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IHK-Geschäftsklimaindex : Stimmung so schlecht wie lange nicht mehr

Der IHK-Geschäftsklimaindex für die Region Potsdam und Westbrandenburg sinkt auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren.

Bessere Zeiten. Im Mercedes-Benz-Werk in Ludwigsfelde werden Armaturenbretter montiert, hier ein Bild von 2008.
Bessere Zeiten. Im Mercedes-Benz-Werk in Ludwigsfelde werden Armaturenbretter montiert, hier ein Bild von 2008.Foto: Bernd Settnik/dpa

Das Brexit-Chaos und die angespannte weltpolitische Lage sorgen zunehmend für schlechte Stimmung bei den Unternehmen der Region Potsdam. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) hervor, die Montag vorgestellt wurde.

Demnach haben sich sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen der westbrandenburgischen IHK-Mitglieder deutlich eingetrübt. Entsprechend ist der sogenannte Geschäftsklimaindex (GKI) der Kammer zufolge mit 119,3 Punkten auf den niedrigsten Stand seit sechs Jahren und unter den zehnjährigen Durchschnittswert von 123,5 Punkten gerutscht. Der Index wird aus der aktuellen Lage und den Erwartungen der Firmen ermittelt.

Brexit und die Handelsspannungen weltweit lassen Nachfrage sinken

Als einen Grund für die schlechte Stimmung nennt die IHK den Nachfragerückgang von inländischen Großkunden, der wiederum aus den aktuellen Handelsspannungen in der Welt, etwa zwischen den USA und China, sowie dem Brexit-Chaos resultiere. Aber auch der Fachkräftemangel drücke die Stimmung, heißt es. Erstmals sei 2013 würden negative Erwartungen überwiegen, erklärte Potsdams IHK-Chef Mario Tobias und äußerte diesbezüglich konkrete Forderungen an die Politik: „Die Unternehmen brauchen jetzt dringend Wachstumsimpulse, wofür die Politik die Verantwortung trägt“, so Tobias. Notwendig seien modernste Infrastrukturen, ein spürbarer Bürokratieabbau, auf kleine und mittlere Unternehmen zugeschnittene Förderinstrumente und schnelle Verwaltungen: All das müsse von der neuen Landesregierung ambitioniert vorangetrieben werden. „Das Land muss zudem dringend die administrativen Prozesse bei der gezielten Zuwanderung von Fachkräften und Auszubildenden vereinfachen“, forderte der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Allerdings weise der aktuelle Index trotz negativer Entwicklung einen soliden Wert auf, der ein Wachstum in der westbrandenburgischen Wirtschaft signalisiere. Demnach sprechen der Umfrage zufolge 51,8 Prozent der Unternehmen von einer guten Geschäftslage. Dies sind rund acht Prozentpunkte weniger als zur Befragung vom Frühsommer. Aber auch die Zahl derer, die die Geschäftslage als schlecht einschätzen, ist um 1,2 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent zurückgegangen.

Die Baubranche ist nach wie vor zufrieden

Nach wie vor zufrieden ist die Baubranche. Aber auch dort lasse sich ein gewisser Sättigungseffekt ablesen, heißt es. Stark eingetrübt hat sich laut IHK die Lage bei der Industrie. Nur noch rund 37 Prozent bewerten sie als gut (zuvor rund 56 Prozent), knapp zehn Prozent der Firmen berichten von schlechten Geschäften. Beim Blick in die Zukunft setzt sich der IHK zufolge der Abwärtstrend fort. Insgesamt 19 Prozent erwarten eine schlechtere Geschäftslage in den nächsten zwölf Monaten. Dem stehen nur rund 17 Prozent entgegen, die eine bessere Geschäftslage prognostizieren.

Als größtes Risiko sehen die Unternehmen im Raum Potsdam dabei den Fachkräftemangel an. Zunehmend könnten Aufträge wegen Personalmangels nicht angenommen werden, was sich zu einem immer stärkeren Wachstumshemmnis entwickelt, so die Kammer. Allerdings scheint die konjunkturelle Abkühlung auch schon auf den Arbeitsmarkt umzuschlagen. Der Anteil der Firmen, die ihre Beschäftigtenzahl abbauen wollen, hat sich mit 14,6 Prozent verdoppelt. Zwar wollen mit 22,5 Prozent weiterhin deutlich mehr Firmen Personal einstellen. Dies ist aber laut IHK der geringste Wert seit Herbst 2013.