Potsdam : Höhen und Tiefen erleben

Die Fachhochschule „Clara Hoffbauer“ Potsdam bietet ab September drei Studiengänge mit Praxisbezug

Foto: Andreas Klaer

Hermannswerder - Eine einzigartige Hochschulausbildung wird ab Herbst auf Hermannswerder angeboten. Am 1. September beginnt dort das erste Trimester der Fachhochschule „Clara Hoffbauer“ Potsdam, die mit drei dualen Studiengängen Sozialpädagogen mit kulturellen Schwerpunkten ausbildet. In ihrem Konzept, kulturelle Arbeit in soziale Arbeit zu integrieren, ist die Fachhochschule deutschlandweit einzigartig, hieß es.

Die FH geht aus der derzeit noch bestehenden „Berufsakademie für soziale Arbeit“ hervor, die ab September nicht mehr existieren wird. „Wir freuen uns sehr, zu einer Fachhochschule zu werden, die kulturelle Bildung und ästhetisch-kreative Methoden in sozialen Arbeitsfeldern verbindet“, sagt die Gesamtleiterin der Hoffbauer Berufsakademie, Christiane Gerischer, die auch die Leitung der FH übernehmen wird. Im Unterschied zur Berufsakademie, in der die Lehre im Vordergrund steht, gebe es jetzt außerdem die Möglichkeit, wissenschaftlich zu forschen.

Konkret werden die Studiengänge „Bewegungspädagogik und Tanz in Sozialer Arbeit“, „Musikpädagogik und Musikvermittlung in Sozialer Arbeit“ und „Sprache und Sprachförderung in Sozialer Arbeit“ angeboten. Alle drei Angebote sind auf einen Bachelorabschluss beschränkt, bilden aber die Voraussetzung für einen Master in ganz Europa, wie Gerischer betont. Auch bilden die Studiengänge keine Konkurrenz zu den herkömmlichen Ausbildungen im Bereich Soziale Arbeit, da der Schwerpunkt eben in der kulturellen Bildung liege. Außerdem hebe das Dualsystem sich deutlich davon ab. „Alle Studierenden sind bei uns von Anfang an auch in einer Einrichtung ihrer Wahl tätig“, so Gerischer. Sie selbst hat Musikethnologie an der Freien Universität Berlin studiert, eine Percussionausbildung absolviert, als Musikjournalistin gearbeitet und war auch in der Jugendarbeit tätig.

Zwei Praxistage pro Woche sind vorgesehen, an den anderen drei werden Seminare und Vorlesungen besucht. Ein Praxisvertrag ist dabei Voraussetzung für die Immatrikulation an der FH, eine Bewerbung ist aber auch ohne möglich. Die Einrichtung – Kindertagesstätte, Hort, Wohneinrichtung oder ähnliches – kann aus den 50 bis 100 Kooperationspartnern der FH gewählt oder unabhängig gesucht werden. „Die Studierenden bleiben dann während des ganzen Studiums – ein Bachelor dauert drei Jahre – in ihrer Einrichtung“, erklärt Gerischer. „Sie sollen dort auch wirklich integriert werden, Höhen und Tiefen erleben, sich Konflikten stellen.“ In besonderen Fällen könne aber auch noch mal gewechselt werden. Der Praxisteil schafft auch die Voraussetzung zur Finanzierung des Studiums – denn das kostet 450 Euro pro Monat. „Wir finanzieren uns nur durch die Studiengebühren und Stiftungsgelder, es gibt keine staatlichen Zuschüsse“, erklärt Jürgen Kraetzig, Vorstandsvorsitzender der Hoffbauer-Stiftung. Natürlich hätten die Studierenden im Einzelfall auch Anrecht auf Bafög, die Verträge mit den Betrieben sollten aber sicherstellen, dass mindestens die 450 Euro gedeckt werden.

Aus dem praxisnahen Studienaufbau ergebe sich auch die Einteilung in Trimester, also drei Abschnitte pro Studienjahr, die jeweils von September bis Weihnachten, von Januar bis April und von Mai bis August gehen. „Wir brauchen einfach für den theoretischen Stoff etwas mehr Zeit und haben uns deswegen für diese Aufteilung entschieden“, so die Leiterin. Dabei haben die Studierenden insgesamt nur sechs Wochen Urlaub und nicht, wie etwa an der Universität, mehrere Monate Semesterferien. Wie Kraetzig erklärte, seien alle Rahmenlehrpläne und Prüfungsordnungen bereits festgelegt. Dabei müsse jedes Modul mit einer Prüfung abgeschlossen und am Ende des Studiums eine wissenschaftliche Bachelorarbeit geschrieben werden.

Bisher gebe es etwa zehn bis fünfzehn Bewerbungen pro Studiengang, jeweils 25 Studierende werden zugelassen. Für alle drei Ausbildungsrichtungen müsse man Vorkenntnisse mitbringen, beispielsweise ein Instrument spielen, eine tanzverwandte Sportart beherrschen oder dem kreativen Schreiben zugeneigt sein. Insgesamt gibt es acht Professuren, von denen zwei Drittel schon besetzt sind. Hinzu kommen mehrere Lehrbeauftragte, die unterstützend in der Lehre tätig sind. Um genug Räumlichkeiten für die Studierenden zu schaffen, wird nicht nur das Gebäude Nummer 7, sondern auch das Areal dahinter genutzt werden. Der leerstehende Flachbau 8b wird dabei abgeräumt und bis Sommer 2017 mit zusätzlichen Seminarräumen ausgestattet.

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