• Die Corona-Lage am Montag: Potsdam testet gegen steigende Corona-Zahlen

Die Corona-Lage am Montag : Potsdam testet gegen steigende Corona-Zahlen

Das Schnelltest-Programm in Potsdam ist gestartet, Friseure und Gartenmärkte haben wieder geöffnet. Und der Handel fordert mit einer Lichtaktion weitere Lockerungen.

Kostenlos testen lassen kann man sich beispielsweise bei der Johanniter-Tagesstation in der Zeppelinstraße.
Kostenlos testen lassen kann man sich beispielsweise bei der Johanniter-Tagesstation in der Zeppelinstraße.Foto: Andreas Klaer

Während die Corona-Zahlen in Potsdam wieder leicht steigen, hat das von der Stadt finanzierte Schnelltest-Programm für die Einwohner begonnen. Damit können sich nun alle Potsdamer zwei Wochen lang kostenlos auf eine Infektion testen lassen. Zugleich gibt es nach dem wochenlangen Lockdown erste vorsichtige Lockerungen. Die PNN geben einen Überblick.

Wie entwickelt sich die Corona-Lage?

Nach einigen Wochen mit zurückgehenden Werten und einer Sieben-Tage-Inzidenz unter der von der Politik als Ziel ausgegebenen 35er-Marke steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder leicht an. Am Montag meldete die Stadtverwaltung vier Fälle mehr als noch vor einer Woche – und eine Inzidenz von 37,7. So ist unter anderem ein Kind der Kita „KidsCompany“ in Bornim per PCR-Test positiv getestet worden. Dort befinden sich nun 25 Kinder und sechs Erzieher in Quarantäne. Das Kita-Schnelltest-Programm der Stadt beschränkt sich bisher auf regelmäßige Corona-Spucktests für Erzieher. Weitere Fälle aus Gemeinschaftseinrichtungen für Senioren oder Geflüchtete sind laut Stadt derzeit nicht bekannt. Ende vergangener Woche hatte das Deutsche Rote Kreuz bekannt gegeben, dass in den 24 Seniorenheimen der Stadt zumindest einmal ein mobiles Impfteam zu Besuch war – wenngleich die genaue Impfquote vor Ort unklar ist (PNN berichteten).

Auf die Kliniken schlägt die leicht steigende Inzidenz allerdings noch nicht durch, hier sind weiter 31 Menschen in Behandlung, davon 13 auf der Intensivstation. 226 Potsdamer sind im Zuge einer Corona-Infektion bisher verstorben, am Montag vor einer Woche waren es noch fünf weniger.

Wie wirkt das Schnelltest-Programm?

Eine vorsichtige erste Bilanz zog die Stadtverwaltung am Montagabend: Nach einer Rückmeldung von sieben Testeinrichtungen seien dort insgesamt 319 Tests ausgewertet worden, sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow. Es habe dabei keinen einzigen Infizierten gegeben. Mit dem kommunal finanzierten Programm will Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) die noch ansteckenderen Virus-Mutationen ausbremsen. Die Idee: Mit den Schnelltests sollen Menschen, die ohne weitere Symptome infiziert sind, identifiziert werden – um Infektionsketten zu durchbrechen. Das Vorhaben kostet die Stadt rund 650 000 Euro, pro Test 18 Euro. Zur Durchführung haben sich mittlerweile 16 Apotheken und Testzentren gemeldet, fast alle Stadtteile – bis auf Babelsberg und die nördlichen Ortsteile – sind vertreten. Schubert hatte das Programm aufgelegt, nachdem die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für den 1. März angekündigten Schnelltests verschoben wurden. Über die bundesweite Regelung soll am morgigen Mittwoch bei einem Bund-Länder-Treffen beraten werden.

Wie stark werden die Lockdown-Regeln noch beachtet?

Das ist schwierig zu sagen. Die Polizei meldete für Samstag und Sonntag vier coronabedingte Einsätze. Darunter war ein Einsatz in Neu Fahrland gemeinsam mit dem Ordnungsamt, bei dem sich zwölf Personen aus unterschiedlichen Haushalten getroffen haben, wie das Rathaus mitteilte. In der Folge seien mehrere Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden.

Stadtsprecher Brunzlow wiederum sagte, die Rückmeldungen auf das Testprogramm seien sehr positiv gewesen. Manche Leute hätten die Tests nach eigenen Angaben auch dazu genutzt, endlich wieder ältere Angehörige zu besuchen. Dabei sei aber noch einmal auf die dennoch geltenden Hygiene-Regeln des Landes hingewiesen worden – demnach darf ein Haushalt nur mit einer haushaltsfremden Person zusammenkommen.

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Wie ist die Lage im Gesundheitsamt?

Von dort kam am Montag eine gute Nachricht – die Behörde hat sich beim Nachspüren von Infektionsketten neu aufgestellt. So ist nun, wie bundesweit gefordert, das sogenannte Sormas-System zur Verfolgung von Kontaktpersonen von Corona-Infizierten installiert worden, wie eine Stadtsprecherin den PNN bestätigte. Wie berichtet hatte Potsdam im Zuge der Pandemie zunächst auf ein eigenes Software-System zur Dokumentation von Corona-Fällen gesetzt, auch weil damals Sormas noch nicht alle nötigen Funktionen besessen hatte. Doch nun wurde bundesweit auf eine einheitliche Ausstattung aller Gesundheitsämter mit Sormas gedrungen, nach einem Bund-Länder-Beschluss sollte das bis Ende Februar umgesetzt werden. Deswegen hatte die Stadt mitten in der Pandemie tausende Datensätze in das neue System integrieren müssen.

Wie wirken die Lockerungen?

Die Scheren klappern, die Föhne brausen: Seit Montag haben die Friseursalons in Potsdam unter Auflagen wieder geöffnet, viele mit verlängerten Öffnungszeiten. So etwa im „HaarLack“ in der Zeppelinstraße, wo sonst am Montag Ruhetag ist: Diesmal war von 7 Uhr früh bis 20 Uhr abends offen. „Wir haben alle Hände voll zu tun“, sagte Inhaberin Christin Lack. Die Kund:innen, die einen Termin ergattern konnten, zeigten sich sehr erfreut und brachten aus Dankbarkeit sogar Blumen, Kuchen und Schokolade mit. Trotzdem mischt sich nach der langen Schließzeit ein Schuss Bitterkeit in die Eröffnungsfreude: „Ich bin nicht damit einverstanden, dass wir nicht als systemrelevant angesehen wurden“, so Lack.

Kundinnen und Kunden in Friseurgeschäften - hier im "Schnittpunkt" in der Kurfürstenstraße - waren dankbar.
Kundinnen und Kunden in Friseurgeschäften - hier im "Schnittpunkt" in der Kurfürstenstraße - waren dankbar.Foto: Andreas Klaer

Gut besucht war auch der Salon „Schnittpunkt“ in der Kurfürstenstraße: „Es war sehr schön, nach zehn Wochen wieder öffnen zu können, die Kunden hatten alle gute Laune“, sagte eine Mitarbeiterin. Die Kundschaft war bunt gemischt, Männer wie Frauen, jung wie alt. Gefragt war nicht nur Haareschneiden sondern auch alles andere vom Färben übers Pflegen bis hin zur Dauerwelle. Neue Termine vergibt „Schnittpunkt“ erst in vier Wochen wieder.

Trotz des Andrangs: Voll war es in den Friseursalons aufgrund der Hygienebestimmungen natürlich nicht. Im Friseuratelier Christine Wolff in der Gutenbergstraße durften sich maximal acht Kund:innen gleichzeitig aufhalten, gemäß der Regel, laut der eine Person auf zehn Quadratmetern zulässig ist. Aufgrund der Terminvergabe gab es auch keine langen Warteschlangen: „Alle sind pünktlich und gut vorbereitet erschienen“, sagte ein Mitarbeiter des Salons. „Es war eigentlich ein ganz normaler Tag, nur dass sich alle Kunden total gefreut haben und eigentlich bei allen ein Lächeln zu sehen war. Es wurde auch mehr Trinkgeld gegeben.“ Um den Anfragen Herr zu werden, war am Montag im Friseuratelier nicht nur bis 18 Uhr, sondern bis 21 Uhr geöffnet. Im Laufe der Woche soll an einem Tag sogar bis 22.30 Uhr geöffnet sein. Der nächste Termin ist erst am 18. März wieder zu haben. In den Salons gelten strenge Hygienevorschriften: Kunden müssen eine medizinische Maske tragen, ebenso das Personal. Die Potsdamer CDU-Bundestags- und Landtagsabgeordnete Saskia Ludwig forderte in einer Erklärung, dass nun auch Kosmetikstudios wieder öffnen müssten.

In der Gärtnerei Potsdamer Staudenkulturen blieb der große Ansturm aus.
In der Gärtnerei Potsdamer Staudenkulturen blieb der große Ansturm aus.Foto: Andreas Klaer

Auch die Gärtnereien und Gartencenter durften wieder öffnen. Hier zeigte sich eine gemischte Bilanz: Manche hatten starken Zulauf, andere weniger. „Der Andrang war sehr groß, sowohl von Potsdamern als auch von Berlinern“, sagte etwa ein Mitarbeiter der Gärtnerei Peter Schultz in Sacrow. Die Pflanztische seien aber voll. „Wir arbeiten weiter an dem Sicherheitskonzept“, hieß es. Viele Pflanzen seien mittlerweile bereits im Freien platziert worden, um sie abzuhärten. Auch werde Raum in den Gewächshäusern benötigt: Dort werden Sommerpflanzen wie Geranien und Fuchsien, aber auch Gemüsepflanzen und Kräuter herangezogen.

Etwas ruhiger war es bei den Potsdamer Staudenkulturen in der Gärtnerei an der Golmer Chaussee: „Der Tag ist normal gelaufen, die Leute nehmen das Angebot gut an“, so eine Mitarbeiterin. „Es ist eigentlich so wie immer um diese Jahreszeit, wir machen ja ohnehin immer erst am 1. März auf.“ Nachgefragt wurde das komplette Frühlingssortiment, vor allem Stiefmütterchen und Hornveilchen.

Im Gartenmarkt Buba in Groß Glienicke war am ersten Tag mehr los.
Im Gartenmarkt Buba in Groß Glienicke war am ersten Tag mehr los.Foto: Bernd Settnik/dpa

Anders als in Brandenburg blieben Gartencenter in Berlin weiterhin geschlossen. Einen Ansturm von Berliner:innen konnten die Gärtnereien jedoch nicht erkennen: „Es lief ganz normal, es waren viele Stammkunden dabei“, sagte ein Mitarbeiter von Gartenbau Buba an der Potsdamer Chaussee. Im großen Gartencenter des Toom-Baumarktes an der Großbeerenstraße war man sogar etwas enttäuscht über den ersten Tag: „Es war eher verhalten, wir hätten eigentlich mit mehr gerechnet“, so eine Mitarbeiterin. Sie schätzt, dass viele Kund:innen wegen des kühlen Wetters noch mit dem Pflanzen warten – immerhin könnte es laut Wettervorhersage am Wochenende sogar wieder schneien.

Wo wurde noch gelockert?

Die Stadt hatte sich bereits Ende vergangener Woche zur eingeschränkten Wiedereröffnung der Volkshochschule im Bildungsforum Am Kanal entschlossen. Dort können nun wieder Kurse mit maximal fünf Teilnehmenden stattfinden – allerdings nur mit einer OP- oder FFP2-Maske. „Kurse mit mehr Teilnehmenden werden online fortgeführt, dasselbe gilt für Kurse, die wegen der Pandemie als reine Online-Kurse konzipiert waren. Diese gibt es in allen Bereichen, auch bei den Sport- und Bewegungskursen“, hieß es vom Rathaus weiter. Es gebe aktuell auch noch freie Plätze in verschiedenen Kursen, etwa zum Erlernen von Sprachen. Weitere Informationen zum Programm gibt es unter www.vhs.potsdam.de.(mit dpa)


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