• Kunstgroßhandel ins Kreativquartier?: Bürgerschaft favorisiert bestehenden Namen

Kunstgroßhandel ins Kreativquartier? : Bürgerschaft favorisiert bestehenden Namen

Beim ersten "Plantagengespräch" mit Kreativen aus dem Rechenzentrum gab es Neuigkeiten: Einen namhaften Mietinteressenten und einen Favoriten bei der Namenssuche.

Visualisierung des Langen Stalls als Kreativquartier.
Visualisierung des Langen Stalls als Kreativquartier.Foto: Glockenweiß GmbH

Potsdam - Alles auf Anfang: Der Name für das neue Kreativquartier wird wohl nun doch beim Alten bleiben. Der Favorit der Stadtgesellschaft lautet „Kreativ Quartier Potsdam“, wie eine Umfrage unter der Potsdamer Stadtbevölkerung ergeben hat. Das gab Unternehmer Christopher Weiß im Rahmen des von ihm ins Leben gerufenen ersten „Plantagengesprächs“ bekannt. 

Rund 1100 Menschen hätten von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, aus sechs Vorschlägen für den neuen Kulturstandort an der Plantage ihren Favoriten auszuwählen, so Weiß. Zwischenzeitlich habe „KQSMOS“ vorn gelegen, infolge der Diskussionen der letzten Wochen sei das „Kreativ Quartier“ vorbeigezogen. 

Am Freitag wird der Name offiziell bekannt

Nun werde die Jury, zu der unter anderem der Projektentwickler selbst, Potsdams Kulturdezernentin Noosha Aubel (parteilos) und der ehemalige Berliner Staatssekretär Tim Renner gehören, beraten. Das deutliche Votum von Bevölkerung und Kreativen werde Beachtung finden. Am Freitag (2. Juli) soll dann per Pressemitteilung über den Namen informiert werden.

Nach einer Phase der hitzigen Debatten sieht Unternehmer Weiß jetzt „eine neue Nähe“ zwischen Rechenzentrum und dem neu entstehenden Kreativquartier erreicht. Noch vor zwei Wochen, als Weiß sich mit Kreativen im Hof des Rechenzentrums verständigen wollte, sah das anders aus. 

Kreative des Rechenzentrums hatten sich enttäuscht über die Beteiligung des weiteren Investors Assiduus Development unter Geschäftsführer Alexander Happ gezeigt. Und auch der Namensvorschlag „KQSMOS“ war als Vereinnahmung verstanden worden. Der vor allem in den sozialen Medien sehr harsche Ton habe sich inzwischen beruhigt, so Weiß.

Eine neue Nähe zum Rechenzentrum?

Ob jedoch tatsächlich von einer neuen Nähe die Rede sein kann? Das angesichts des starken Regenfalls in letzter Minute von einem Treffpunkt „vor dem Rechenzentrum“ ins Virtuelle verlegte Treffen zwischen Weiß, Kreativen aus dem Rechenzentrum und Vertreter:innen aus der Stadtpolitik, hatte gar nicht alle Interessierten rechtzeitig erreicht – einige hatten nur per Zufall davon erfahren. 

Kulturmanagerin Anja Engel, Sprecherin des Rechenzentrums, war gar nicht dabei: eine Terminkollision, hieß es. Abgesehen davon habe sich Unternehmer Weiß für die von ihm angekündigten „Plantagengespräche“ selbst im Rechenzentrum eingeladen, ohne vorher die Kreativen vor Ort zu fragen. „Wir sprechen aber gern für uns selbst“, sagt Engel. Weiß sagt, das sei möglicherweise missverständlich ausgedrückt gewesen und der Grund dafür, das Treffen nicht im Hof des Rechenzentrums zu planen. 

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Die rund 15 Teilnehmer:innen beim „Plantagengespräch“ erfuhren nicht nur den vermutlichen Namen des Kreativquartiers. Sondern auch von einem potenziellen finanzstarken Mieter, der Interesse an dem Standort bekundet hat: die Boesner Unternehmensgruppe. Der Anbieter von Künstlerbedarf hat Niederlassungen in ganz Deutschland, in Berlin allein vier. 

Boesner will eine Fläche von rund 400 Quadratmetern

Der „Deutschen Wirtschaft“ zufolge erzielt das Unternehmen einen jährlichen Umsatz in Höhe von 60 Millionen Euro. Im Kreativquartier würde Boesner eine Fläche von rund 400 Quadratmetern Verkaufsfläche anmieten wollen. Zudem seien Events und Workshops geplant.

Problematisch allerdings: Laut Nutzungsvertrag ist im Potsdamer Zentrum eine Ladenfläche von über 100 Quadratmetern für den Einzelhandel nicht zulässig. Um eine Ansiedlung von Boesner zu ermöglichen, müsste das von der Politik ausdrücklich gewünscht sein und ein entsprechender Änderungsantrag veranlasst werden. Aus Weiß’ Sicht ein Projekt, „das man sich nicht entgehen lassen sollte“.

Anders sieht das der Bildhauer Stefan Pietryga, der sein Atelier im Rechenzentrum hat. Boesner sei ein Großhandel, vor allem von finanziellem Interesse getrieben – ein Versandgroßhandel, der sonst oft in Gewerbeparks angesiedelt sei. Wünschenswert für die Kreativen sei ein Ort, der sich an den konkreten künstlerischen Bedarfen orientiere. 

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