• Zustimmung für Änderung bei der Notbetreuung in Brandenburg

Kindernotbetreuung erweitert : "Ein richtiger und wichtiger Schritt"

Potsdams Kitaträger befürworten Erweiterungen der Notbetreuung von Kindern. Ein höheres Ansteckungsrisiko wird nicht befürchtet.

Foto: Monika Skolimowska/dpa

Potsdam - Die neue erweiterte Notbetreuung für Kinder, die seit dem Montag angeboten wird, hat zu weiteren 150 Anträgen geführt. Davon könnten etwa 100 positiv beschieden werden, hieß es aus dem Potsdamer Rathaus auf PNN-Anfrage. Laut der Neuregelung durch das Landesgesundheitsministerium haben Eltern nun teilweise auch dann einen Anspruch auf eine kostenlose Notbetreuung ihrer Kinder, wenn nur ein Elternteil in einem sogenannten systemrelevanten Beruf arbeitet. Allerdings ist die Erweiterung auf bestimmte Berufe beschränkt: Profitieren können unter anderem Eltern, die im Gesundheitsbereich, in gesundheitstechnischen und pharmazeutischen Bereichen arbeiten. 

Ebenso gilt die Regelung für Eltern mit einer Arbeit im medizinischen und im pflegerischen Bereich sowie bei einer Beschäftigung in der stationären und teilstationären Erziehungshilfe, der Eingliederungshilfe und der Versorgung psychisch Erkrankter. Auch für Erzieher, die in der Kinder-Notbetreuung arbeiten, gilt die sogenannte Ein-Elternregelung. Die Notbetreuung für Kinder greift allerdings wirklich erst dann, wenn keine andere Betreuungsmöglichkeit möglich ist.

Große Träger begrüßen Erweiterung

Die Erweiterungen der Notbetreuung von Kindern wird von den großen Kitaträgern in Potsdam durchweg begrüßt. „Ein richtiger und wichtiger Schritt“, sagt etwa Beatrice Strübing von der Fröbel Bildung und Erziehung gemeinnützige GmbH, auf PNN-Anfrage. Dem stimmt auch Angela Schweers, Vorstandsvorsitzende des Bezirksverbandes Potsdam der Arbeiterwohlfahrt (Awo), zu: „Ich finde das gut, weil gerade die Kinder mit höherem Betreuungs- und Versorgungsbedarf jetzt wieder regelmäßige Mahlzeiten sowie Spiel- und Bildungsangebote bekommen.“ „Das bringt auch Erleichterung für unsere Kolleginnen und Kollegen“, ergänzt Andreas Schulz, Leiter der Kindertagesbetreuung im Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF).

Bis vergangenen Freitag hätten insgesamt 1872 Anträge auf eine Notbetreuung vorgelegen. 100 davon hätten noch abgelehnt werden müssen, so die Stadt. 30 dieser abgelehnten Anträge könnte nun doch stattgegeben werden, heißt es weiter. Dazu dürfen ab sofort auch rund 180 Kinder wieder in die Kita kommen, die in schwierigen familiären Situationen stecken, teilt die Stadt weiter mit. Ausgewählt worden seien diese zusammen mit den Kita-Trägern.

804 Kinder nehmen derzeit Notbetreuung in Anspruch

Tatsächlich in Anspruch genommen wird die Notbetreuung laut Stadt derzeit nur für 804 Kinder. Die Anträge sind als beschreibbares PDF im Internet unter www.potsdam.de/corona zu finden und können am Computer ausgefüllt werden, bevor sie ausgedruckt und unterschrieben werden.

Fröbel betreibt in Potsdam zwölf Kitas und Horte. Bislang betrage der Anteil der Kinder in Notbetreuung zwischen drei und zehn Prozent der regulären Auslastung. Im Normalbetrieb kümmert sich der Träger in Potsdams laut Strübing um etwa 2000 Kinder. Eine Prognose, wie viele Kinder nun zusätzlich betreut werden müssten, wagt sie nicht. „In Berlin, wo die Notbetreuung ähnlich erweitert wurde, ist der Bedarf stark gestiegen. Nahe Krankenhäusern hat er sich sogar teilweise verdoppelt“, so die Fröbel-Sprecherin.

"Wir sind vom Normalbetrieb noch weit entfernt"

Räumliche Engpässe, die dem Ziel der Eindämmung des Coronavirus widersprechen würden, befürchtet Strübing nicht. „Wir sind vom Normalbetrieb noch weit entfernt. Bei einer Auslastung von maximal zehn Prozent sprechen wir von 20 Kindern in einer Einrichtung, wo sonst 200 Kinder betreut werden“, erläutertet sie. Das Konzept der offenen Pädagogik sei umgestellt worden, auf eine Betreuung in kleinen Gruppen bis zu maximal fünf Kindern. Eltern würden zudem gebeten, ihre Kinder an der Eingangstür abzugeben, um auch schon an der Stelle das Ansteckungsrisiko zu minimieren, so Strübing.

Auch Awo-Chefin Schweers beruhigt: „Natürlich ist das die andere Seite der Medaille. Aber wir haben genug Desinfektionsmittel und in drei Nähprojekten werden Schutzmasken gefertigt“, so Schweers. Letztlich sei entscheidend, dass die Hygiene-Regeln strikt eingehalten würden.

Sorge wegen Ansteckungsrisiko

Auch der Sprecher des Landeskitaelternbeirates, Danilo Fischbach, begrüßt zwar die Neuregelung, ist aber ebenfalls wegen eines möglicherweise höheren Ansteckungsrisikos besorgt. „Sowohl für die Erzieher als auch die Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten“, gibt er zu bedenken. Negativ sei auch, dass nicht landesweit auf Beiträge für Eltern verzichtet werde, die ihre Kinder in die Notbetreuung geben müssen. „Da ist Potsdam vorbildlich“, so Fischbach. Landesweit gilt bislang nur, dass Eltern, die ihre Kinder während der Coronakrise zu Haus betreuen, keine Beiträge zahlen müssen.

Über das Risiko für Erzieher wird derzeit auch in Sozialen Medien wie Facebook diskutiert. „Der Schutz unserer Erzieherinnen und Erzieher hat für uns höchste Priorität. Allen voran stehen noch konsequentere Hygienemaßnahmen“, versichert dazu Fröbel-Sprecherin Strübing. Erzieher aus Risikogruppen seien aus den Einrichtungen abgezogen worden und übernähmen aktuell nur noch mittelbare pädagogische Arbeiten. Aus dem EJF, das derzeit in Potsdam in sieben Kitas und einem Hort gut 50 Kinder (sonst 1000) betreut, heißt es, die Erzieher schützen sich gemäß der strengen Hygienerichtlinien. „Aktuell wird keine Schutzkleidung getragen.“

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