• Die Zukunft des Potsdamer Zentrums: Ausgehen statt reinfahren

Die Zukunft des Potsdamer Zentrums : Ausgehen statt reinfahren

Zwischen Luisen- und Bassinplatz und im Holländischen Viertel soll es deutlich weniger Parkplätze geben. Auch die Bürgerinnen und Bürger können Ideen einbringen.

Noch prägen parkende Autos das Bild in der Mittelstraße. Das soll anders werden. 
Noch prägen parkende Autos das Bild in der Mittelstraße. Das soll anders werden. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Zahl der Parkplätze in der historischen Innenstadt soll in den kommenden Jahren deutlich reduziert, der Straßenraum möglichst autofrei gestaltet werden. Diese Hauptziele nannte Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) vor einem im März beginnenden Bürgerbeteiligungsverfahren, in dem die Straßenräume im Karree zwischen dem Bassin- und dem Luisenplatz neu gedacht werden sollen. Die Planungen dafür stellte Rubelt am Dienstag der Presse vor.

Es gebe Bedarf an vielfältigen und zugleich sicheren Straßenräumen zum „Wohlfühlen für Alle“, hieß es in einer Präsentation des Rathauses. Dafür müsse aber der ruhende Verkehr reduziert werden, eben um Platz für andere Nutzungen zu schaffen, zum Beispiel für Gastronomen oder Handeltreibende. Mit dem Beteiligungsverfahren – einer sogenannten Werkstatt – sollen nun konkrete Konzepte für einzelne Straßen wie die Gutenberg- oder die Mittelstraße erarbeitet werden. Auch ein Gesamtkonzept soll es geben – und zwar bis in den Sommer hinein.

Wie machen es andere Städte?

Die erste Veranstaltung dazu ist für den 29. März ab 17 Uhr geplant, bisher als Digitalformat mit bis zu 50 Teilnehmern. Allerdings sei möglicherweise – wenn Corona es zulässt – auch eine Präsenzveranstaltung möglich, so Rubelt. Jedenfalls sollen sich Interessierte schon jetzt anmelden, bis zum 15. März unter www.potsdam.de/innenstadt-strassenraeume-neu-denken. Dann sollen auch Beispiele aus anderen Städten gezeigt werden, wie dort autofreien Zentren für mehr Lebensqualität sorgen – zum Beispiel mit mehr Platz für Gastronomen, aber auch zusätzlichen Bänken, mehr Bäumen oder Kinderspielflächen. Eine weitere Werkstatt-Sitzung ist dann im Juni geplant.

Bernd Rubelt.
Bernd Rubelt.Foto: Andreas Klaer

Politisch hat Rubelt für den Kampf gegen zu viele Autos in der Innenstadt die Rückendeckung sicher: So hatte die rot-grün-rote Rathauskooperation schon in ihrem Koalitionsvertrag 2019 das Ziel definiert, gerade das nun in den Blick genommene Gebiet der zweiten barocken Stadterweiterung autofrei zu gestalten, und zwar schrittweise bis 2024. Dabei geht es um das Gebiet zwischen Hegelallee und Charlottenstraße. Die Umsetzung dazu solle bis 2024 schrittweise und mit Bürgerbeteiligung erfolgen, hieß es schon im Vertrag. 

Rubelt will Innenstadt autofreier gestalten

Als einer der ersten Maßnahmen ist bereits der einstige Schleichweg in der Gutenbergstraße gesperrt worden, was dort für deutlich weniger Verkehr sorgte. Rubelt sagte, in den nächstens drei Jahren würden weitere Maßnahmen umgesetzt, nötige Umbauten aber könnten länger dauern. Bekanntlich will das Rathaus ab 2025 auch die Friedrich-Ebert-Straße zwischen dem Platz am Nauener Tor und der Wilhelmgalerie zu einem weitgehend autofreien Boulevard umgestalten.

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An seiner Entschlossenheit, die Innenstadt autofreier zu gestalten, ließ Rubelt keine Zweifel – auch wenn er die geplante Werkstatt „ergebnisoffen“ nannte. Es werde eben nicht mehr so bequem sein, einfach vor einer Lieblingsbar in der Innenstadt zu parken und sich einen Drink zu genehmigen, sagte der Dezernent an einer Stelle. Vor weniger Kunden müsste sich auch der Handel in der Innenstadt nicht fürchten: Wo heute Platz für ein Auto sei, könnten künftig sieben Fahr- oder auch Lastenräder stehen. „Das sind dann sieben Kunden mehr.“

Keine neuen Parkhäuser im Zentrum geplant

In Richtung der betroffenen Anwohner bemerkte Rubelt, es gebe keinen Rechtsanspruch für einen Stellplatz direkt vor dem Haus. Neue Parkhäuser in der Innenstadt seien aktuell nicht geplant, man müsse vielmehr die hier vorhandenen Ressourcen besser nutzen und könne dort auch Dauerparkplätze anmieten – was freilich teurer wäre. 

Auch müsse man noch mehr das dauerhafte Umsteigen auf andere Verkehrsmittel bewerben, so Rubelt. Insgesamt gehe es in der gesamten Innenstadt um aktuell mehr als 1000 Parkplätze, für die Anwohnerparkausweise ausgegeben seien, hieß es weiter. Hier machte Rubelt deutlich, dass er sich endlich eine Landesregelung wünsche, um diese Ausweise zu verteuern – wie dies schon anderswo in Deutschland der Fall sei.

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