• Kampf gegen Gehirntumor: Pia hilft nur noch ein Wunder

Kampf gegen Gehirntumor : Pia hilft nur noch ein Wunder

Der Gehirntumor der Siebenjährigen war geschrumpft, doch seit Mai geht es Pia wieder schlechter. Sie kann nicht mehr laufen. Dennoch gibt es für sie kleine Lichtblicke, wie der Besuch von Michael Patrick Kelly.

Pia und Michael Patrick Kelly Potsdam
Pia und Michael Patrick Kelly PotsdamFoto: privat

Potsdam - Es ist für eine Mutter sicherlich eine immense Belastung, darüber zu sprechen, dass die Hoffnung für die Genesung ihrer todkranken Tochter beinahe von Woche zu Woche geringer wird. Und ohne Umschweife zu erzählen, dass sie und ihr Mann sich nun auf das Schlimmste gefasst machen. Jeanine Hillmann, die Mutter der an einem Gehirntumor erkrankten sieben Jahren alten Pia aus dem Kirchsteigfeld, wirkt sehr traurig aber gefasst, als sie den PNN am Dienstagabend sagt: „Es geht Pia schlecht. Wir können jetzt nur noch auf ein Wunder hoffen.”

Das sportliche Mädchen leidet an einem inoperablen Gehirntumor

Ärzte der Berliner Charité diagnostizierten bei der Schülerin wie berichtet am 11. September vergangenen Jahres das sogenannte Diffuse Intrinsische Pinsgliom, kurz DIPG, einen inoperablen, bösartigen Gehirntumor. Das sportliche Mädchen, das bei den Drewitzer Black Bears mit großer Leidenschaft Fußball spielte, hatte im Juli unter Kopfschmerzen gelitten, Ende August war ihre linke Körperhälfte wie gelähmt. 

Pia mit ihrer Mutter Jeanine Hillmann.
Pia mit ihrer Mutter Jeanine Hillmann.Foto: privat

Die Berliner Mediziner prognostizierten für das Mädchen eine Lebenserwartung zwischen sechs und neun Monaten.

Jeanine Hillmann und ihr Mann Sascha, die beide 33 Jahre alt sind, wollten den Schicksalsschlag nicht widerstandslos hinnehmen. Mit der Hilfe von Freunden fanden sie heraus, dass Experten am Universitäts-Kinderspital im schweizerischen Zürich in ihrem neuen DIPG-Center Erfolge bei der Behandlung solcher Tumore vorzuweisen hatten. Die Eidgenossen setzen dabei auf das in Deutschland noch nicht zugelassene Mittel ONC201. Nur: die Kosten für eine ein- bis zweijährige Therapie von mehr als 100.000 Euro hätten die kaufmännische Angestellte in Elternzeit und ihr Ehemann, der Elektromeister im Potsdamer Bergmann-Klinikum ist, nicht aufbringen können. 

Mehr als 120.000 Euro an Spenden für Pias Therapie 

In einem Spendenaufruf sahen sie die einzige Chance, das Geld für Pia zusammen zu bekommen. Die Anteilnahme in der Bevölkerung war beeindruckend: Innerhalb von sechs Tagen waren 122.010,42 Euro auf dem Spendenkonto. Zunächst schien die Therapie anzuschlagen. Als die PNN die Familie Hillmann vor Weihnachten besuchten, war Pia nichts von ihrer Krankheit anzumerken. Im Februar war der Tumor sogar geschrumpft.

Am 23. Mai, einem Samstag, dann eine schlechte Nachricht. „Wir sind in großer Sorge um Pia”, sagte Jeanine Hillmann damals den PNN. Ende April sei ihre Tochter „plötzlich schlechter gelaufen”, sie könne sich inzwischen ohne Gehhilfe und Unterstützung der Eltern nicht mehr fortbewegen. Ganz überraschend war das nicht: Schon Anfang Mai war bei einer erneuten Magnetresonanztherapie in der Charité zu erkennen gewesen, dass der Tumor wieder gewachsen war.

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Ihre Mutter erzählt den PNN am Dienstag, wie es weiterging: „Vor drei Wochen war Pia kaum zu verstehen, weil der Tumor wohl durch die Bestrahlung wie angeschwollen war. Dann bekam sie Cortison und sprach wieder klarer, die ONC201-Tabletten wurden vorerst abgesetzt. Aber laufen kann sie auch mit Gehhilfen nicht mehr. Draußen sitzt sie im Rollstuhl, im Haus trage ich sie.” Pia mag es, mit ihrer Mutter am Tisch zu sitzen und Vorlagen auszumalen: „Sie kann das nicht mehr selbst. Aber sie ist geistig völlig klar und sagt mir, welche Farben ich nehmen soll.” Anrührend sei das Verhältnis zwischen den Geschwistern: Die Schülerin und ihr zwei Jahre alter Bruder Phil seien „ein Herz und eine Seele”.

Die Siebenjährige mit ihrem Bruder.
Die Siebenjährige mit ihrem Bruder.Foto: privat

Schmerzen habe Pia, so Jeanine Hillmann, in diesen Tagen nicht. Das Elternpaar steht in engem Kontakt mit den Palliativmedizinern der Charité, die im Team mit der Kinderonkologie dafür sorgen, dass das möglichst so bleibt.

Auf Facebook („Helft Pia, helft uns”) hat Pias Mutter am 6. Juli berichtet, dass es noch immer Ereignisse gibt, die ihrer Tochter große Freude machen: ein zweitätiger Ausflug in den Serengeti-Park im niedersächsischen Hodenhagen etwa – und der Besuch des irischen Sängers, Musikers und Komponisten Michael Patrick Kelly,ehemals Mitglied der berühmten Folkband „The Kelly-Family”, im Kirchsteigfeld. Er schenkte Pia eine Pferdezeitschrift und ein Warzenschwein als Kuscheltier. „Pia war mega happy”, sagt Jeanine Hillmann.

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