Potsdam : Generationsübergreifendes Werk

Die beiden Potsdamer Dr. Klaus Gallinat und Peter Rosenzweig schreiben derzeit an einem Buch mit dem Titel „ Hundert Jahre Babelsberg 03“

Michael Meyer

Die beiden Potsdamer Dr. Klaus Gallinat und Peter Rosenzweig schreiben derzeit an einem Buch mit dem Titel „ Hundert Jahre Babelsberg 03“ Von Michael Meyer Der eine tippt auf einer alten jugoslawischen Reiseschreibmaschine aus Sarajevo, der andere bedient sich eines modernen Computers. Peter Rosenzweig zählt 73 Lenze, während Dr. Klaus Gallinat auf 45 Lebensjahre zurückblickt. Zwei Generationen, die generationsübergreifend an einer gemeinsamen Arbeit sitzen: Die beiden Babelsberger schreiben derzeit an einem Buch mit dem Arbeitstitel „Hundert Jahre Babelsberg 03“. Und damit fängt das Problem schon an. „Wir schreiben über Fußball, und in dem Zusammenhang stimmen hundert Jahre Nulldrei eigentlich ebenso wenig wie hundert Jahre Fußball in Babelsberg“, meint Klaus Gallinat. „Bei Jugendkraft 03 als Nulldrei-Ursprung wurde anfangs noch gar kein Fußball gespielt. Erst ab 1919, als sich der Verein mit Fortuna 05 zusammenschloss. Und Fußball wurde in Babelsberg schon vor 1903 gespielt – bei TuS Nowawes. Man kann es also eigentlich niemandem recht machen…“ Verschiedene Auffassungen gibt es auch, welcher Verein genau wessen eigentlicher Nachfolger wurde. Daher wollen die Autoren im Vorwort ihres Buches die von ihnen befolgte Traditionslinie begründen: von Jugendkraft 03 und Fortuna 05 über die SG Babelsberg, BSB „MV“ und Rotation Babelsberg zum SC Potsdam, Motor Babelsberg und schließlich zum SV Babelsberg 03. „Das ist nunmal die gerade Traditionspflege“, meint Gallinat. Der Schwarzschopf ist aufs Engste mit dem Babelsberger Fußball verbunden. 1965 begann er bei Motor zu kicken, ehe er 1972 zur damaligen Kinder- und Jugendsportschule Frankfurt (Oder) ging, wo er u. a. mit Jörg Nachtigall und Jürgen Theuerkorn spielte. Später war er für Motor Babelsberg, die ASG Löcknitz, die HSG Pädagogische Hochschule Potsdam und Stahl Oranienburg vorwiegend als Abwehrspieler aktiv, ehe ihn zwei Miniskusoperationen stoppten; fortan war er Nachwuchscoach bei Stahl. Als der studierte Sport- und Erdkundelehrer als wissenschaftlicher Mitarbeiter zurück an die Potsdamer Universität kam, holte ihn Babelsbergs damaliger Sponsor Volker Buchholz 1991 als Nachfolger von Trainer Josef Pellert wieder zu Motor. „Als Trainer war man gleich automatisch Sportlicher Leiter im Vereinsvorstand. Daher bin ich, obwohl mich Buchholz noch in der gleichen Saison gegen Jörg Nachtigall austauschte, von Anfang an im Vorstand des SV Babelsberg 03.“ Das ist der Familienvater immer noch, „wobei die letzten Monate die schwersten waren, weil einem niemand mehr etwas glaubte“, blickt Gallinat auf die Zeit des Insolvenzverfahrens zurück. Ereignisse abseits des Rasens wie in den letzten Monaten und Anekdoten werden im Buch über Babelsbergs Fußball so gut wie keine Rolle spielen. „Die sportlichen Aspekte stehen klar im Vordergrund“, erklärt Gallinat, der jetzt als Referent der Kanzlerin Steffi Kirchner an der Potsdamer Uni tätig ist. „Pro Spielsaison wird es zwei Seiten Text geben, dazu alle Ergebnisse der Babelsberger und die Abschlusstabelle.“ 40 bis 50 Fotos werden eingegliedert. Hatten die Autoren anfangs noch 200 Seiten konzipiert, soll das Buch nun rund 300 Seiten stark werden. „Wir werden mit der Spielzeit ab 1919 beginnen, denn vorher lohnt es sich noch nicht“, meint Peter Rosenzweig zum gemeinsamen Projekt. Der heutige Rentner war nie aktiver Fußballer, obwohl sein Vater aus Gelsenkirchen stammt, der Stadt des FC Schalke 04. Der gebürtige Lübbener wurde statt dessen nach 1945 zweimal Potsdamer Jugendmeister im Tischtennis. Dennoch interessierte sich Peter Rosenzweig von kleinauf für Fußball; bereits als Sechsjähriger studierte er das Fachblatt „Fußball-Woche“. „Und ich habe schon als Junge Zeitungen gesammelt, die mein Vater kaufte. Mittlerweile habe ich über 300 Zeitungsbände ab 1919 – das ist der Grundstock, auf dem meine Arbeiten fußen“, erzählt Rosenzweig, der den PNN-Lesern seit Jahren durch Artikel über die Nulldrei-Historie und Babelsbergs Fußballfans durch Beiträge in den SVB-Stadionheften und im Internet als Autor bekannt ist. Als Kenner der Babelsberger Fußball-Geschichte wurde der frühere Abteilungsleiter eines zeitgeschichtlichen wissenschaftlichen Instituts in Berlin, der für seine Rückblicke bereits in den 70er Jahren zu recherchieren begann, sogar von Interessenten aus den USA und den Niederlanden angerufen. Als in den letzten Kriegsjahren Zeitungsartikel über Fußballspiele rarer wurden, notierte Rosenzweig die Aufstellungen der Babelsberger Partien dank eigener Anwesenheit oder durch Informationen von Bekannten in seinem Tagebuch. „Daher haben wir von jedem Babelsberger Spiel seit 1928 die Aufstellung“, freut sich heute auch Gallinat über Rosenzweigs Akribie. Kurios allerdings: Aus der Saison 1990/91 fehlen zahlreiche dieser Angaben. Auch Gallinat – der im Februar 1997 seine Doktorarbeit über Körperkultur und Sport von 1945 bis 1952 vor allen in Brandenburg und Potsdam beendete – sammelt alles, was mit dem Fußball in seiner Heimatstadt zu tun hat. „Ich habe rund tausend Fußballprogramme von Babelsberger Spielen ab der Nachkriegszeit.“ Auch auf das älteste Mannschaftsfoto mit dem Nowaweser Team von 1919/20 kann zurückgegriffen werden. Bis Ende September soll das Manuskript der beiden fertig sein, das Layout ist es schon, derzeit suchen die Autoren Verlag und Druckerei. Bis zum offiziellen Vereinsgeburtstag am 1. Oktober wird ihr Buch noch nicht auf dem Markt sein, wahrscheinlich auch noch nicht am 25./26. Oktober, wenn der SVB den „Hundertsten“ mit einem Stadionfest feiern will. „Rechtzeitig vor Weihnachten soll es aber vorliegen“, hofft Gallinat. „Wir haben schon zahlreiche Anfragen von Babelsbergern, die sich das Buch als Geschenk für Kumpel, Vater oder Opa vorstellen.“ Das Interesse am Nulldrei-Fußball ist ungebrochen. Generationsübergreifend.

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