• Potsdamer Bergmann-Klinikum will mehr ausländische Pfleger

Fachkräftemangel : Bergmann-Klinikum will mehr ausländische Pfleger

Potsdams Bergmann-Klinikum und ein nahes Konkurrenzhaus streiten um bessere Entlastung der Pflegekräfte und zusätzliches Personal.

In Potsdams Klinikum "Ernst von Bergmann" arbeiten 1200 Pflegekräfte. 
In Potsdams Klinikum "Ernst von Bergmann" arbeiten 1200 Pflegekräfte. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Immer wieder ist in den vergangenen Wochen von Überlastung im kommunalen Klinikum „Ernst von Bergmann“ die Rede gewesen, gerade im mit rund 1200 Mitarbeitern besetzten Pflegebereich. Diese Debatte könnte nun neu aufflammen: Denn jüngst haben sich das konkurrierende städtische Klinikum in Brandenburg an der Havel und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf ein gemeinsames Eckpunktepapier „zur Entlastung der Pflegekräfte“ geeinigt – was aus Sicht des Potsdamer Klinikums aber kein Modell für die Landeshauptstadt ist. Die Gegensätze werden dabei forsch formuliert, in Potsdam setzt man eher auf Hilfe aus dem Ausland.

Dabei dürfte die Einigung in Brandenburg für überlastete Pflegekräfte durchaus ansprechend klingen. Mit einem daraus resultierenden Tarifvertrag „wollen wir deutschlandweit Maßstäbe für eine faire, aufgabengerechte und auch nachprüfbare Personalausstattung im Pflege- und Funktionsdienst setzen“, teilten Klinikspitze und Verdi dazu mit. 

Werbung für Wechsel nach Brandenburg

Und in Richtung anderer Krankenhäuser hieß es weiter, „mit diesen beispielgebenden Arbeitsbedingungen“ werbe man für den Wechsel nach Brandenburg. Man wolle sich „deutlich von allen anderen Krankenhäusern im Umland durch seine gute Personalausstattung unterscheiden.“ So regele man nun „verbindliche Mindestbesetzungen der Stationen mit examinierten Pflegekräften“ – bei einer Station mit 36 Betten sollen mindestens vier Mitarbeiter zur Verfügung stehen, ab 2021 sogar fünf Kräfte plus jeweils eine Leitungsstelle.

Bei einer Unterschreitung der vereinbarten Besetzung sollen demnach im Brandenburger Klinikum konkrete Gegenmaßnahmen ergriffen werden, die bis zu einem „möglichen Aufnahmestopp für neue Patienten“ reichen. Auch flexiblere Arbeitszeitmodelle, Springer-Pools und die Gewährung von Extrazulagen sind Teil der Einigung. Und: Wer als Pfleger in einer Übergangszeit von einem halben Jahr fünfmal aus der Freizeit geholt wird, erhält verbindlich einen Tag Zusatzurlaub.

Potsdam will "echte Lösungen gegen Fachkräftemangel"

Doch für Potsdam ist so ein Eckpunktepapier derzeit nicht vorgesehen, teilte eine Sprecherin des Bergmann-Klinikums jetzt auf PNN-Anfrage mit: Man konzentriere sich darauf, „echte Lösungen gegen den Fachkräftemangel zu finden und nicht nur Absichtserklärungen auf Papier zu bringen“. Die eigenen Ansatzpunkte in Potsdam seien dabei die „Entlastung der Mitarbeiter von pflegefremden Aufgaben, die verstärkte Ausbildung eigener Pflegekräfte und die Suche von qualifiziertem Personal im Ausland“. Denn das Problem liege weniger an der Bindung von Mitarbeitern an einzelne Krankenhäuser. Vielmehr müssten insgesamt wieder mehr Pflegekräfte auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sein – woran das Klinikum aktiv arbeite, so die Sprecherin.

So bilde man in der hauseigenen Gesundheitsakademie junge Frauen und Männer in bald acht Berufsbildern aus, etwa als Krankenpfleger. Zuletzt hätten im Oktober mehr als 140 Azubis ihre Ausbildung gestartet, in diesem Jahr wolle man auch knapp 60 Absolventen übernehmen, so die Sprecherin weiter.

Bergmann-Klinikum will Hilfe aus dem Ausland 

Ebenfalls versucht das Klinikum, sich Hilfe aus dem Ausland zu organisieren, gerade aus Osteuropa. Schon jetzt würden sieben Gesundheits- und Krankenpfleger aus dem Ausland sowie 18 Pflegehelfer vor Ort arbeiten – letztere werden nach einer bestandenen Anerkennungsprüfung ebenfalls als vollständige Pflegekräfte weiter beschäftigt, hieße es. 

Ferner erwarte man noch mindestens 40 weitere sogenannte internationale Pflegehelfer im Laufe des Jahres. „In diesem Vorgehen sehen wir eine sinnvollere Herangehensweise, als Pflegekräfte im Markt zu suchen, die es nicht gibt“, so die Sprecherin.

Bei der Gewinnung von qualifiziertem Personal im Ausland setzt man auch auf Probeläufe – im vergangenen Jahr hätten 70 anderswo ausgebildete Gesundheitspfleger im Klinikum hospitiert. Das plane man auch dieses Jahr, so die Sprecherin. Für 2020 plane man, mindestens 30 Hospitanten einzustellen. Diese würden in ihren Heimatländern schon Deutschkurse besuchen. Auch schon vor Ort beschäftigten Pflegehelfer aus anderen Ländern würden an zwei Tagen pro Woche Deutschkurse auf dem Klinikgelände gegeben – in Kooperation mit der Volkshochschule. Dafür würden diese Helfer auch freigestellt, so die Sprecherin. Kooperationspartner seien die Medizinische Universität Kiew sowie Berufsfachschulen aus der Ukraine, Moldawien und Serbien.

Pfleger sollen entlastet werden

Intern versucht das Klinikum nach eigenen Angaben auch, die Mitarbeiter von pflegefremden Aufgaben zu entlasten und den Beruf attraktiver zu machen, so die Sprecherin. So habe man etwa das Pflegepersonal von bestimmten Tätigkeiten wie der Bettenaufbereitung, der Essensausgabe und den Patiententransporten entlastet – seit 2010 habe man eine Entlastung von 25 Prozent erreicht.

Ferner sagte die Sprecherin, schon seit Januar sei auch die Personaluntergrenzen-Verordnung in Kraft, die bereits für bestimmte Fachbereiche gesetzliche Mindestbesetzungen festschreibt. „Daher sehen wir hier keinen doppelten Regelungsbedarf“, so die Sprecherin. Außerdem könne das Vorgehen in Brandenburg an der Havel eben zu Versorgungsengpässen führen, etwa wegen eines Aufnahmestopps für Patienten. Das Potsdamer Klinikum wolle aber als Schwerpunktversorger allen hilfsbedürftigen Patienten „rund um die Uhr“ zur Seite zu stehen.

Brandenburger Klinikum will Patientenbetreuung und Arbeitnehmerinteressen vereinbaren

Für das Brandenburger Klinikum sind Patientenbetreuung und Arbeitnehmerinteressen keine Gegensätze, wie man dort betont: Mit den „beispielgebenden“ Bedingungen für die Beschäftigten sei man nicht nur am Arbeitsmarkt attraktiv als Unternehmen, sondern biete „gleichzeitig auch eine stabile, sichere und mit mehr zeitlichen Ressourcen den Patienten zugewandte stationäre Versorgung.“

Insgesamt hatte der Konzern 2017 einen Jahresüberschuss von 2,4 Millionen Euro erwirtschaften können – aktuellere Zahlen sind noch nicht veröffentlicht. Das Klinikum hatte zuletzt auch betont, allein der Bedarf, um alle notwendigen Investitionen zu schultern, liege aktuell bei 22 Millionen Euro pro Jahr. Das sei auch dem Land Brandenburg seit Jahren bekannt – dieses gibt aber nur jährlich 6,5 Millionen Euro.

Gerade Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hatte sich zuletzt auch für mehr Zuschüsse eingesetzt. Sein Kalkül: Zusätzliches Geld für Investitionen vom Land muss das Klinikum nicht selbst erwirtschaften, die gesparten Mittel könnten in neue Pflegekräfte oder in die tarifliche Bezahlung der Angestellten fließen. Doch bisher hat das Land extra Geld nur in Aussicht gestellt.

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