• Interview: Geflüchtete in Ausbildung: „Wir registrieren einen deutlichen Anstieg“

Interview: Geflüchtete in Ausbildung : „Wir registrieren einen deutlichen Anstieg“

Seit August 2015 beginnen immer mehr Geflüchtete eine Ausbildung in Potsdam - und es werden stetig mehr, sagt Ramona Schröder, Leiterin der Arbeitsagentur Potsdam.

Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam.
Ramona Schröder, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam.Foto: Andreas Klaer

Frau Schröder, die Eingliederung von Flüchtlingen auf dem Potsdamer Arbeitsmarkt ist langsamer angelaufen als erhofft. Wie sieht es mittlerweile aus?

Deutlich besser. Seit August 2015 haben wir 800 Personen mit Fluchtkontext integriert. Sie machen mittlerweile sieben Prozent aller Arbeitsaufnahmen aus, damit sind wir sehr zufrieden. Am Anfang sah es ganz anders aus. Im ersten Jahr, also von August 2015 bis Juli 2016, ist uns das gerade einmal bei einem Prozent aller Flüchtlinge, die zu uns kamen, gelungen.

Wie viele Flüchtlinge entscheiden sich denn für eine Ausbildung?

Zur Person

Ramona Schröder, Jahrgang 1959, ist Leiterin der Arbeitsagentur Potsdam, die auch für Brandenburg/Havel, Bad Belzig, Zossen und Luckenwalde zuständig ist.

Genaue Zahlen haben wir dazu nicht vorliegen, aber wir registrieren hier einen deutlichen Anstieg, den uns auch die Kammern rückmelden. In den ersten Jahren konnten wir kaum Menschen mit Fluchthintergrund für eine Ausbildung gewinnen, doch seit vergangenem Jahr verzeichnen wir einen Anstieg, vor allem im Handwerk, im Kfz-Bereich, im Handel, in der Pflege und im Hotel- und Gaststättenbereich. Unsere Überzeugungsarbeit scheint sich also zu lohnen.

Was sagen Sie den jungen Menschen, warum sollten Sie eine Ausbildung machen, statt gleich in Lohn und Brot zu gehen?

In Deutschland wird einfach sehr großen Wert auf einen formalen Abschluss gelegt. Viele Flüchtlinge bringen einen solchen nicht aus ihren Herkunftsländern mit und laufen dann Gefahr, quasi als Helfer hängenzubleiben. Wer hingegen eine Ausbildung macht, hat bessere Karrierechancen und höhere Verdienstmöglichkeiten.

Einige schreckt aber wohl das niedrige Gehalt während der Ausbildung ab.

Das stimmt und natürlich ist das für Flüchtlinge, die hier oftmals keine familiäre Unterstützung haben, eine größere Hürde als für Deutsche. Allerdings haben viele Betriebe ja ihre Ausbildungsvergütung angehoben und es gibt Ausbildungsbeihilfen. Unterm Strich lohnt es sich auf jeden Fall.

Können die Flüchtlinge dann helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen?

Unbedingt. Gerade in der Pflege, im Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch im Handel und im Handwerk werden ja händeringend Leute gesucht. Hier können beide Seiten profitieren.

Ab wann wird dieser Effekt greifen?

Das wird erst in den kommenden Jahren soweit sein. Momentan sind das noch Einzelfälle, weil in den Anfangsjahren wie gesagt noch nicht so viele Ausbildungen angefangen wurden. Aber in ein, zwei Jahren werden deutlich mehr Flüchtlinge einen Abschluss vorweisen können.