• Kunst und Möbel : Eine Potsdamer Raumgestalterin für spezielle Fälle

Kunst und Möbel : Eine Potsdamer Raumgestalterin für spezielle Fälle

In ihrem gerade eröffneten Einrichtungsgeschäft „Raumspot“ will Jenny Gartemann Möbel mit Kunst von Anna Tauschke verbinden. Über das Vermessen von High Heels fanden die beiden einst zusammen.

Kunst und Raum. „Möbel und Bilder runden sich einfach gut ab“, sagt Jenny Gartemann.
Kunst und Raum. „Möbel und Bilder runden sich einfach gut ab“, sagt Jenny Gartemann.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Manchmal ist Einrichten Millimeterarbeit. Davon weiß Jenny Gartemann viel zu berichten. Und selbst vor den Haustieren machen Sonderwünsche nicht halt. Einmal beriet sie einen Kunden zu einer Stauraumlösung. Darin integriert werden sollte ein Katzenklo, das sie dafür genau ausmessen musste. Genauso wie auch die Laufwege des Tieres. „Solche Dinge gehören mit dazu“, sagt Gartemann gelassen.

Die 31-Jährige hat im Juni ihren neuen Laden „Raumspot“ in der Potsdamer Hegelallee 15 eröffnet. Dort verkauft sie Sofas, Tische, Stühle, Betten und Lampen und berät ihre Kunden. Sie besucht diese – je nach Wunsch – zu Hause und entwirft anschließend ein Einrichtungskonzept. Sie fertigt Zeichnungen der räumlichen Proportionen an und berät zu Farben, Licht und Materialien. „Modern, klassisch und zeitlos“, beschreibt sie den Stil. Oft seien Sonderlösungen gefragt. „Der Wunsch nach Individualität ist heute groß“, sagt die Geschäftsinhaberin.

Mitte Juni hat sie das Geschäft „Raumspot“ eröffnet.
Mitte Juni hat sie das Geschäft „Raumspot“ eröffnet.Foto: Andreas Klaer

Bei einem Kunden habe sie knapp 200 Laufmeter Bücher sowie jeden Winkel des Regalsystems ausgemessen. Ein komplettes Zimmer sollte in eine Bibliothek umgewandelt werden. Keine Ecke durfte ungenutzt bleiben, um die Masse an Büchern unterzubringen. „Der Kunde hat schon angekündigt, dass er neuen Platz für weitere Bücher braucht“, erzählt Gartemann.

Ab August auch Kunst

Durch einen solchen individuellen Wunsch lernte Gartemann auch die Potsdamer Künstlerin Anna Tauschke kennen – und damit kam auch die Idee auf, in ihrem Laden Kunst mit Möbeln zu verbinden. Gern erzählt die Einrichtungsexpertin, wie sie mit Tauschke versuchte, möglichst viel Stauraum für deren Schuhe zu schaffen. Die Herausforderung: Die Künstlerin besitzt vor allem High Heels. Auch hier machte sich Gartemann mit dem Maßband ans Werk. Bei sämtlichen hochhackigen Schuhen überprüfte sie Höhe und Breite. Millimeter für Millimeter.

Im August arbeiten die beiden zusammen. Tauschke wird dann in einem Raum des Geschäftes ihr Atelier, das „Art-Time-Studio“ einrichten und dort verschiedene Malkurse und Workshops anbieten. Geplant sind Workshops zum Thema Farbvermittlung. Doch auch regelmäßige Ausstellungen verschiedener deutscher und internationaler Künstler sollen dort stattfinden. So werden Mitte August die Werke des in Großbritannien geborenen und in Paris lebenden Künstlers Alex Hillkurtz gezeigt. Derzeit hängen im Geschäft zwischen den Möbeln Bilder von Tauschke an der Wand. Zu sehen sind Aquarelle von Früchten und Blumen in kräftigen Farben.

Tauschkes Bilder sollen auch im Rahmen der Einrichtungsentwürfe mitangeboten werden, darunter auch Auftragsarbeiten, erklärt Gartemann. „Möbel und Bilder runden sich einfach gut ab“, ist sie überzeugt.

Früh war der Berufswunsch klar

Eine Affinität zum Thema Einrichten habe sie schon immer gehabt, erzählt Gartemann. Als Jugendliche wollte sie alle paar Jahre eine neue Wandfarbe haben. Ihre Mutter sei davon zumeist nicht so begeistert gewesen. Schnell wurde ihr klar, dass das auch beruflich ihr Thema werden sollte. Mit 15 Jahren stand sie vor dem Schaufenster des Potsdamer Einrichtungshauses More und Wolf und wusste sofort: „Hier mache ich meine Ausbildung.“

Der Betrieb hatte sich damals aber dazu entschieden, nicht mehr auszubilden. Gartemann blieb hartnäckig, fragte jedes halbe Jahr nach, ob sie ihre Meinung geändert hätten. Nach ihrem Abitur klappte es endlich. „Ich konnte die damalige Filialleiterin von mir überzeugen“, sagt sie. Nach der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau im Bereich Wohnbedarf stellte der Betrieb sie fest an, schließlich wurde sie Filialleiterin. Elf Jahre blieb sie bei More und Wolf. Zwischendurch kam noch ein Bachelorstudium in Betriebswirtschaftslehre dazu. Irgendwann wurde der Wunsch nach Selbständigkeit immer größer, seit einem Monat gibt es „Raumspot“ nun.

„Für jede Raumnische gibt es eine Lösung“

Bei all den individuellen Planungen und Sonderwünschen hat auch sie nicht immer sofort eine Idee parat. Ihre Kunden, von denen sie einige aus ihrer früheren Stelle übernommen hat, kommen nicht nur aus Potsdam und der Region, sondern zum Teil auch aus dem Ausland. Sie entwirft Raumkonzepte für Wohnungen, Villen, Ferienhäuser und Restaurants. Bisher habe es noch keinen Wunsch gegeben, der nicht umzusetzen wäre, sagt Gartemann. „Für jede Raumnische gibt es eine Lösung“. Das war auch der Grund, weshalb die Potsdamerin sich für die Selbständigkeit entschied. „Ich denke, dass ich vor Kreativität platze“, sagt sie. Um ihre Einrichtungsideen umzusetzen, arbeitet Gartemann, die bislang noch keine Mitarbeiter beschäftigt, mit Handwerkern, Elektrikern und Malern zusammen. „Jeder Raum hat das Recht, würdevoll eingerichtet zu werden“, lautet ihr Credo.

Vom 10. bis zum 11. August sind bei Raumspot Bilder des Künstlers Alex Hillkurtz zu sehen.