• Interview | Peter Effenberg: "Potsdam wird von sich reden machen"

Interview | Peter Effenberg : "Potsdam wird von sich reden machen"

Die MediaTech Hub Conference in Babelsberg beschäftigt sich mit Digital-Technologien für Film und Fernsehen, aber auch für Events, Industrie und Gesundheitswesen. Sie startet am Mittwoch.

Peter Effenberg ist Filmproduzent sowie seit 2018 mit Andrea Peters Geschäftsführer des MediaTech Hub in Babelsberg sowie der Transfer Media GmbH.
Peter Effenberg ist Filmproduzent sowie seit 2018 mit Andrea Peters Geschäftsführer des MediaTech Hub in Babelsberg sowie...Foto: Beate Wätzel

Herr Effenberg, wegen der Coronapandemie wird die MediaTech Hub Konferenz in diesem Jahr in einem “hybriden Format” stattfinden: Was bedeutet das? 

Das ist im Grunde wie interaktives Fernsehen. Wir produzieren die Konferenz in Babelsberg in den Bühnen, die wir normalerweise auch bespielt hätten, und übertragen das auf eine Konferenzplattform. Online können das mehrere Hundert Menschen verfolgen, die sich bereits angemeldet haben. Die Plattform bietet die Möglichkeit, in verschiedene thematische Bereiche hineinzugehen. Es wird parallel drei Bühnen geben, Workshops und ein digitales Kino. Und alle Teilnehmer können sich digital vernetzen, untereinander per Video-Call reden oder Fragen in die einzelnen Sessions hineingeben. Die Fragen werden dann den Diskussionsteilnehmern auf den Bühnen gestellt. Medientechnologie ist also nicht nur das Thema, wir nutzen sie auch selbst in der Konferenz. 

Wie hat die Coronapandemie die Medien- und vor allem die Filmwirtschaft verändert? 

Darüber werden wir reden. Mit der Coronapandemie beschäftigen wir uns auf unterschiedlichen Ebenen. Auf einer Bühne geht es um Medientechnologien für Film und Fernsehen. Es stellt sich ja die Frage, wie man in der heutigen Zeit überhaupt produzieren kann. Studio Babelsberg und die Ufa sind diesbezüglich Pioniere in Deutschland. Sie waren die ersten, die überhaupt wieder produziert haben. Das wird international sehr stark beobachtet. 

Worum geht es noch? 

Auf unserer Industrie-Bühne wird darüber gesprochen, wie man Events und Festivals in einer solchen Zeit machen kann, und welche Technologien dabei helfen. Was geht da zum Beispiel in Bezug auf Augmented Reality oder Virtual Reality? Dazu haben wir Leute von der Biennale in Venedig und von der Frankfurter Buchmesse eingeladen. 

Welche Branchenbereiche sind besonders betroffen von der Pandemie? 

Im Grunde alle. Das zieht sich durch von der Produktion bis zur Distribution. Wie wir alle wissen, ist der neue James Bond schon mehrfach verschoben worden. Alles läuft unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Es gibt sogar ein neues Berufsbild in der Filmproduktion, den Corona Officer. Das sind Menschen, die dafür Sorge tragen, dass die komplexen Hygienekonzepte umgesetzt werden.

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Gibt es auch positive Effekte? 

Gleichzeitig beobachten wir, dass sich der Widerstreit zwischen unterschiedlichen Auswertungswegen auflöst. Man hat in den letzten Jahren immer das Gefühl gehabt, dass Kino und Streamingplattform große Feinde sind. Doch jetzt lernen viele Kinoproduzenten, dass sie ihr Publikum auch über eine Plattform erreichen können, wenn die Kinos geschlossen haben. Auf der Konferenz zeigen wir in einem eigenen Kino, wie zum Beispiel Programmkinos ihren Kunden über eine Plattform Filme online zur Verfügung stellen können. 

Welche Technologien stehen in diesem Jahr im Fokus? 

Wir merken gerade, dass Medientechnologien in der Kombination mit Big Data und Künstlicher Intelligenz richtig anfangen zu strahlen. Wir alle nutzen Medien zur direkten Kommunikation oder um zu konsumieren. Aber sie werden auch immer mehr in der Logistik genutzt oder in der Mobilität. Wer sich heute ins Auto setzt, ist in einem medientechnologischen Raum unterwegs. Dahinter stecken Technologien, die wir hier in Babelsberg für Film und Fernsehen einsetzen. Inzwischen kann man sie auch in der Industrie oder im Gesundheitswesen finden. Deshalb haben wir die Konferenz für andere Branchen geöffnet, sodass alle voneinander lernen können. 

Eine Speakerin bei der Konferenz.
Eine Speakerin bei der Konferenz.Foto: MTH Conference/Andrea Hansen

Welche Rolle spielt Potsdam als Innovationsstandort? 

Wir haben hier einen wahnsinnig agilen Medienstandort. Da gibt es ein Studio, das für Hollywood arbeitet, Europas größten Serienproduzenten, einen Fernsehsender, die Filmuni, das Hasso-Plattner-Institut und dazwischen lauter agile Firmen an der Schnittstelle zwischen Film, Fernsehen und IT. Dazu gibt es eine lebendige Wissenschaftslandschaft mit Max-Planck-Institut, Alfred-Wegner-Institut, Geoforschungszentrum und vielem mehr. Wenn man sich das genau anschaut, merkt man, dass dort im Grunde alle im Bereich des digitalen Wandels unterwegs sind. Potsdam positioniert sich in diesem Bereich gerade massiv und wird, glaube ich, in den nächsten Jahren sehr von sich reden machen. 

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Zur Person: Peter Effenberg ist Geschäftsführer des MediaTech Hub in Babelsberg sowie der Transfer Media GmbH. Der 46-jährige Potsdamer hat erfolgreich Filme produziert und führt seit Juli 2018 gemeinsam mit Andrea Peters das MediaTech Hub, das von einem Konsortium aus Vertretern der Netzwerke media:net berlinbrandenburg e.V., dem VR Verein Berlin Brandenburg, dem Ministerium für Wirtschaft und Energie, der Landeshauptstadt Potsdam und der Wirtschaftsförderung Brandenburg gemeinsam mit einer Vielzahl von Unternehmen, wissenschaftlichen Einrichtungen, Institutionen und Verbänden getragen wird.

Die Konferenz:

Auf der MediaTech Hub Conference kommen bereits zum dritten Mal Unternehmen aus verschiedenen Branchen zusammen. Am 11. und 12. November 2020 diskutieren mehr als 50 internationale Speaker live und online die Möglichkeiten und Herausforderungen von Medientechnologien in Industrie und Entertainment. In seiner Keynote wird Murat Sönmez vom World Economic Forum erläutern, wie Medientechnologien die vierte industrielle Revolution prägen. Annie Chang von Universal Pictures beleuchtet unterdessen die Rolle innovativer Filmtechnologien – auch im Umgang mit der gegenwärtigen Krise. 

Auf der Industry Stage geht es um die Rolle von Medientechnologien in den Bereichen Gesundheit, Mobilität, Industrie 4.0 und virtuelle Kommunikation.

Auf der Entertainment Stage wird die technologische Zukunft von Film, Fernsehen und Rundfunk diskutiert, unter anderem geht es um Künstliche Intelligenz. Workshops vermitteln zudem praxisorientiertes Wissen zu Serienproduktion, Metadaten, Micromobility und digitalen Ökosystemen.

In einer Startup Pitch Arena stellen innovative Gründer ihre Geschäftsmodelle vor. Auf einer Partner Online Stage werden unter anderem Mathias Döpfner, CEO von Axel Springer SE, und Medienunternehmer Sebastian Turner Einblicke in die neuesten Entwicklungen von Content-Technologien geben.


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