• Garnisonkirche und Rechenzentrum: Stadt will Kompromiss suchen lassen

Garnisonkirche und Rechenzentrum : Stadt will Kompromiss suchen lassen

Potsdam will doch noch einen Kompromiss für den Standort von Garnisonkirche und Rechenzentrum finden. Bis Herbst 2021 soll über ein inhaltliches Konzept diskutiert werden. Danach geht es um die Gestaltung.

Vertragen sich Garnisonkirche und Rechenzentrum vielleicht doch an einem Ort?
Vertragen sich Garnisonkirche und Rechenzentrum vielleicht doch an einem Ort?Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Potsdam will die nächste Phase einer Kompromisssuche für den Standort von Garnisonkirche und Rechenzentrum starten. Über einen entsprechenden Vorschlag von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) debattieren die Stadtverordneten am Mittwoch. Zunächst soll es bis Herbst 2021 in einem für 70.000 Euro moderierten Prozess um ein inhaltliches Konzept gehen. Im Anschluss soll die Gestaltung des Areals an der Kreuzung von Dortustraße und Breite Straße zum Thema werden.

Wie berichtet greift die Kommunalpolitik seit dem Amtsantritt von Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) vor zwei Jahren wieder verstärkt in die Diskussion ein. Anfang November hatte Schubert im Hauptausschuss erklärt, dass es Einzelgespräche mit den Vertretern der Wiederaufbaustiftung und denen des Rechenzentrums gegeben habe. Beide Seiten hätten signalisiert, dass sich alle Betroffenen auf ein Verfahren einlassen können. 

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Das findet sich nun auch im Beschlussvorschlag wieder: "Die Stadtverordnetenversammlung bestätigt die gemeinsame Vereinbarung zwischen der Landeshauptstadt Potsdam, der Stiftung Garnisonkirche Potsdam und den Nutzenden des Rechenzentrums zur Erstellung eines inhaltlichen Konzeptes für den Standort Garnisonkirche/Rechenzentrum", heißt es darin. Mit den Eigentümern der Grundstücke und den jeweiligen Nutzenden soll in einem mehrstufigen Verfahren ein Nutzungs- und Gestaltungskonzept abgestimmt werden. 

Neue Möglichkeiten der Auseinandersetzung

Ein Entwurf für eine entsprechende Vereinbarung ist dem Beschlussvorschlag als Anlage beigefügt. Darin heißt es, "die Unterzeichnenden wollen dazu beitragen, neue Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft zu schaffen". Bei allen Überlegungen und Diskussionen gelte es, der Komplexität des Ortes Rechnung zu tragen. Ziel sei es, Wege zur Toleranz zu gestalten, aus der Vergangenheit Wege der Verantwortung und des demokratischen Zusammenhalts für die Gegenwart und Zukunft aufzuzeigen, insbesondere für die nachwachsenden Generationen.

Angesichts der polarisierten Diskussion der vergangenen Jahre über den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche dürfte das spannend werden. Bislang hatte die Stiftung einen Verzicht auf das Kirchenschiff, auf dessen Grundstück zum Teil das Rechenzentrum steht, immer abgelehnt - auch mit Verweis auf den Stiftungszweck. Kritiker lehnen den Wiederaufbau unter anderem wegen der historischen Rolle des Ortes bei der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ab.

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