• Folgen des Potsdamer Cyberangriffs: Lange Wartezeiten beim Bürgerservicetelefon

Folgen des Potsdamer Cyberangriffs : Lange Wartezeiten beim Bürgerservicetelefon

Noch immer funktioniert die Online-Terminvergabe des Potsdamer Bürgerservice nicht, die Telefone sind deswegen überlastet. Die Stadt vertröstet die Bürger auf die nächsten Wochen.

Die Potsdamer Stadtverwaltung.  
Die Potsdamer Stadtverwaltung.  Foto: Ottmar Winter


Potsdam - Der Cyberangriff vom Januar auf das Potsdamer Rathaus hat noch immer Auswirkungen auf den Bürgerservice: Wie die Presseabteilung der Verwaltung am Montag auf Anfrage der PNN bestätigte, funktioniert die Online-Terminverwaltung noch nicht. Termine könnten daher nur telefonisch vergeben werden. Weil seit dem Beginn der Corona-Pandemie der Informationsschalter des Bürgerservicecenters geschlossen wurde, sei eine persönliche Vorsprache aber nicht mehr ohne einen telefonischen Vorabtermin möglich. „All dies hat zu einer erhöhten telefonischen Nachfrage geführt”, heißt es in einer Mitteilung des Rathauses.

Wiederholt hatten sich empörte Bürger an die PNN-Redaktion gewandt und sich über ständig besetzte Telefonanschlüsse des Rathauses beschwert. Eine Potsdamerin berichtete über ihre gescheiterten Versuche, ihr Auto anzumelden. Das Telefon sei „dauerhaft besetzt” gewesen, auf eine Anfrage per E-Mail habe sie die Antwort erhalten, sich in der 26. Kalenderwoche, die am 22. Juni beginnt, zu melden – um nachzufragen, ob ein Termin vereinbart werden könne. „Na wunderbar, dachte ich mir, dann rufe ich in zwei Wochen an um zu hören, es gibt keine weiterin Termine”, schrieb sie den PNN. Sie habe sich auch beim Oberbürgermeister beschwert: „Wurde auch gelesen, aber keine Ahnung von wem.” 

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Der Bürgerservice der Stadt ist derzeit nur mit Termin nutzbar.
Der Bürgerservice der Stadt ist derzeit nur mit Termin nutzbar.Foto: Andreas Klaer

Das Bürgertelefon ist stark frequentiert

Nach Angaben der Stadt ist der telefonische Andrang am Vormittag am größten. Zwischen den einzelnen Wochentagen gebe es kaum einen Unterschied. Die von der Verwaltung auf Anfrage der PNN freigegebenen Zahlen zeigen, wie stark frequentiert das Bürgertelefon ist: In der Woche vom 1. bis zum 5. Juni wurden 462 Anrufe bearbeitet, 115 am Tag. Dabei seien 384 Termine vergeben worden. Am Schalter wurden 1264 Termine bearbeitet, 316 pro Tag.

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Die Verwaltung der Landeshauptstadt geht davon aus, dass die Terminverwaltung für die Potsdamer Bürger "in den nächsten Wochen" wieder zur Verfügung stehe. Sobald sie wieder selbständig Termine buchen können, sollte sich wegen der verminderten telefonischen Nachfrage auch die telefonische Erreichbarkeit verbessern. Bis dahin, teilt die Stadt mit, wäre es hilfreich, wenn die Bürger nicht nur die Nummer des Bürgerservicecenters unter Tel.: (0331) 289 3820 für die Terminvereinbarung verwenden, sondern auch die allgemeine Behördennummer -115 nutzen. Damit können ebenso Termine für das Bürgerservicecenter gebucht werden.

Der Cyberangriff war am 21. Januar bemerkt worden. Am nächsten Tag wurden zur Sicherheit alle Systeme heruntergefahren. Wie berichtet waren Hacker über eine Schwachstelle des von Behörden verwendeten Netzwerk-Dienstleisters Citrix ins Computersystem der Verwaltung eingedrungen. Der Angriff hat die Stadt mindestens 82.000 Euro gekostet, dazu kommen künftig höhere Personalkosten und 22.000 Euro jährlich für eine entsprechende Versicherung. 


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