• Garnisonkirche in Potsdam: Kontroverse um Glockenspiel geht weiter

Garnisonkirche in Potsdam : Kontroverse um Glockenspiel geht weiter

"Mitteschön" will ab jetzt wöchentlich mit christlichen Gesängen gegen das Abschalten des Glockenspiels protestieren. Außerdem veröffentlichte die Initiative die umstrittenen Widmungen.

Das Glockenspiel der ehemaligen Garnisonkirche ist abgeschaltet.
Das Glockenspiel der ehemaligen Garnisonkirche ist abgeschaltet.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Bürgerinitiative „Mitteschön“ hat angekündigt, jeden Sonntag um 12 Uhr am ausgeschalteten Glockenspiel der Garnisonkirche christliche Lieder zu singen – und zwar solange, „bis es wieder erklingen darf!“. Das teilte die Initiative auf ihrer Internetseite mit. Dort veröffentlichte man auch die umstrittenen Widmungen, wegen der sich Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und auch die Gesellschaften für den Wiederaufbau auf die Abschaltung geeinigt hatten – um das 1991 der Stadt geschenkte Glockenspiel und seine Entstehung wissenschaftlich zu bewerten und den künftigen Umgang damit breit zu diskutieren, wie es hieß. 

Auf den Inhalt der Inschriften auf dem Glockenspiel hatten erst kürzlich rund 100 Künstler, Wissenschaftler und Architekten hingewiesen. Auf dem Geläut finde sich eine Reihe revisionistischer, rechtsradikaler und militaristischer Widmungen, hieß es. So werden zahlreiche, auch revisionistische Soldatenverbände geehrt – und Wehrmachtstruppenteile. Gleichwohl fragt "Mitteschön" Schubert: „Welche der Widmungen hält er persönlich für so kritisch, dass er entschieden hat, die Kirchenlieder des Glockenspiels abzustellen, bevor die wissenschaftliche Auswertung vorliegt?“

Afd: "Völlige Ignoranz"

Auch die AFD empört sich über die Abschaltung. Deren Vorstandsmitglied Chaled-Uwe Said schrieb: „Nur aus völliger Ignoranz oder einem geklitterten Geschichtsbild kann man zum Schluss kommen, man müsse Ort und Sinn des Glockenspiels neu diskutieren, weil angeblich Sprüche auf den Glocken revisionistisch wären.“

Schubert sagte am Mittwoch zu solcher Kritik vor den Stadtverordneten: „Für einen breiten Dialog ist es nötig, dass viele mitwirken, Gegner und Befürworter.“ Dazu brauche es auch Gesten der gegenseitigen Akzeptanz. Es gehe nicht darum, für Gegner oder Befürworter des Wiederaufbaus Partei zu ergreifen. „Es geht um ein stilles Signal, ein Innehalten. Es geht darum, gemeinsam eine Lösung zu suchen.“