• Die Corona-Lage in Potsdam: Klinikum verschiebt Operationen, mehr als 660 Kinder in Quarantäne

Die Corona-Lage in Potsdam : Klinikum verschiebt Operationen, mehr als 660 Kinder in Quarantäne

Die vierte Welle hat Potsdam im Griff: Immer mehr Infektionen an Kitas und Grundschulen, das Bergmann-Klinikum begrenzt die Zahl der Operationen und öffnet wieder eine Covid-Station.

Klinikum "Ernst von Bergmann" in Potsdam.
Klinikum "Ernst von Bergmann" in Potsdam.Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Die Corona-Lage an den Potsdamer Kitas und Schulen spitzt sich weiter zu. Zugleich muss das Klinikum angesichts der stark steigenden Infektionszahlen wieder eine Corona-Station eröffnen und die Zahl der Operationen begrenzen.

An der Foerster-Grundschule gilt wieder Maskenpflicht

Laut Angaben des Gesundheitsamts sind derzeit 136 Kinder mit dem Coronavirus infiziert, davon 67 aus Grundschulen. Nach Ferienende vor eineinhalb Wochen waren es noch um 90 Kinder, davon 48 aus Grundschulen. Besonders betroffen ist aktuell die Karl-Foerster-Grundschule am Bornstedter Feld mit 15 betroffenen Kindern – dort gilt nach Anweisung des Gesundheitsamts ab dem heutigen Freitag bis zum 19. November wegen der zahlreichen Infektionen wieder eine Maskenpflicht für alle Kinder. Es folgt die Kita Wasserläufer in der Brandenburger Vorstadt mit 13 Fällen, davon vier bei Mitarbeitern. Mehrere Fälle seien auch in der Kita im Kirchsteigfeld und der Kita Inselmäuse in der Burgstraße bekannt geworden, ebenso in der Goethe- und der Zeppelin-Grundschule in Babelsberg und in Potsdam-West. Die Zahl der Kinder in Quarantäne stieg von 140 am 25. Oktober auf nun 663, hat sich also mehr als vervierfacht. Insgesamt gibt es in Potsdam mehr als 16 000 Kinder im Kita- und Grundschulalter.

Stark steigende Werte

Wie sich die Lage verschärft, zeigen auch die Sieben-Tage-Inzidenzwerte in der Altersgruppe der Fünf- bis 14-Jährigen: Hier liegt Potsdam nun nach aktuellen Auswertungen der Zahlen des Robert Koch-Instituts durch den Göttinger Max-Planck-Forscher Sebastian Mohr bei einem Wert von 373. Am Montag vor einer Woche lag die Inzidenz in der Altersgruppe noch bei 260, seitdem stieg der Wert um 42 Prozent. Zum Vergleich: Die Gesamtinzidenz stieg seitdem von 105 auf nun 136. Das ist ein Plus von knapp 30 Prozent. Das bedeutet: Unter den Kindern breitet sich das Virus derzeit schneller aus. Konkret wurde in der vergangenen Woche bei 66 Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren eine Infektion registriert.

In vielen Potsdamer Schulen gibt es Infektionen.
In vielen Potsdamer Schulen gibt es Infektionen.Foto: Matthias Balk / dpa

Das Bildungsministerium hat sich trotz der steigenden Infektionszahlen jedoch auch in der neuen Corona-Verordnung für Brandenburg aus pädagogischen Gründen weiter gegen eine Maskenpflicht an den Grundschulen entschieden. Das regelmäßige Testen sei ausreichend, hieß es. Zum Ende des Monats werde für eine neue Corona-Verordnung erneut über das Thema beraten, sagte eine Ministeriumssprecherin auf PNN-Anfrage. Die Behörde bezieht sich dabei auch auf Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaften für Krankenhaushygiene und für Pädiatrische Infektiologie, wonach weniger als eines von 100 infizierten Kindern ins Krankenhaus aufgenommen werden müsse. Dagegen hatte Potsdams Gesundheitsamtschefin Kristina Böhm mehrfach für eine erneute Maskenpflicht plädiert, gestützt auch durch Erkenntnisse anderer Experten.

Das Bergmann-Klinikum öffnet wieder Covid-Station

Mit der vierten Corona-Welle muss jetzt das Bergmann-Klinikum seine Covid-Station wieder hochfahren: Ab heute seien zunächst 21 Covid-Normalbetten sowie zusätzlich zehn Intensivbetten wieder am Netz, teilte das Klinikum am Donnerstag mit. Gleichzeitig werde das Bergmann-Klinikum ab Montag vorsorglich die Zahl der Operationen begrenzen, um wegen des „schnellen und dynamisch steigenden Infektionsgeschehens“ Kapazitäten für Corona-Patient:innen vorzuhalten, teilte die Klinikleitung mit. Mögliche OP-Verschiebungen sollen planbare Eingriffe betreffen. Sämtliche Notfall-Operationen fänden statt, ebenso sämtliche OPs bei onkologischen Krankheitsbildern wie Krebs sowie Operationen von Patientinnen und Patienten, bei denen es ein hohes Risiko der Verschlechterung des Krankheitsbildes ohne OP gebe.

Corona-Schnelltest in einer Apotheke. (Symbolbild)
Corona-Schnelltest in einer Apotheke. (Symbolbild)Foto: Andreas Klaer

In allen Brandenburger Kliniken nehme die Zahl der Covid-Patient:innen weiter zu, hieß es vom Bergmann. Auch die Koordinierungsstelle Versorgungscluster Corona-West (VCC) der Kliniken im westlichen Brandenburg nehme die Arbeit wieder auf. Derzeit werden in Potsdam 26 Covid-Patienten behandelt, davon neun schwere Fälle. Vor einer Woche waren es 18 Patient:innen.

Gesundheitsamt am Limit

Derweil bringen die Infektionszahlen – allein am Donnerstag waren es 61 neue Fälle – das Gesundheitsamt an die Belastungsgrenze. So schilderten PNN-Leser, dass sie seit Tagen auf schriftliche Quarantäne-Bescheide warten müssten. Im Amt seien 25 Personen für die Kontaktnachverfolgung eingesetzt, sagte ein Rathaussprecher: „Die Fallzahlen übersteigen allerdings derzeit die vorhandenen Ressourcen, um alle betroffenen Personen auf den Kontaktlisten tagesaktuell, direkt mit Eingang der Meldung, kontaktieren zu können.“ Man wolle nun Kollegen aus anderen Verwaltungsbereichen einsetzen. Auch habe man sich mit der Bitte um Amtshilfe an die Bundeswehr gewandt.

Eine Party mit Folgen?

Manche organisieren sich nun nach Corona-Fällen selbst. So teilte der Nil-Studentenkeller nach einer Halloween-Party am Samstag im Lindenpark in den sozialen Netzwerken mit, es habe sich ein Infizierter gemeldet, der dort zu Gast war. „Bisher wurden wir noch nicht offiziell von den Behörden kontaktiert, aber wollten euch trotzdem über die Situation informieren“, hieß es.

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