Potsdams erster offener Schulhof

Die Spielgeräte auf dem Hof der Grundschule am Kirchsteigfeld können auch nach der Schule genutzt werden. Das begeisterte auch die Grünen-Politikerin Anne Spiegel.

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) nahm sich auch Zeit für die Fragen der Schülersprecher:innen aus den Klassen. 
Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) nahm sich auch Zeit für die Fragen der Schülersprecher:innen aus den Klassen. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Der Schulhof der Grundschule am Kirchsteigfeld ist einzigartig in Potsdam: Seit kurzem darf das große Areal mit seinen zahlreichen Spielgeräten nicht nur dann benutzt werden, wenn große Pause ist, sondern auch nach der Schule. „Meine Kinder beschweren sich immer, wenn wir an einem Schulhof mit Spielplatz vorbeikommen, und sie dort nicht rauf dürfen“, sagte Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne), als sie die Schule am Montag besuchte. „Toll, dass es hier anders ist! Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man die Perspektive von Kindern miteinbeziehen kann.“

Anlass des Besuches war der 30. Jahrestag der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, der Deutschland 1992 zugestimmt hatte. Sie umfasst etwa das Recht auf Bildung, Schutz vor Diskriminierung, auf eine Familie und auf Freizeit und Spiel. Gleichzeitig wurde auch etwas anderes gefeiert: Potsdam gilt seit fünf Jahren offiziell als kinder- und jugendfreundliche Kommune nach Unicef-Standards. „Wir haben eine Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen und wir haben einen Aktionsplan mit 31 Handlungszielen und 58 konkreten Maßnahmen erstellt, um die Kinder- und Jugendfreundlichkeit in der Kommune und im Verwaltungshandeln zu verbessern“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD).

Schubert stellt sich Fragen der Schülersprecher:innen

„Der Aktionsplan der Landeshauptstadt ist ein herausragendes Beispiel für das Engagement einer Kommune zur Umsetzung der Kinderrechte“, lobte Anne Lütkes, Vorstandsvorsitzende des Vereins Kinderfreundliche Kommunen e.V. „Wir freuen uns, dass Potsdam noch in diesem Frühjahr den zweiten Aktionsplan vorlegen wird, auf dessen Grundlage das Siegel Kinderfreundliche Kommune verlängert werden kann.“

Schubert, der seit letztem Jahr Kinder- und Jugendsprechstunden durchführt, stellte sich am Montag auch den Fragen der Schülersprecher:innen: „Warum gibt es eigentlich keinen Kinderbürgermeister?“, fragte Vivianne aus der 3. Klasse. „Der würde auch viele Sachen ansprechen, die für Kinder wichtig sind.“ Schubert freute sich und erwähnte das Kinder- und Jugendparlament, das es vor einigen Jahren in Potsdam gab. „Leider ist das irgendwann eingeschlafen“, sagte Schubert. Er ermutigte die Schülerin, sich künftig zum Beispiel für ein solches Parlament zu engagieren.

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Andere Fragen waren schwieriger zu beantworten: „Warum schafft man nicht das Kindergeld ab und macht dafür alles für Kinder kostenlos?“, fragte eine Schülerin. „Ich glaube, das lässt sich nicht bezahlen“, sagte Schubert und versuchte den Schüler:innen das Grundprinzip des Kindergeldes zu erklären. Einfacher war der Wunsch einer Schülerin nach weniger Müll auf den Spielplätzen: „Es könnte tatsächlich etwas häufiger gereinigt werden, aber man sollte auch weniger auf Spielplätze mitbringen, was Müll verursacht“, sagt Schubert.

Kinderrechte sollen ins Grundgesetz geschrieben werden

Auch ältere Jugendliche trugen Wünsche an den Oberbürgermeister heran: „Gerade für uns als Jugendliche ist es wichtig, Freiräume zu haben, wo wir uns treffen können“, sagte die 18-jährige Potsdamerin Amely Wernitz, die bei Unicef aktiv ist. „Daher wäre es gut, wenn zum Beispiel die Potsdamer Parks abends nicht immer geschlossen würden.“ Auch Elisabeth Vollbrecht, Teamleiterin der Unicef-Gruppe Potsdam, beklagte das Fehlen von Möglichkeiten, sich während der Pandemie zu treffen, nicht nur für die Freizeit, sondern auch für das Ehrenamt: „Wir hoffen sehr, dass es nach Corona wieder mehr ehrenamtliches Engagement geben wird“, so die 16-Jährige.

Spiegel betonte, dass der Koalitionsvertrag vorsehe, Kinderrechte ins Grundgesetz zu schreiben: „Wäre dies schon vor der Pandemie der Fall gewesen, wären sicher einige Entscheidungen anders getroffen worden.“ Wie wichtig Kinderrechte seien, zeige sich an den Geschehnissen in der Ukraine: „Gerade jetzt muss auf die besonders vulnerablen Gruppen wie Kinder geschaut werden“, sagte Spiegel. Viele Geflüchtete seien Kinder: „Es ist wichtig, dass wir sie schnell und gut in Deutschland aufnehmen.“ Schubert bat die Ministerin um Unterstützung: „Ich richte die Bitte an die Bundesregierung, die Kommunen nicht mit dieser Aufgabe allein zu lassen.“

In Potsdam haben wie berichtet bereits über 100 Kinder aus der Ukraine Anträge auf Schulunterricht gestellt. Gudrun Klewitz, die Leiterin der Grundschule am Kirchsteigfeld berichtete, das kürzlich der erste ukrainische Junge aufgenommen worden sei: „Es werden bestimmt noch weitere kommen“, sagte Klewitz.

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