• „Houserunning“ am Hotel Mercure: Potsdam, kopfüber

„Houserunning“ am Hotel Mercure : Potsdam, kopfüber

Das war nichts für schwache Nerven: Beim ersten „Houserunning“ am Hotel Mercure spazierten am Samstag 50 Mutige 62 Meter vom Dach die Fassade hinab.

Andrea Lütkewitz
Mutig. Auch Hoteldirektor Marco Weselowski lief die Wand runter.
Mutig. Auch Hoteldirektor Marco Weselowski lief die Wand runter.Foto: R. Budweth

Plötzlich war sie weg, die Stimme. Obwohl Hannes Kreuziger am Samstag versprochen hatte, live für Radio Potsdam 89.2 zu singen, kam zunächst kein Ton aus seiner Kehle. Mindestens genauso sprachlos waren seine Zuschauer, denn der Potsdamer Liedermacher hing mit dem Gesicht nach unten im 45-Grad-Winkel von der Dachkante des Hotels Mercure – in 62 Metern Höhe.

Kreuziger war spontan zum Hotel gekommen, von dem Radio Potsdam live übertragen hatte. Anlässlich des 5. Radiogeburtstages hatte der Sender 50 Mal „Houserunning“ verlost – das ist das senkrechte Herunterlaufen an einer Hauswand. Die Mutigen – mehr als 500 haben sich für dieses Kopfüber beworben – werden dabei mit Seilen an einem Gerüst befestigt und von zwei Helfern langsam heruntergelassen.

Einer hat gekniffen

Kreuziger hatte zwar nicht an der Verlosung teilgenommen, aber angeboten, er werde beim Herunterlaufen singen, wenn er mitmachen dürfe. Atemlos klang er dann, als er „Mein Verstand setzt aus, und mein Herz setzt ein / Ich vertrau mir selbst, es kann so einfach sein“ singt, Zeilen aus einem seiner Songs. Mit dem Gesicht nach unten habe er allerdings erst einmal sein ganzes Leben an sich vorbeiziehen sehen, sagt er anschließend.

Unüblich ist es darum offenbar nicht, wenn sich kurz vor dem Start dann jemand doch nicht traut: „Heute hat einer gekniffen“, erzählt John Davis, Mitarbeiter der Jochen Schweizer GmbH, die Technik und Know-how mit aufs Hoteldach gebracht haben. Ein junger Mann habe beim Blick nach unten dann doch Angst bekommen. Und tatsächlich ist auch anderen Teilnehmern, die im 17. Stock auf ihren ungewöhnlichen Spaziergang warten, die Aufregung anzusehen, blass um die Nase sieht der ein oder andere aus.

Juliane Adam wollte etwas Neues nach Potsdam holen

Davis arbeitet seit 1995 für das Unternehmen, das außergewöhnliche Events wie Fallschirmspringen oder Dinner unter Wasser verkauft. Schwindelerregende Höhen sind für ihn Routine, zu Beginn seiner Arbeit habe er aber sehr großen Respekt vor der Verantwortung gehabt – und davor, in der Höhe umherzuklettern. „Es ist aber noch nie etwas passiert“, sagt er. Alle Teilnehmer würden doppelt mit einem Spezialgurt gesichert und könnten ihre Abseilgeschwindigkeit selbst steuern. Auch sei jeder Ort von oben etwas Besonders: „Potsdam ist sehr grün und die neue und alte Architektur nebeneinander einmalig“, findet Davis.

Juliane Adam, Geschäftsführerin von Radio Potsdam, wollte mit dem Houserunning etwas nach Potsdam holen, was es so noch nicht gab. „Wo sonst in Potsdam könnte man so etwas machen?“ fragt sie. Das Mercure habe sich angeboten, die Hotelleitung sei von der Idee begeistert gewesen. Und am Ende ließ sich auch Hoteldirektor Marco Weselowski nicht zweimal bitten und lief – zwar nicht singend, aber fröhlich – winkend auf seine am Boden wartenden Angestellten zu. Und hat damit sein Haus noch einmal ganz neu betreten. 

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