• Filmuni-Absolventin dreht "Hanni & Nanni": Freche Zwillinge in Pastell

Filmuni-Absolventin dreht "Hanni & Nanni" : Freche Zwillinge in Pastell

Filmuni-Absolventin Isabell Šuba hat einen neuen „Hanni & Nanni“-Film gedreht und mit dem Potsdamer Szenenbildner Lars Lange ein modernes Farb-Konzept erarbeitet.

Vorsichtig klettert Nanni die Stufen des Sprungturms hoch und tappst langsam auf dem Brett nach vorne. Ihre Augen sind verbunden, sie kann nicht sehen, wie hoch der Abstand zwischen ihr und dem Schwimmbecken ist. Nach kurzen Zögern springt sie trotzdem. Die Mädchen um sie jubeln, sie hat die Aufnahmeprüfung in die Clique bestanden. Die Szene ist ein Schlüsselmoment im neuen Familienfilm „Hanni & Nanni – Mehr als beste Freunde“, der am morgigen Donnerstag in den Kinos anläuft.

Denn in der Neuauflage der beliebten Filmreihe, die unter anderem von der in Babelsberg ansässigen Ufa produziert wird, gehen Hanni und Nanni erstmals getrennte Wege. Von ihren Eltern in das Internat Lindenhof geschickt, beschließen die Zwillinge erstmal kollektiv, das neue Zuhause zu hassen. Doch als Nanni (Rosa Meinecke) ihre Liebe für den Hengst Pegasus entdeckt, findet sie es gar nicht mehr so schlimm im Internat. Im besagten Sprungszenenritual wird sie schließlich in die Mädchengruppe aufgenommen. Hanni (Laila Meinecke) hingegen bleibt stur und ist plötzlich auf sich gestellt. Genau dieser Aspekt der Geschichte hat Regisseurin Isabell Šuba gereizt, wie sie den PNN sagt. „Mir ging es darum, das Zwillingssujet neu zu erzählen“, so Šuba, die 2011 ihr Regiestudium an der Filmuniversität Babelsberg abschloss. „Was passiert, wenn die zweite Hälfte auf einmal fehlt oder sich anders entwickelt, das fand ich sehr spannend.“ Überhaupt sei es spannend gewesen, einen großen Film mit viel Verantwortung drehen zu können. „Das Drehbuch hat mir auch gut gefallen“, sagt die Berlinerin, die für ihren Film „Männer zeigen Filme & Frauen ihre Brüste“ auf dem Max-Ophüls-Festival ausgezeichnet wurde. „Wir haben es dann allerdings noch etwas verändert.“ Vor allem der Fokus auf die Individualität der Mädchen war ihr wichtig – und die Wegbewegung vom Mädchenstereotyp. Denn Šubas Zwillinge sind androgyner, haben beide einen frechen Pagenschnitt, tragen Basecaps und flippige Shirts. Beautyfragen interessieren in dem Film trotz Mädcheninternat niemanden. Das richtige Zwillingspaar für ihre Ansprüche zu finden, sei nicht leicht gewesen, wie Šuba erzählt. Doch dann kamen die Meinecke-Zwillinge: „Sie sind mir durch ihr Selbstbewusstsein, den Humor und die Eigensinnigkeit aufgefallen“, so die Regisseurin. „Ich wusste sofort, die beiden sind es.“ Mit Kindern zu drehen sei zwar auch anstrengend gewesen, aber sie hätten ihr auch unglaublich viel zurückgegeben, indem sie ihr erlaubt haben, in ihre Welt einzutauchen. „Die ist viel wertfreier, offener als unsere“, so Šuba. Die schrullige Französischlehrerin Madame Bertoux hat sie wieder mit Katharina Thalbach besetzt, die nur zu gerne wieder in ihre Figur geschlüpft ist, wie sie sagt. „Ich bin schon verliebt in meine Figur. Sie rührt mich, weil sie immer noch wie ein Mädchen ist und dabei sehr verletzlich.“ Besonders in den Streitszenen mit Kollegin Julia Koschitz, die die Lehrerin Frau Vogel verkörpert, habe sie viel Freude gehabt. „Sie hat mir jegliche Berührungsängste sofort genommen“, sagt auch Koschitz über die Kollegin. „Wir haben bei diesen Dreharbeiten viel improvisiert. Das hat von Anfang an gut funktioniert.“

Šuba ist gespannt, wie der Film beim Publikum ankommt. Stiltechnisch habe sie schon ein paar Kompromisse eingehen müssen, um den Mainstream zu bedienen – etwa in Bezug auf die Songs und das Pferdethema. Die besondere Farbgebung des Films, die laut Šuba an dem Film „Juno“ orientiert sei, sei wiederum in der Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Szenenbildner Lars Lange entstanden. „Wir haben viel mit Pastelltönen gearbeitet, wie man etwa bei den lachsfarbenen Röcken der Schuluniformen sieht“, so Lange, der schon drei Mal mit dem Grimme Preis ausgezeichnet wurde. Außerdem habe er den Pferdestall und die Koppeln – aufgenommen in Neustadt (Dosse) – ein wenig romantisiert, Strohballen und Schubkarren platziert. „Isabell und ich waren uns da ziemlich schnell einig, wie wir das Szenenbild modern und frisch präsentieren“, so Lange, der sich „total gefreut“ hat, endlich auch mal seine Tochter mit an ein Set nehmen zu können. „Das war so eine grundpositive Energie zwischen uns.“ Dass die meisten Kulissen, wie auch der von ihm entworfene Sprungturm nach dem Dreh wieder eingestampft wurden, stört ihn wenig. Das sei eben beim Film so und letztendlich seien sie ja für die Ewigkeit festgehalten.