• Jahreswechsel 2021 in Potsdam: 13 Silvesterkracher, ganz leise

Jahreswechsel 2021 in Potsdam : 13 Silvesterkracher, ganz leise

Silvester 2021 in Potsdam - was bleibt ohne Böller und Partys? 13 Empfehlungen von Potsdamer Kreativen und Macher:innen der Stadt. 

Anstoßen und Konfetti werfen in kleinem Kreis ist auch 2021 erlaubt. 
Anstoßen und Konfetti werfen in kleinem Kreis ist auch 2021 erlaubt. Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Keine Partys, keine Tanzveranstaltungen, keine Böller, keine Treffen mit vielen Menschen – die Aussichten auf das Silvesterfest 2021 sehen alles andere als glamourös aus. Anstatt jedoch über fehlende Normalität zu jammern, sind jetzt Kreativität und Fantasie gefragt – und, womöglich mehr denn, je: Humor. Daher wollten wir von den Kreativen und Macher:innen dieser Stadt wissen: Wie kann man es an Silvester trotz allem krachen lassen – vielleicht auch ganz leise? Ein Fest der Stille – oder extra laute Musik zuhause? Tischfeuerwerk oder Feuerwerksmusik? Eisbaden oder Eisbombe? 13 Menschen, 13 Antworten. Kommen Sie gut rüber!

Daniela Zuklic: Supercalifragilisticexpialigetisch

An Silvester gehe ich mit meiner Familie auf Reisen. Wir wandern durch Wälder und springen über die Teufelsklamm. Wir singen lautstark supercalifragilisticexpialigetisch und fliegen mit Schirmen durch die Luft. Und gemeinsam suchen wir den Namen der kindlichen Kaiserin und kämpfen gegen das Nichts. Nein, im Ernst. Wir machen es uns zu Hause gemütlich, verwöhnen uns mit gutem Essen und Trinken und werden den ein oder anderen Lieblingsfilm meiner Kindheit schauen. Ein ganz cineastischer Start in ein tolles neues Jahr.

Daniela Zuklic ist Geschäftsführerin des Thalia Kinos in Babelsberg

Daniela Zuklic. 
Daniela Zuklic. Foto: Manfred Thomas Tsp

Michael Dühn: Nicht ärgern und Bowle trinken

Nachdem wir in diesem Jahr wieder so intensiv unsere Frustrationstoleranz trainiert haben, ist für den Silvesterabend eine Partie „Mensch ärgere Dich nicht“ genau das Richtige! Dazu empfehle ich Feuerzangenbowle. Falls doch etwas Wehmut und Sehnsucht nach der Ferne aufkommen, helfen die südamerikanischen Rhythmen von Xavier Cugat oder Edmundo Ros ganz sicher (auf allen gängigen Streamingplattformen erhältlich)! 

Michael Dühn ist Programmdirektor im Nikolaisaal

Michael Dühn.
Michael Dühn.Foto: Andreas Klaer

Dorothee Oberlinger: Aufräumen und Fondue essen

An Silvester werde ich in diesem Jahr nicht spielen, das letzte Mal war es 2019 – auffällig viele vom Orchester hatten da eine merkwürdig starke Grippe. 
Der Jahreswechsel 2021 wird wahrscheinlich ruhig. Aufräumen, letzte Bürosachen vom Tisch bringen, dann ein leckeres Fondue in sehr kleinem Kreis. Um Mitternacht die Nase an die frische Luft stecken und die Liebsten anrufen. Danach schlafen gehen und dem neuen Jahr trotz aller Prognosen möglichst optimistisch entgegensehen. Cheers!

Dorothee Oberlinger ist Intendantin der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Dorothee Oberlinger.
Dorothee Oberlinger.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Susan Neiman: Froh, wenn es vorbei ist

Abgesehen von der Tatsache, dass meine Zwillingstöchter am 1. Januar 1991 geboren wurden, habe ich Silvester nie wirklich gemocht, und selten gefeiert. Dieses Jahr werde ich einfach im Stillen schreiben; derzeit arbeite ich an einem Buch über den verlorenen Begriff des Heldentums. Dieses Silvester ist nur insofern besonders, als ich wie Milliarden von Menschen auf der Welt froh bin, dass dieses Jahr vorbei ist.

Susan Neiman ist Philosophin und Direktorin am Einstein Forum in Potsdam

Susan Neiman.
Susan Neiman.Foto: Andreas Klaer

Göran Gnaudschun: Pflicht zum jährlichen Fotoalbum

Ich wäre ein guter Diktator. Weise und mild. Zu Silvester allerdings würde ich die Knallerei verbieten. Für immer. Ein jeder Bürger hätte stattdessen die Pflicht, seine Fotos aus dem letzten Jahr in ein Album zu kleben. Chronologisch. Und zu beschriften. Personen müssten mit Namen versehen und Orte korrekt benannt werden. Nie wieder soll etwas vergessen oder gelöscht werden. Private Erinnerungen gehören zum schützenswerten Gesamtdiktaturerbe. Spätabends ziehen mobile Teams von Haus zu Haus und kontrollieren das Befolgen des Erinnerungsgebotes. Danach darf gesoffen werden. Da will ich mich als Diktator mal nicht so haben.
P.S.: Hat jemand eine bezahlbare Wohnung für mich?

Göran Gnaudschun ist Fotograf

Göran Gnaudschun.
Göran Gnaudschun.Foto: Ottmar Winter PNN

Jutta Götzmann: Panorama mit Champagner

Nach einem pandemiebestimmten Jahr 2021 gilt es für mich, Silvester im Kreis engster Freunde zu feiern und das Jahr mit all seinen Auswirkungen – auch und gerade für die Kultur – Revue passieren zu lassen! Wir werden den letzten Tag des Jahres im italienischen Ambiente als „Capodanno“ zu viert feiern. Im Vordergrund stehen Lebensfreude und freundschaftliche Gemeinsamkeit. Da können wir von den Italienern nur lernen! Wir lassen uns mit einem schönen Menü verwöhnen und machen uns dann mit einer Flasche Champagner auf zu dem höchsten Punkt der Stadt – um wenigstens für wenige Minuten das Panorama und den Weitblick auf 2022 – il Buon Anno Nuovo – einzufangen! 

Jutta Götzmann ist die Direktorin des Potsdam Museums

Jutta Götzmann.
Jutta Götzmann.Foto: Ottmar Winter PNN

Hans-Ulrich Schmidt: Wohnungstausch mit Freunden

Mein Tipp für Silvester: Schnappen Sie sich die engste Familie – bei mir sind es meine Partnerin und „Schwiegermutter“, meine Töchter und die Enkelkinder. Und statt in den eigenen vier Wänden auf den Jahreswechsel anzustoßen, suchen Sie sich einen anderen Ort bei Ihnen um die Ecke. Vielleicht ist es der kleine Weinladen, in dem Sie sonst einkaufen, eine leerstehende Scheune im Nachbarort, oder Sie tauschen Wohnungen mit Freunden. Diese kleine Veränderung reicht oft schon aus, um „einfach mal raus zu kommen“. Bei uns gibt es dazu noch eine Feuerschale und ein Gläschen Glühwein – das ist genau die passende Atmosphäre für einen gelungenen Jahreswechsel.

Hans-Ulrich Schmidt ist Geschäftsführer des Klinikums „Ernst von Bergmann“

Hans-Ulrich Schmidt.
Hans-Ulrich Schmidt.Foto: Andreas Klaer

Tatjana Meissner: Lachen statt Liebesspiel

Auch in diesen Zeiten kann ein Silvesterabend in trauter Zweisamkeit mit einem Gläschen Champagner im Bett und wildem, hemmungslosem Liebesspiel ziemlich glamourös daherkommen. Zumal Sex das Immunsystem stärkt. Aber die dafür notwendige Nähe, vielleicht sogar mit einem fremden Haushalt, könnte diese Vision zu einem Superspreader-Event verkommen lassen. Darum bevorzuge ich zum Jahreswechsel die Comedy-Show „Es war nicht alles Sex“ in der hygienisch umgebauten und sicher durchlüfteten Waschhausarena. Denn auch gemeinschaftliches Lachen ist ein echter Gesundbrunnen, verbessert die Lungenfunktion, steigert die Immunabwehr und setzt Glückshormone frei. Liebe Brandenburger: Es kann so einfach sein.

Tatjana Meissner ist Kabarettistin

Tatjana Meissner.
Tatjana Meissner.Foto: PNN / Ottmar Winter

Alexander Hollensteiner: Sound of silence

Ohne uns wird’s still. Der Schlachtruf aus dem Frühjahr hallt noch nach, wenn es zum Jahresende erneut verordnete Einkehr gibt. Besinnen wir uns also. Besinnung kommt ja von Sinn – und das hat viel mit Kunst zu tun. Schon Mozart wies daraufhin, dass die Musik nicht in den Noten steht, sondern in der Stille dazwischen. Lassen wir also den Lärm des Alltags verschwinden und genießen den Klang der Stille. Und drücken wir alle Daumen, dass wir im neuen Jahr wieder für Sie spielen dürfen. Live, in echt und in Farbe – und ruhig auch mal laut!

Alexander Hollensteiner ist Geschäftsführer der Kammerakademie Potsdam

Alexander Hollensteiner.
Alexander Hollensteiner.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Noosha Aubel: Teefilter aufsteigen lassen

Das nächste Jahr soll besser, corona-ärmer und entspannter werden. Ich glaube, dieser Wunsch eint uns alle. Mit einer einfachen Idee kann man seine individuellen Wünsche im Kreise der Lieben ins Universum senden: Einfach Papierteefilter mit dem persönlichen Wunsch beschriften (Kinder und kreative Erwachsene dürfen auch gerne malen), längs aufrollen und unter freiem Himmel oben anzünden. Der Teefilter verbrennt und die Asche steigt mitsamt dem Wunsch in die Lüfte. Vielleicht ein kleiner Lichtblick für Groß und Klein?! Und bei vielen guten Wünschen kann es doch eigentlich nur ein richtig gutes neues Jahr werden. In diesem Sinne wünsche ich allen Potsdamer:innen einen guten Übergang in ein gesundes, glückliches und freudvolles 2022.
Noosha Aubel (parteilos) ist Potsdams Kultur- und Bildungsdezernentin

Noosha Aubel.
Noosha Aubel.Foto: Ottmar Winter PNN

Markus Wicke: Durchgeknallt

Knallverbot in Potsdam! Also werfen wir uns Silvester in knallenge Jeans in den knalligsten Farben, laden Knall auf Fall Freunde ein (natürlich knallhart kalkuliert nach neuesten Corona-Regeln) und lassen die Sektkorken knallen. Dann erzählen wir uns gegenseitig die erlebten Knaller des Jahres in Potsdam und küren um Mitternacht die größte Knallcharge der Stadt (wird aber nicht verraten, da Angst davor, eine geknallt zu bekommen). Statt Knaller aus der Drogerie tun es auch vorsorglich eingefrorene Knallerbsen. Ganz schön durchgeknallt oder? 

Markus Wicke ist Vorsitzender des Fördervereins des Potsdam Museums

Markus Wicke.
Markus Wicke.Foto: Andreas Klaer

Katja Dietrich-Kröck: Marshmallows und ein Stoßgebet

Unser Teenager-Kind ist von dem Gedanken, Silvester ins Theater zu gehen, zwar nur mäßig begeistert, aber trotzdem beginnen wir den Abend mit einem Besuch der Inszenierung „Der Vorname“ im Hans Otto Theater. Danach treffen wir uns mit Freunden am Lagerfeuer. Statt des sonst üblichen Raclettes am Küchentisch gibt es Gegrilltes, Marshmallows und Glühwein. Sollten wir um Mitternacht noch nicht erfroren sein, lassen wir es mit Wunderkerzen krachen und ich sende, obwohl ich an keinen Gott glaube, irgendwohin ein Stoßgebet mit der eindringlichen Bitte um ein Wunder für 2022.

Katja Dietrich-Kröck ist Referentin für Digitalisierung im Wirtschaftsministerium

Katja Dietrich-Kröck.
Katja Dietrich-Kröck.Foto: Andreas Klaer

Bettina Jahnke: Stille für Hund und Mensch

Seit Corona lieben unsere Hunde Silvester: endlich kein Geballer, keine laute Musik, keine Party und keine fremden Menschen mehr. Stattdessen Landeinsamkeit, mecklenburgischer Sternenhimmel, glühende Feuerschale und bis auf das Knacken des Feuers: Stille. Wenn ich ehrlich bin: Auch ich liebe dieses Silvester und genieße es in vollen Zügen. Um Mitternacht wird der Horizont bunt, steigen Leuchtraketen in der Ferne auf und immernoch: Stille. Noch ein Trompetenkonzert in den Nachthimmel gesendet, ein Glühwein getrunken und das neue Jahr kann kommen. 2020 war es so, 2021 wird es so sein und wahrscheinlich auch – unabhängig von Corona – die nächsten Jahre. Tiefenentspannt und erholt freue ich mich auf das nächste turbulente Theaterjahr.

Bettina Jahnke ist Intendantin am Hans Otto Theater

Bettina Jahnke.
Bettina Jahnke.Foto: Ottmar Winter PNN
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