• Freundeskreis Jyväskylä: Teilnehmer für Finnland-Reise gesucht

Freundeskreis Jyväskylä : Teilnehmer für Finnland-Reise gesucht

Der Freundeskreis plant erstmals seit Jahren wieder eine Bürgerreise nach Jyväskylä und sucht noch Teilnehmer, die ein Stückchen Finnland entdecken wollen.

So sieht es in Jyväskylä aus. 
So sieht es in Jyväskylä aus. Foto: Klaus Fahlbusch

Der Donnerstag, sagt Alexander Richter, ist in Finnland Erbsensuppentag. „Dann gibt es die Suppe in vielen Restaurants.“ Auch typisch finnisch: Pfannkuchen aus dem Backofen mit Bärlauch und Brennnessel, dazu Räucherlachs. Oder karelische Piroggen mit Milchreisfüllung – klingt komisch, aber Richter zeigt Fotos davon. Solche Sachen gibt es auch bei den finnischen Abenden, die der Freundeskreis Potsdam-Jyväskylä regelmäßig veranstaltet. Und natürlich direkt in Finnland. Der 48-jährige Potsdamer ist seit 2015 Vorsitzender des Freundeskreises und will in diesem Jahr endlich wieder eine Bürgerreise in Potsdams Partnerstadt organisieren. Die letzte ist bereits einige Jahre her. In der Beziehung zwischen den beiden Partnerstädten ist es eher ruhig geworden. Richter findet das schade und möchte den Austausch neu beleben. Er selbst vermittelt, wenn man ihm zuhört, viel Finnland-Begeisterung, die er gerne weitergibt.

Alexander Richter leitet den Freundeskreis Jyväskylä.
Alexander Richter leitet den Freundeskreis Jyväskylä.Foto: Ottmar Winter

Alles begann mit einem Zufall. Vor Jahren las Richter das Buch „Das Jahr des Hasen“ des finnischen Autors Arto Paasilinna – ein Lesetipp von der Kulturseite dieser Zeitung. Im Roman kümmert sich ein Mann um einen verletzten Hasen und steigt dabei immer tiefer in die finnische Landschaft und Mentalität ein. Diese Schilderungen, sagt Richter, machten ihn neugierig auf das Land. Er besuchte Helsinki und war total beeindruckt. Die Menschen schienen weniger laut und hektisch als in seiner Heimat und doch sehr offen und zufrieden. „Die Finnen sind die glücklichsten Menschen, laut Weltglücksbericht.“ Nach seiner Rückkehr suchte er Kontakt zum Freundeskreis und hat in den letzten Jahren mehrmals, auch privat, das Land und vor allem Jyväskylä besucht. Der Städtename geht ihm leicht über die Lippen. „Das heißt so viel wie Körner-Dorf“, sagt Richter, „Kylä, das Dorf, dann merkt man es sich.“

Ein Dorf ist Jyväskylä nun nicht, die Stadt in Mittelfinnland hat knapp 140.000 Einwohner, eine Universität und Fachhochschule, ist wichtiger Industriestandort, Wintersportzentrum und liegt an Finnlands längstem See. Seit 1985 ist die Stadt Potsdams finnischer Partner. Es war die erste Beziehung zwischen zwei Städten über den eisernen Vorhang hinweg. Der DDR erschien Finnland in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sowjetunion womöglich weniger verdächtig als andere westliche Städte, vermutet Richter.

Dieses Jahr soll ein Apfelbaum gepflanzt werden

Gegenseitige Besuche gibt es jedoch erst seit der Wende. Der Freundeskreis lud Schriftsteller ein und organisierte über die Berlin-Brandenburgische Auslandsgesellschaft einen Finnisch-Sprachkurs. 2017 fuhr der Chor Cantamus Potsdam, in dem auch Richter singt, nach Jyväskylä. Zum Europafest am 9. Mai hat Richter zwei Sängerinnen aus Finnland nach Potsdam eingeladen, die beim Fest auf dem Alten Markt auftreten werden. Wenn die Potsdamer dieses Jahr nach Finnland fahren, wollen sie einen Apfelbaum aus einer regionalen Baumschule mitnehmen und dort auf einer öffentlichen Obstbaumwiese pflanzen. Prominenter Gärtner wird Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) sein. Außerdem wollen Schubert und Richter, beide trainierte Läufer, an einem Lauf des Finlandia-Marathons teilnehmen.

Am See bei Jyväskylä.
Am See bei Jyväskylä.Foto: Klaus Fahlbusch

Ansonsten wird die Bürgerreise vom 6. bis 15. September eher entspannend, verspricht Richter. Es soll ja zum Land passen und den hektischen Potsdamern neben dem touristischen Programm auch eine Auszeit bieten. Mitfahren kann jeder, man muss nicht zum Freundeskreis gehören. Im umweltfreundlichen Verkehrsmittel, dem Reisebus, geht es nach Travemünde, von dort mit der Fähre über die Ostsee nach Helsinki und Jyväskylä. Übernachtet wird in Hotels, zwischendurch auch in einer Ferienhütte im Wald für einen „Erlebnistag in der finnischen Natur“, inklusive Saunabesuch. In Jyväskylä sind die moderne Architektur und Stadtplanung interessant, sagt Richter, besonders die Bauwerke des weltbekannten Architekten Alvar Aalto, der für seine Heimatstadt das Alvar-Aalto-Museum entworfen hat. Für Potsdamer vielleicht befremdlich, wurde in Jyväskylä seit den 1950er-Jahren viel Altbausubstanz durch Neubau und moderne Architektur ersetzt. Man kann aber einzelne historische Bauten finden. Oft sind das Holzhäuser in ihrer typischen nordischen Bauweise.

Das Thema Klimawandel ist auch Teil der Partnerschaft

Für Richter, der sich für Geografie und Meteorologie interessiert, ist auch der Klimawandel wichtiges Thema einer Städtepartnerschaft: Wie erleben die Finnen diese Veränderungen und gehen damit um? „Die finnischen Sommer werden wärmer, die Mücken weniger, das Wetter für unsere Erwartungen also besser“, sagt Richter. „Aber im Winter kommt der Schnee nun viel später als sonst. Das macht das Land, die Städte und Landstraßen, noch dunkler als ohnehin in der sehr langen, dunklen Jahreszeit. Das ist richtig gefährlich, weil man im Straßenverkehr noch mehr aufpassen muss.“ Grundsätzlich hat er die Finnen als umweltbewusst und naturverbunden erlebt. „Lebensmittel in Bioqualität sind für sie eine Selbstverständlichkeit.“

Sauna im Garten

Das Land imponiert Richter. Ein bisschen Finnisch-Feeling hat er sich deshalb in seinen Potsdamer Alltag geholt. Eine Sauna im Garten, skandinavisches Design im Haus. Und ab und zu pflückt er Bärlauch und Brennnesseln von den Wiesen im Bornstedter Feld – für einen finnischen Pfannkuchen.

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