• Infizierte Bewohnerin arbeitete im Klinikum: Geflüchtetenunterkunft muss unter Quarantäne

Infizierte Bewohnerin arbeitete im Klinikum : Geflüchtetenunterkunft muss unter Quarantäne

In der Zeppelinstraße steht eine Wohnanlage für Geflüchtete unter Quarantäne. Eine Familie hat sich infiziert.

Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam-West - Der Coronaausbruch am Klinikum zieht weitere Kreise: Eine Flüchtlingswohnanlage in der Zeppelinstraße steht unter Quarantäne. Das sagte Gesundheitsdezernentin Brigitte Meier (SPD) bei der Pressekonferenz zur Krise im Bergmann-Klinikum am Dienstag. Eine siebenköpfige Familie habe sich in dem Wohnheim infiziert, die Mutter sei Mitarbeiterin im Klinikum. Die Familie lebte auf einer Etage. Da es viel Kontakt unter den Bewohnern gab, habe man sich zur Quarantäne entschieden. Das hat laut Rathaus das Gesundheitsamt verfügt. „Um die Übertragungsketten zu unterbrechen, mussten wir zu dieser harten Maßnahme greifen“, so Meier.

Betroffen seien 116 Bewohner, darunter 20 Kinder unter 18 Jahren, hieß es in einer Mitteilung der Stadt vom frühen Abend. Die Bewohner dürften nicht das Grundstück der Gemeinschaftsunterkunft verlassen und sollten möglichst in ihren Wohnungen bleiben, hieß es. Besuche von außen dürften nicht mehr stattfinden. „Die Quarantäne gilt für mindestens 14 Tage, bis sie durch die zuständige Behörde wieder aufgehoben wird.“

Kurze Eskalation vor Ort

Die Stadt sei vor Ort, auch für sozialpädagogische Angebote und zur Essensversorgung, sagte Meier. Es habe bereits eine „kurze Eskalation“ gegeben, weil sich die Bewohner zunächst nicht an die Ausgangssperre halten wollten und der „Wachschutz etwas überfordert war“, wie es Meier darstellte. Daher habe man am Dienstagnachmittag die Polizei holen müssen, die Lage habe sich dann aber schnell beruhigt. Gegebenenfalls werde man nun den Wachschutz vor Ort noch verstärken müssen, so Meier.

Es habe dazu noch Scharmützel mit der linken Szene gegeben, die „natürlich nicht so begeistert war, wie das gehandhabt wurde“. In Kurznachrichten aus der Szene wurde am Dienstag noch versucht, auch Proteste vor dem Stadthaus zu organisieren – vor Ort kamen gegen 17 Uhr knapp zehn Menschen zusammen. „Statt Massenquarantäne: Sofortige Verteilung in leere Hotels und möblierte Wohnungen“, hieß es in Bezug auf die Flüchtlinge in dem Heim.

300 Masken sollen helfen

Das Haus wird von dem Sozialträger Internationaler Bund betrieben, laut Ausschreibung bietet das Haus bis zu 140 Plätze. Dezernentin Meier sagte, in der Stadtverwaltung habe man sich schon zuvor mit so einem Szenario befasst – also wie man dann handeln will. Dafür gebe es für jede Einrichtung schon Überlegungen, so Meier. In der Rathausmitteilung hieß es, die Feuerwehr habe die Einrichtung mit 300 Mund-Nasenschutz-Masken ausgestattet. Die beiden Sozialarbeiter sowie der Hauswirtschafter dürfen demnach die Einrichtung auch verlassen und mit Mundschutz weiterhin ihrer Arbeit nachgehen. Das Haus in der Zeppelinstraße ist das erste Flüchtlingsheim in Potsdam mit Corona-Infizierten. 

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