• Einkaufen in Potsdam: Personalengpässe im Supermarkt

Einkaufen in Potsdam : Personalengpässe im Supermarkt

Die Aldi-Filiale in der Berliner Vorstadt hat ihre Öffnungszeiten vorübergehend verkürzt und sucht nach neuen Mitarbeitern - das ist kein Einzelfall.

Urlaubszeit, Krankenstand und zu wenig Reserve führen nicht nur bei Aldi in der Berliner Vorstadt zu verkürzten Öffnungszeiten. 
Urlaubszeit, Krankenstand und zu wenig Reserve führen nicht nur bei Aldi in der Berliner Vorstadt zu verkürzten Öffnungszeiten. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Spät-Shopping mit dem Boot, das geht bei Potsdams Edel-Aldi in der Berliner Vorstadt erst wieder ab dem 6. August. Die Discounter-Filiale in der Berliner Straße hat zwar einen eigenen Bootssteg, aber derzeit auch mit Personalengpässen zu kämpfen, wie Aldi-Pressesprecherin Emily Rosberger auf PNN-Anfrage einräumte. „Einige unserer Mitarbeiter:innen befinden sich derzeit im wohlverdienten Sommerurlaub, hinzugekommen sind in dieser Filiale einige unvorhergesehene krankheitsbedingte Ausfälle“, teilte die Sprecherin mit.

In Summe wird täglich fünf Stunden weniger geöffnet, betroffen von den Schließungen sind die Morgen- und Abendstunden, geöffnet ist derzeit nur von 9 bis 18 Uhr, statt von 7 bis 21 Uhr. Der Discounter sucht bereits nach neuen Mitarbeitern für die Region Potsdam. Ob die Suche mit dem akuten Personalengpass zusammenhängt, wollte die Aldi-Pressesprecherin indes nicht bestätigen.

Hohe Krankenstände in vielen Branchen

Allerdings ist die Potsdamer Aldi-Filiale kein Einzelfall, wie der Regional- Pressesprecher der Gewerkschaft Verdi, Andreas Splanemann, gegenüber den PNN bestätigte: „Wir beobachten in vielen Branchen derzeit außergewöhnlich hohe Krankenstände, was die ohnehin urlaubsbedingte Personalknappheit in den Ferien noch zusätzlich verschärft, sagte Splanemann. Das könne zu Serviceeinschränkungen wie verkürzten Öffnungszeiten führen.

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Bei Aldis Mitbewerber Rewe gibt man sich knapp: „In den Märkten der Region Potsdam läuft alles nach Plan, wir verzeichnen keinerlei Engpässe“, erklärte der Leiter der Rewe-Unternehmenskommunikation, Raimund Esser. Deutlich differenzierter reagiert Supermarkt-Betreiber Edeka Minden-Hannover. „In Verbindung mit der aktuellen Urlaubszeit und dem Corona-Infektionsgeschehen führt der Fachkräftemangel zwangsläufig zu einer angespannten Personalsituation“, sagte ein Edeka-Unternehmenssprecher. Märkte würden zwar nicht komplett geschlossen, es könne in Einzelfällen aber vorkommen, dass ein Markt seine Öffnungszeiten entsprechend anpasst oder Öffnungszeiten für Bedientheken vorübergehend einschränkt, so der Sprecher weiter.

Die Branche versucht gegenzusteuern

Dass die Zahl der ausgebildeten Einzelhandelskaufleute auf dem Arbeitsmarkt zurückgeht, zeigen die Statistiken der Arbeitsagentur. So hat sich die Zahl der arbeitssuchenden Einzelhandelskaufleute im Arbeitsagenturbezirk Potsdam in nicht einmal zehn Jahren mehr als halbiert. Gab es 2012 noch 894 gemeldete Arbeitssuchende im Bereich Einzelhandel, waren es im Jahr 2021 nur noch 399. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der gemeldeten Stellengesuche von 65 auf 248. 

Wie bundesweit gab es dabei auch in Potsdam einen sichtbaren Statistikknick durch die Corona-Pandemie. Im Jahr 2020, dem ersten Corona-Jahr, stieg die Zahl der Arbeitssuchenden entgegen dem vorherigen Abwärtstrend, während die Zahl der freien Stellen – einmalig in den knapp zehn Jahren – deutlich schrumpfte. An der grundsätzlichen Entwicklung, dass immer weniger Fachkräfte nach Stellen suchen, aber immer mehr offene Stellen existieren, änderte aber auch die Pandemie nichts.

Immerhin: Die Branche versucht gegenzusteuern. „Der Einzelhandel hat in Potsdam die meisten Ausbildungsstellen gemeldet“, sagte die Pressesprecherin der Potsdamer Arbeitsagentur, Janina Wibbing. Mehr als 1000 betriebliche Lehrstellen werden im kaufmännischen Bereich angeboten. Das Dilemma offenbart sich in der Diskrepanz zwischen Lehrstellenangebot und Bewerberzahl. Nicht einmal 500 Bewerbungen hat die Arbeitsagentur bislang auf die angebotenen Lehrstellen verzeichnet – unabhängig von der tatsächlichen Eignung der Bewerber. Etwas mehr als 200 Bewerber:innen gelten laut Potsdamer Arbeitsagentur als noch unversorgt, allerdings sind auch noch mehr als 650 Ausbildungsstellen unbesetzt, so Agentursprecherin Wibbing.

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