• Geplantes Digitalzentrum in Potsdam: Anwohner kritisieren Großprojekt

Geplantes Digitalzentrum in Potsdam : Anwohner kritisieren Großprojekt

Am Mittwoch beraten die Stadtverordneten über das geplante  Digitalzentrum an der RAW-Halle. Für Anwohner sind noch viele Fragen offen. 

Auf dem RAW-Gelände haben die ersten Arbeiten bereits begonnen.
Auf dem RAW-Gelände haben die ersten Arbeiten bereits begonnen.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Vor der Sitzung der Stadtverordneten am Mittwoch hat sich die Anwohnerinitiative "Teltower Vorstadt" einmal mehr mit Kritik am geplanten Digitalzentrum an der früheren RAW-Halle zu Wort gemeldet. So seien noch zahlreiche Fragen unbeantwortet, macht die Initiative deutlich - und appelliert an die Stadtverordneten, "kritisch zu hinterfragen".

Wie berichtet soll es in der Sitzung um den Auslegungsbeschluss für den RAW-Bebauungsplan gehen, auch der Durchführungsvertrag mit dem Investor steht auf der Tagesordnung. Allerdings hat noch keine Debatte in den Fachausschüssen der Stadtverordnetenversammlung stattgefunden, daher ist eine Überweisung in diese wahrscheinlich. 

Viel Kritik von den Anwohnern

Für die Diskussion hat die Initiative diverse Fragen - etwa zu den "Auswirkungen der massiven Baukörper auf das Stadtklima",  bleiben damit weiter unbeantwortet. Ferner fürchtet man, es könnte "ein Spekulationsobjekt in prominenter Lage und mit schillernder Architektur" entstehen, so sei die konkrete Nutzung des Gebäudes für die Zukunft nur "sehr grob gefasst". 

Auch um zunehmenden Parkdruck sorgt sich die Anwohnerinitiative - und bemängelt, dass das Rathaus einen Milieuschutz für das Gebiet erst für nächstes Jahr in Aussicht gestellt hat. "Was nutzt eine Erhaltungssatzung in zwei bis drei Jahren, wenn aufgrund des erfolgten Starts des Bauvorhabens in dessen Umfeld schon spekuliert wird, Wohnungsmieten steigen oder andere Maßnahmen zur Verdrängung der Mieterschaft getroffen werden?"

Die Grünen wollen die Baugenehmigung verzögern

Das Thema ist auch in der Stadtpolitik noch umstritten. So haben die Grünen immer noch einen Antrag im Geschäftsgang, dass Baugenehmigungen erst erfolgen können, "wenn die Stadtverordnetenversammlung nach der öffentlichen Auslegung die Abwägung gebilligt sowie Satzung und Durchführungsvertrag beschlossen hat". Die Grünen begründen das so: "Aus Gründen der Beteiligungskultur in Potsdam hält es die Stadtverordnetenversammlung deshalb für geboten, angesichts der Bedeutung und der Größenordnung des Vorhabens die Wirksamkeit ihrer Beschlüsse durch die Einhaltung der regulären Verfahrensreihenfolge Auslegung, Abwägung und Satzungsbeschluss in Verbindung mit dem Durchführungsvertrag zu sichern."

Zuletzt hatte das Rathaus bereits signalisiert, wenn die im Herbst geplante öffentliche Auslegung des B-Plan keine relevanten Änderungen erfordere, könnte auch schon die Baugenehmigung erteilt werden. Wie berichtet sollen in dem Innovations- und Digitalzentrum mit Büro- und Gewerbeflächen für rund 1000 Arbeitsplätze auch Einzelhandel und Cafés angesiedelt werden, ferner ein Fitnesscenter und ein Club für Konzerte und Partys. 

Ziel sind 1400 Arbeitsplätze vor Ort, das Investitionsvolumen liegt bei mehr als 100 Millionen Euro. Das Zentrum wird von dem Stararchitekten Jürgen Mayer H. geplant. Investor ist der lettische Ölhändler Michael Zeligman. Sowohl die Halle als auch das gesamte Gelände hatten Jahrzehnte brach gelegen, nachdem die Bahn den Standort im Jahr 1999 aufgegeben hatte.

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