• Krieg in der Ukraine: Treffpunkt Freizeit ist jetzt auch Notunterkunft für Ukrainer

Krieg in der Ukraine : Treffpunkt Freizeit ist jetzt auch Notunterkunft für Ukrainer

Einrichtung soll zunächst bis Ostern für Unterbringung Geflüchteter genutzt werden. Potsdam will Hilfsbereite nächste Woche besser koordinieren.

Henri Kramer
In der Turnhalle des Treffpunkts Freizeit sind Schlafplätze für Kriegsflüchtlinge eingerichtet. 
In der Turnhalle des Treffpunkts Freizeit sind Schlafplätze für Kriegsflüchtlinge eingerichtet. Andreas Klaer

Mit dem Treffpunkt Freizeit hat die Stadtverwaltung am Freitag die zweite Notunterkunft für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine innerhalb weniger Tage eröffnet. Ab sofort stehen in der Freizeitstätte am Neuen Garten nun 90 Feldbetten zur Verfügung, jeweils abgetrennt durch Sichtschutzzäune in Zweier-, Dreier- und Vierergruppen. Damit bietet Potsdam laut Sozialdezernentin Brigitte Meier (SPD) jetzt – inklusive Hotel- und Pensionszimmern – 740 Betten für Menschen, die vor dem zerstörerischen Angriffskrieg der russischen Armee unter Präsident Wladimir Putin geflohen sind.

Enorme Resonanz ehrenamtlicher Helfer

Geplant ist die Nutzung des Treffpunkts Freizeit zunächst bis Ostern. Bis dahin seien die meisten Veranstaltungen abgesagt, sagte Leiter Uwe Rühling. Er berate aber mit Kultureinrichtungen wie dem Freiland oder dem Rechenzentrum darüber, ob einzelne Kursangebote zeitweise verlagert werden oder vor Ort vielleicht draußen stattfinden könnten. Enorm sei die Resonanz ehrenamtlicher Helfer, die nun für die nächsten Tage koordiniert würden. Es sei eine Kinderbetreuung geplant, ebenso Beratung für Menschen in Not.

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Bereits am Dienstag hatte das Rathaus die Orangerie der kommunalen Biosphäre zum Notlager für eine Nacht für bis zu 150 Menschen umgebaut, zugleich sollen sich dort jene Ukrainer:innen melden, die neu nach Potsdam kommen. Jene Menschen, für die längerfristig gerade kein Platz mehr ist, sollen entweder mit dem Busshuttle in die ebenso schon fast ausgelastete brandenburgische Erstaufnahme nach Eisenhüttenstadt gebracht werden oder weiter in andere Bundesländer reisen.

Folgen für städtischen Haushalt

Am Freitagmittag waren insgesamt 113 reguläre Plätze frei und noch 90 in der Biosphäre. „Wie viele Menschen in den nächsten Tagen noch kommen, wissen wir nicht“, sagte Meier, die den Rathaus-Krisenstab leitet. An allen Einrichtungen seien nun Corona-Tests verfügbar, getestet werden soll am besten täglich.

Betten in kleiner Sporthalle

Der Treffpunkt Freizeit ist regelmäßige Spielstätte für Theater oder andere Aufführungen, auch eine kleinere Sporthalle dort ist nun Notunterkunft. In dem Flachbau hatten zudem Ausschüsse der Stadtverordneten regelmäßig getagt. Für die Ausfälle hoffe er auf eine Kompensation, sagte Leiter Rühling – Meier widersprach dem nicht. Die Notlage mit schnell benötigten Unterbringungen für Hunderte Menschen werde sich auch auf den städtischen Haushalt auswirken, hatte die Dezernentin diese Woche bereits der Stadtpolitik angekündigt. Zwar würden die jetzigen Notunterkünfte vom Land übernommen. „Aber es werden nicht refinanzierte Bedarfe auf uns zukommen.“

Stadt erwartet 2500 Menschen

Zumal der Zustrom der Geflüchteten nicht abebbt. So werde gerade gemeinsam mit der Landesregierung die Metropolishalle in Babelsberg auf ihre Eignung als Notlager überprüft, sagte Meier. Das Ergebnis soll nächste Woche feststehen. Insgesamt geht die Dezernentin von 2500 Menschen aus, die in der Stadt untergebracht werden müssen.

Verbessern soll sich der Umgang mit ehrenamtlichen Helfer:innen. So hatten sich in den vergangenen Tagen mehrere Potsdamer bei den PNN gemeldet, die zuvor im Rathaus per E-Mail angezeigt hatten, dass sie Flüchtlinge aufnehmen könnten – aber nur automatisierte Antworten erhielten. Der Fachbereich Wohnen sei personell stark gefordert, machte Meier deutlich. Ab nächster Woche werde die Wohntauschzentrale in der Yorckstraße solche Angebote koordinieren, kündigte sie an. Schon ab Montag soll bekanntlich auch die Potsdamer Arbeiterwohlfahrt die Bereitschaft von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in geordnete Bahnen lenken.

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