• Eisheilige Nacht mit „Subway to Sally“: Tanz auf dem Teppich

Eisheilige Nacht mit „Subway to Sally“ : Tanz auf dem Teppich

Die Eisheilige Nacht mit „Subway to Sally“ und Gästen kommt in diesem Jahr aus der Retorte – aus dem Lindenpark. Ab dem 25. Dezember ist das Konzertvideo zu sehen.

Die Geigerin: Ally Storch kam 2016 zu Subway to Sally – als Ersatz für Silke Volland.
Die Geigerin: Ally Storch kam 2016 zu Subway to Sally – als Ersatz für Silke Volland.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Die diesjährige Eisheilige Nacht beginnt an einem Mittwochmorgen um 9 Uhr: Treffpunkt am Probenraum, einladen, dann zum Lindenpark. 10 Uhr ist Arbeitsbeginn – für „Subway to Sally“ und mitwirkende Gäste. Kein Publikum im Saal, dafür haufenweise Techniker, und die einzigen Zuschauer sind eine Handvoll Familienmitglieder. 

Alles ist anders als sonst. Statt der traditionellen großangelegten Jahresabschlusstour mit dem letzten Konzert am 30. Dezember in der Metropolishalle, das bis zu 3000 Besucher anzog, wird es jetzt ein vorproduziertes Video geben. Die Fans können, müssen sich die Eisheilige Nacht in ihre Wohnzimmer holen. Mehr gibt das Corona-Jahr nicht her.

Kein Konzert in diesem Jahr

„Wir haben in diesem Jahr kein einziges Konzert gespielt“, sagt Sänger und Gitarrist Bodenski ernüchtert. Der März-Lockdown kam, als sie gerade ihre Tour starten wollten. Im Sommer wären hier und da kleinere Konzerte möglich gewesen. Aber für 100 Gäste zu spielen sei finanzieller Unsinn. Es blieb viel Zeit zum Proben. „Wir haben hochmotiviert begonnen, an einem neuen Album zu arbeiten“, so Bodenski, Aber irgendwann war die Energie raus, weil es so gar kein Auftritts-Ziel mehr gab. 

Die Einnahmen aus Konzerten blieben aus, manche der Kollegen gaben verstärkt Unterricht und traten in Soloprojekten auf. Ein schwieriges Jahr, auch finanziell. Dass auch die fette Eisheilige Nacht-Tour ausfallen würde, sei ihnen ziemlich zeitig im Sommer klar geworden. Aus versicherungstechnischen Gründen mussten sie mit einer offiziellen Absage aber warten, bis es ein Verbot gab. „Das ganz Hin und Her, das Umbuchen und Neu-Planen, das hat in diesem Jahr unendlich viel Kraft gekostet.“

Jedes Ticket ist 24 Stunden gültig

Nun stehen sie an diesem Mittwoch im Lindenpark, da, wo sie vor Jahren regelmäßig spielten, bis der Saal zu klein wurde, und nehmen ein Konzertvideo auf. Zwei Stunden Musik, Tanz und genretypischer Klimbim, was man sich in der Zeit vom 25. bis 31. Dezember nach Hause holen kann. Notfalls mehrmals - jedes Ticket ist 24 Stunden gültig. 

Es ist längst kein Ersatz für ein Spektakel mit Tausenden, das ist ihnen klar, die Begeisterung für solche Onlineformate habe seit dem Sommer sowieso ziemlich abgenommen. Aber es ist besser als nichts. Auch für die Musiker im Leerlauf. Gartenarbeit und Keller-Aufräumen und ein paar Songs auf Spotify stellen - das war eher Beschäftigungstherapie, sagt Bodenski.

Michael „Bodenski“ Boden (l.) spielt unter anderem Gitarre und Drehleier, der langjährige Sänger der Band ist Eric Fish.
Michael „Bodenski“ Boden (l.) spielt unter anderem Gitarre und Drehleier, der langjährige Sänger der Band ist Eric Fish.Foto: Ottmar Winter

Die Erleichterung und Freude am Arbeiten auf ein konkretes Ziel hin ist an diesen Drehtagen allen anzusehen. Auch im Lindenpark ist man froh, dass hier mal wieder was mit lauter Musik passiert. Das Technikaufgebot ist riesig. Außerdem wurde umgebaut. Die Bühne wurde in die Mitte des Saals verlagert, das Lichtkonzept entsprechend angepasst. Die Musiker stehen jetzt im großen Kreis, einander zugewandt, in der Mitte ist Platz für die Sänger und Solisten. 

Der Boden ist mit zwei Dutzend Teppichen ausgelegt, das soll eine private Atmosphäre schaffen. „Wir wollten nicht von einer Bühne in einen leeren Saal reinspielen und allen etwas vormachen, was nicht ist“, sagt Bodenski. „Wir spielen hier miteinander und füreinander und wollen die Zuschauer mit hineinziehen.“ Die Kameras wandern also um die Bands herum für immer neue Perspektiven.

Unterstützung von Gastmusikern

Neben den glorreichen Sieben der Mittelalter-Folk-Metal-Gruppe „Subway to Sally“ sind zwei Musikerinnen von Schandmaul dabei und drei Kollegen von „Saltatio Mortis“: Sänger Alea sowie Luzi und Elsi mit Dudelsack. Damit sind es insgesamt drei Dudelsäcke, alle müssen verkabelt werden – aber das Instrumentenarsenal ist in diesem Genre grundsätzlich üppig. Dieses Mal kommt noch eine Sängerin mit Drehleier dazu: Patty Gurdy. „Sie ist phantastisch“, schwärmt Bodenski, der selber Drehleierspieler ist. 

Für die Aufzeichnung ihres Konzerts in diesem Jahr ist die Band wieder in den Lindenpark gegangen.
Für die Aufzeichnung ihres Konzerts in diesem Jahr ist die Band wieder in den Lindenpark gegangen.Foto: Ottmar Winter

Als weiterer Sänger wurde der im Opernfach ausgebildete Major Voice eingeladen. Ein solider Bass für Gothic-Rock-Gesänge. Die Setlist umfasst aktuelle Stücke von „Subway to Sally“ und vom 2019er-Album „Hey“, von denen einige noch nie live gespielt wurden, weil die Tour gecancelt wurde. Natürlich sind auch die üblichen Klassiker dabei, „Sieben“, „Eisblumen“, „Falscher Heiland“ und „Tanz auf dem Vulkan“. Der Tanz in der Arena der Lindenparkbühne ist auch ein solcher.

Eric Fish und Alea müssen zwar gemeinsam singen, dürfen sich aber im Eifer des Gefechts nicht zu nahe kommen. Schwierige Choreografie. Im Video soll das dann möglichst unangestrengt aussehen. Wie wird das bei den digitalen Konzertbesuchern ankommen?

Die aktuelle PNN-App

Alle aktuellen Entwicklungen zur Coronakrise live auf am Smartphone. Jetzt die runderneuerte PNN App (inklusive E-Paper) für Apple-Geräte oder für Android-Geräte herunterladen.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]

Hoffnung auf Live-Spektakel im kommenden Jahr

„Die freuen sich alle total“, sagt Gina Markovitz vom Vorstand des „Subway to Sally“-Fanklubs, die anlässlich des Drehs aus ihrem Heimatort im Schwarzwald nach Potsdam kommen durfte. „Klar, es ist nicht live, aber die Hauptsache ist, dass überhaupt endlich was passiert. Viele werden sich verabreden und parallel gucken, viele vermutlich auch in der Silvesternacht und sich dann zumindest virtuell zuprosten.“ Ihre große Hoffnung: Dass 2021 die Eisheilige Nacht als echtes Live-Spektakel stattfinden kann.

Da ist sich Bodenski nicht sicher. Er möchte eigentlich gar keine Prognosen abgeben. „Alles ist noch unklar. Geht es 2021 weiter, oder erst 2022? Viele Konzerte werden gerade zum zweiten Mal verschoben.“ Erstmal ist nur eins sicher: Diese „Eisheilige Nacht. Back to Lindenpark“ wird digital. Mit 15 Euro ist man dabei – der Ticketverkauf hat begonnen: https://eisheiligenacht.com/


Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.